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Die Unbekannte: Drama-Thriller von Guiseppe Tornatore

Die Unbekannte

(vm/tsch) Mit Filmen wie „Cinema Paradiso“ (1988) und „Der Mann, der die Sterne macht“ (1995) hatte sich der italienische Regisseur Guiseppe Tornatore dem Nostalgischen und Verträumten verschrieben und jenes Bild von Italien heraufbeschworen, was die Welt am liebsten sieht: den kleinen Mikrokosmos des italienischen Dorfes, das so viel Charme und Gemütlichkeit versprüht, dass einem so richtig warm ums Herz wird. Ganz kalt und ungemütlich wird dem Zuschauer hingegen bei Tornatores neuem Film „Die Unbekannte“, einem kaltblütigen Drama-Thriller.

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Das Paradies ist verloren. Selbst Guiseppe Tornatore, Europas großer Kinoträumer, muss das einsehen. Der italienische Regisseur vom unbeschwerten "Cinema Paradiso" lässt den "Zauber von Malena" verblassen und entdeckt mit "Die Unbekannte" (2006) die Realität. Tornatore ist im Jetzt angekommen, im heutigen Europa. Und da haben Träumereien und Nostalgie keinen Platz. Zu hart, zu unvorstellbar grausam kann die Wirklichkeit sein, was nun auch auf DVD gezeigt wird.

Die Unbekannte heißt Irena (Kseniya Rappoport). Sie kommt in eine Stadt, in der sie niemand kennt, versteckt einen Koffer voll Geld, mietet sich eine kleine Wohnung. Sie geht im Mietshaus gegenüber putzen und hat eine mysteriöse Verbindung zur Familie Adacher. Dort wird Irena als Hausmädchen angestellt, nachdem sie ihre Vorgängerin aus dem Weg geräumt hat. Sie gewinnt das Vertrauen der Familie, vor allem der kleinen Tochter Tea (Clara Dossena). Es ist schnell klar, dass dem Mädchen das ganz Interesse Irenas gilt. Das Warum bleibt nicht lange im Dunkeln, weil Irenas und Teas Haare ähnlich widerspenstig sind.

"Die Unbekannte" ist ein Film der Blicke. Frauen blicken aus dem Fenster, die Sehnsucht blickt aus den Gesichtern der Frauen, die Kamera blickt in ihre Augen. Dort wo sich Schmerz und Liebe treffen, dort wo das Verlangen nach etwas Glück in einem glücklosen Leben Verzweiflung gebiert. Das alles spiegelt sich in Kseniya Rappoports Gesicht, das alles bleibt ein stummer Schrei. Bis Muffa (Michele Placido) auftaucht, ein böser Schatten aus der Vergangenheit und sich der Thriller zum Drama wandelt.

Während Irenas Gegenwart in kaltem Graublau erscheint, sind die immer wieder aufblitzenden Rückblicke in warmes Licht getaucht. Doch was sich in den warmen, fast herzlichen Farben abspielt, ist von unvorstellbarer Grausamkeit. Frauen, Prostitution, verkaufte Körper - das ganze Ausmaß des Schreckens wird erst am Ende des Films sichtbar. Giuseppe Tornatore mag mit "Die Unbekannte" über das Ziel hinausschießen. Sein Film wirkt bisweilen etwas manieriert, etwas zu offensichtlich. Und formal gelingt der Wechsel zwischen Thriller und Drama nur bedingt, vor allem das letzte Viertel wirkt konfus. Aber der Film bewegt, bewirkt etwas, provoziert Emotionen. In dieser Hinsicht ist sich Tornatore treu geblieben, der gewiefte Puppenspieler der Gefühle.

Die DVD überzeugt bezüglich der technischen Belange. Das warme Licht der schrecklichen Albträume wurde durch eine intensive Farbgebung bestens eingefangen, und am kalt wirkenden Jetzt gibt es dank guter Schärfe- und Kontrastwerte nichts auszusetzen. Der atmosphärisch dichte Dolby Digital 5.1-Sound wurde sehr gut abgemischt und findet die richtige Balance zwischen klaren Dialogen, der tragenden Musik Ennio Morricones sowie dezent eingesetzten räumlichen Effekten. Im insgesamt etwas enttäuschenden Bonusteil gibt es neben einem Audiokommentar des Regisseurs ein wenig fesselndes 20-minütiges Making Of sowie dessen als Featurette betitelte vierminütige Zusammenfassung.

Andreas Fischer

bewertungsbox

bildformat 2,35:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), Italienisch (5.1)
untertitel Deutsch
extras Audiokommentar Guiseppe Tornatore (Regisseur); Making Of; Featurette
laufzeit 116 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 18 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton gut
bewertung extras befriedigend

Credits:
(I 2006, R: Guiseppe Tornatore, D: Kseniya Rappoport, Michele Placido, Claudia Gerini u.a.)


Italiens Kinoträumer Giuseppe Tornatore wagt mit "Die Unbekannte" einen harten Blick auf die Realität der Gegenwart.
Italiens Kinoträumer Giuseppe Tornatore wagt mit "Die Unbekannte" einen harten Blick auf die Realität der Gegenwart. (Senator)

Irena (Kseniya Rappoport) schleppt ein dunkles Geheimnis mit sich herum.
Irena (Kseniya Rappoport) schleppt ein dunkles Geheimnis mit sich herum. (Senator)

Mit der kleinen Tea (Clara Dossena) fühlt sich Irena (Kseniya Rappoport) besonders verbunden.
Mit der kleinen Tea (Clara Dossena) fühlt sich Irena (Kseniya Rappoport) besonders verbunden. (Senator)

Datum: 16.11.2008

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