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Coldplay

Gekommen, um zu bleiben

Band Coldplay

(tsch) Es ist vielleicht ein untrüglicher Hinweis auf den Niedergang des Abendlandes: Ein Klingelton wurde Coldplay zum Verhängnis. Statt - wie das alle Fans, aber auch die Buchmacher des traditionell wettfreudigen United Kingdoms erwarteten - der Coldplay-Single "Speed Of Sound" schnellte vor ein paar Wochen ein quakender Handyfrosch auf die Pole Position der britischen Charts. Da wird Chris Martin, der mit Coldplay immerhin vier Grammys und vier Brit-Awards einfuhr, kurz geschluckt haben. Aber nur ganz kurz, den das Album "X & Y", das dieser Tage erscheint, wird einschlagen - und zwar weltweit.

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Zarter Indikator dafür: In den USA schaffte es oben erwähntes "Speed Of Sound" aus dem Stand in die Billboard-Top-Ten. Das gelang zuletzt vor 25 Jahren den Beatles mit "Let It Be", mit denen man Coldplay in den Staaten momentan des Öfteren vergleicht. Hier bestritten Coldplay mit dem letzten Album "A Rush Of Blood In The Head" eine ausgedehnte Stadiontournee, die Single "In My Place" bescherte der Band eine Top-fünf-Platzierung. Und, zumindest für Chris Martin wichtiger: Hier lernte er vor zwei Jahren seine frischgebackene Ehefrau, die Schauspielerin Gwyneth Paltrow kennen. Klar, eine Liebesheirat - aber eine, die sich auch kommerziell rechnet. Denn den Stammplatz in den Klatschspalten der Yellow Press, den hat Chris Martin spätestens seit der Geburt von Tochter Apple sicher - was man von anderen Brit-Stars wie Robbie Williams oder den Gallagher-Brüdern nicht sagen kann.

"Ich würde sie gerne hassen - aber sie sind einfach verdammt gut", sagte Ian McCulloch, Sänger der Britpop-Veteranen Echo and the Bunnymen, schon vor zwei Jahren. Und diese immense Qualität dürfte Kickstarter für die Coldplay-Karierre gewesen sein. Von der ersten EP veröffentlichten Chris Martin, Will Champion (Schlagzeug), Jon Buckland (Gitarre) und Guy Berryman (Bass), die sich Mitte der 90er-Jahre auf einem Londoner College kennen lernten, gerade mal 500 Stück. Die zweite folgte rasch und erschien auf dem englischen Indie Fierce Panda, das in der Vergangenheit für Bands wie Embrace oder Keane Erfolgsmotor war. Hier blieben Coldplay kein Jahr - Parlophone kaufe die Band 2000 aus ihrem Vertrag, um "Parachutes" zu veröffentlichen - das erste Coldplay-Album und eine der schönsten Britpop-Platten überhaupt. Vielleicht liegt's daran, dass es um Leidenschaft geht - um Gefühle. "Ich möchte, dass die Leute etwas von unserer Musik mitnehmen. Sie sollen da etwas rausholen - mir ist lieber, sie merken, dass sie es hassen, als das es ihnen gleichgültig ist."

18 Monate: So lang dauerte es, bis "X & Y", das dritte Album von Coldplay, im Kasten war. Klar, man spielte Fußball, man blödelte ein wenig herum, man verbrachte einfach Zeit miteinander. Trotzdem gilt: "Wir haben uns so hart angetrieben, wie wir nur konnten", begründet Gitarrist Jonny Buckland. "Wir mussten einfach das Gefühl haben, dass wir uns weiterentwickelt haben und dass uns die Musik richtig aufwühlt. Und wir waren keineswegs bereit, irgendetwas zu veröffentlichen, bis es sich richtig anfühlte."

Und in der Tat, es fühlt sich richtig an, auch für den Hörer. "X & Y" ist eine Platte, die Gefühlswelten nicht neu ergründet, aber schlüssig und identitätsstiftend darlegt und für eine so lange Entstehungszeit erstaunlich kompakt und geschlossen klingt. "Für mich behandelt das Album die nicht zu beantwortenden Fragen und wie man damit umgeht, dass man die ganzen unbekannten Variablen nicht erklären kann", erklärt Chris Martin selbst die Platte.

Das klingt diffus - aber Coldplay überlassen traditionell dem Hörer so etwas wie die Interpretationshoheit über ihre Songs. Konkreter wird Chris Martin, wenn's um soziales Engagement geht. So reiste er nach Haiti, nach Mexiko und zuletzt im Februar nach Ghana, um vor Ort Eindrücke über die Situation der Landwirtschaft in der Dritten Welt zu sammeln. Der Hintergrund: Coldplay engagieren sich seit Jahren für fairen Welthandel. Chris Martin sieht's aber nicht so bierernst wie andere, bezeichnet sich in Interviews durchaus auch mal als "drittklassiger Bono". Auch gegenüber der eigenen Plattenfirma nimmt Chris Martin kein Blatt vor den Mund. Erst unlängst bezeichnete er die Band als "Sklaven der Shareholder", die das Label kontrollieren würden. Manchmal sind den Plattenfirmen Klingeltöne wahrscheinlich doch lieber - die haben nämlich keinen eigenen Kopf.

Jochen Overbeck


Weltweit auf der Überholspur: Coldplay sind die wichtigste Band Großbritanniens.
Weltweit auf der Überholspur: Coldplay sind die wichtigste Band Großbritanniens. (EMI)

"X & Y", das dritte Studioalbum von Coldplay, steht dieser Tage in den Läden.
"X & Y", das dritte Studioalbum von Coldplay, steht dieser Tage in den Läden. (EMI)

Trotz ihres immensen Erfolges besitzen Coldplay nach wie vor Bodenhaftung.
Trotz ihres immensen Erfolges besitzen Coldplay nach wie vor Bodenhaftung. (EMI)

Datum: 26.06.2005

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Diskussion: "Coldplay"

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