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James Garner

Im Rentenalter fängt der Spaß erst an

Schauspieler James Garner

(tsch) Zweifellos ist James Garner eine imposante Erscheinung. Dass der braun gebrannte, komplett schwarz gekleidete Hollywoodstar während des gesamten Interviews nicht daran denkt, seine dunkle Sonnenbrille abzunehmen, verstärkt die enorme Coolness nur, die dieser 77-Jährige ausstrahlt. Ja, so ein US-Opa macht schon was her. Auch wenn er hin und wieder mit recht autoritärem Unterton an einer Frage, die ihm nicht in den Kram passt, herummäkelt oder sich gar ganz um eine Antwort drückt, präsentiert sich Garner als knorrig-liebenswerter und bodenständiger Gesprächspartner. Kein Wunder, dass ihn alle am Set der US-Erfolgsserie "8 Simple Rules For Dating My Teenager Daughter" (unter dem Titel "Meine wilden Töchter" Sonntagmittag bei ProSieben) ins Herz geschlossen haben. Ein Glücksfall für die Produktion. Denn vor allem von ihm, dem Neuen in der Serie, hing es ab, ob die Sitcom nach dem überraschenden Tod von Hauptdarsteller John Ritter, Mitte 2003, eine Zukunft hat.

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Wenn er sagt, er sei als ein Teil der Serienfamilie Hennesy akzeptiert, dann untertreibt James Garner wohl. Denn gemeinsam mit Mom Cate (Katey Sagal, bekannt aus "Eine schrecklich nette Familie") stemmt der 2004 eingezogene Grandpa so ziemlich alles in diesem turbulenten Haushalt.

Dabei habe er lange gezögert, als es darum ging, den Part als Cates Vater zu übernehmen. "Es war eine riesige Herausforderung für mich", sagt Garner, "schließlich war John Ritter der von allen geliebte Star. Im Grunde war der Tod des Familienvaters doch das logische Aus für die Serie." Doch schon bei seiner ersten Visite am Set von "8 Simple Rules ..." in Los Angeles habe er gespürt, welche Hoffnungen alle mit seinem Einstieg verbanden. "Man hat mich mit offenen Armen und unglaublich herzlich empfangen", erinnert sich der Alt-Star. Außerdem seien die Drehbuchautoren sehr klug und sensibel mit dem Tod und den Umbesetzungen umgegangen: Neben dem Opa wurde mit C.J. (David Spade) noch eine neue, integrative Figur in die Serie eingeführt. "Nun sieht es ganz so aus", grinst Garner, "als würden auch die Fans sagen: 'Okay, geben wir ihnen eben eine Chance!"

Es ist dem im April 1928 in Norman, Oklahoma, geborenen Garner, der Sohn eines deutschen Einwanderers ist und angeblich auch Cherokee-Indianer-Blut in den Venen haben soll, hoch anzurechnen, dass er in einer solchen zwar ambitionierten, aber doch recht einfachen TV-Familienserie mitmacht. Nötig hätte er das gewiss in keinerlei Hinsicht. Seine Fähigkeiten beweist ein Star diesen Alters normalerweise nur noch selten, und wenn, dann auf ganz anderer Ebene. Garner etwa brillierte im vergangenen Jahr in einer gefühlvollen Charakterrolle im Melodram "Wie ein einziger Tag" (Original: "The Notebook").

Mit seinem Namen verbindet man jedoch vor allem sofort eine Rolle: "Detektiv Rockford - Anruf genügt". Diese Serie (im Original: "The Rockford Files") machte James Garner, der auch in "Maverick" der Serienheld war, in den 70er-Jahren zum Weltstar. Aber auch wenn Garner seinen größten Erfolg im TV erzielte, war er doch immer auch im Kino präsent und verkörperte dort die unterschiedlichsten Rollen, darunter immer wieder Glanzlichter wie der Blockbuster "Space Cowboys" (Sonntag, 3. Juli, 20.15 Uhr, RTL), für den er mit Tommy Lee Jones, Clint Eastwood und Donald Sutherland vor der Kamera stand.

Warum also tut sich einer aus dieser Liga eine Sitcom-Hauptrolle an? Um eine Antwort ist Garner keine Sekunde verlegen: "Weil ich so etwas noch nie gemacht habe und weil so eine Sitcom einfach ein Riesen-Spaß ist", sagt er und betont, wie schön es sei, doch wieder über einen so langen Zeitraum eine derart physische Rolle zu spielen. "Von der Technik abgesehen, hat sich doch so viel gar nicht verändert - es kommt immer noch in erster Linie darauf an, wen du um dich rum hast." Aber - abgesehen vom Lohn, für "Maverick" habe er 500 Dollar pro Folge kassiert, was vor 38 Jahren für ihn unglaublich viel Geld gewesen sei - ein paar Dinge sind heute schon anders im Fernsehen. Vor allem, was sich in den letzten vier, fünf Jahren getan hat, findet bei Garner wenig Gefallen: "Wenn Sie meine Meinung hören wollen: Reality-TV stinkt. Es ist widerlich." Dass plötzlich alle möglichen, eben auch untalentierten Leute ins Fernsehen drängen, ist für Garner das eigentliche Schlimme daran. - Und dass die Medien da mitspielen.

Garner sagt, dass ihm heute immer häufiger junge Schauspieler mit Allüren begegnen. Dass er offensichtlich keine solchen hat, mag mit seiner Arbeitseinstellung zu tun haben. Schon in den 50er-Jahren, bei "Maverick", habe er jeden Tag in der Mittagspause ein Interview gegeben. "Das war einfach so. Wir wussten gar nicht genau, was wir da taten, die Sender hatten in den Anfangsjahren ja auch noch keine Erfahrung mit Promotionarbeit. Es gab eben noch keine 100 verschiedenen Sender mit tausenden so genannten, immer wieder neuen Stars, sondern nur eine Hand voll bekannter Schauspieler, auf die sich halt alle Journalisten stürzten." Wenn heute ein Kollege über zu viel Arbeit stöhnt, kann James Garner nur lachen. Er erzählt, inzwischen in blendender Plauder-Laune, dass er fünf Jahre lang, sechs Tage die Woche für "Detektiv Rockford" vor der Kamera stand. "Nach den fünf Jahren sagte ich: 'Leute, ich bin allmählich ausgebrannt, wir müssen etwas ändern.' Also haben wir angefangen, sieben Tage zu drehen." Ein echter Brüller. - Der 77-Jährige schwört, dass dies kein Witz, sondern die nackte Wahrheit ist.

Über mangelndes Medieninteresse könne er sich auch als Star im Rentenalter nicht beschweren, meint Garner. Er betont aber, wie froh er darüber ist, dass sich die Yellow Press für einen Schauspieler in seinem Alter nicht mehr weiter zu interessieren scheint. Mit seiner Frau Lois lebt der Vater zweier Töchter heute eher zurückgezogen in Los Angeles. Der einstige Draufgänger und Auto-Rennsport-Fan (Ende der 60er-Jahre besaß er ein eigenes Racing Team) wirkt zwar noch ganz gut in Schuss, hat aber längst die Rennbahn mit dem Golf-Parcours getauscht. Das passt auch besser zu einem Ehrendoktor in Humanismus, zu dem ihn die Universität von Oklahoma 1995 erkohr.

Frank Rauscher


Mit 77 Jahren noch voller Elan bei der Arbeit: James Garner.
Mit 77 Jahren noch voller Elan bei der Arbeit: James Garner. (ABC / ProSieben)

James Garner sagt, dass er mit der Rolle des Großvaters in "Meine wilden Töchter" einen echten Glückstreffer gelandet hat.
James Garner sagt, dass er mit der Rolle des Großvaters in "Meine wilden Töchter" einen echten Glückstreffer gelandet hat. (ABC / ProSieben)

Nach dem Tod des Familienoberhauptes entdecken die Hennessys die Zerbrechlichkeit des Lebens: Bridget (Kaley Cuoco, rechts), Kerry (Amy Davidson, links), Cate (Katey Sagal, dritte von links), Rory (Martin Spanjers, zweiter von rechts), Jim (James Garner, dritter von rechts) und C.J. (David Spade, zweiter von links).
Nach dem Tod des Familienoberhauptes entdecken die Hennessys die Zerbrechlichkeit des Lebens: Bridget (Kaley Cuoco, rechts), Kerry (Amy Davidson, links), Cate (Katey Sagal, dritte von links), Rory (Martin Spanjers, zweiter von rechts), Jim (James Garner, dritter von rechts) und C.J. (David Spade, zweiter von links). (ABC / ProSieben)

Datum: 12.07.2005

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