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Yul Brynner

König der Glatzköpfe

Schauspieler Yul Brynner

(tsch) "Das Gemüt eines Kindes im Körper eines Karatekämpfers", so hat Ingrid Bergman ihn einmal charakterisiert, und man darf annehmen, dass Yul Brynner nichts gegen diese Beschreibung einzuwenden hatte. Jahrzehntelang war der weiche Kerl in der harten Schale der berühmteste - und teuerste - Glatzkopf Hollywoods. Für viele blieb der Mann mit der minimalistischen Frisur ein Exot, und er selbst half kräftig mit bei der Legendenbildung um sein Leben. Yul Brynner wäre am 7. Juli 90 Jahre alt geworden, am 10. Oktober jährt sich sein Todestag zum 20. Mal. Die ARD ehrt nun einen der ganz großen Draufgänger in der Filmgeschichte mit einer Reihe seiner berühmtesten Streifen.

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Geboren wurde Yul Brynner als Julius Brynner auf der Insel Sachalin oder in Wladiwostock, entweder 1915, 1917 oder 1920, und möglicherweise kam er nicht am 7., sondern am 11. Juli zur Welt ... - Die Wahrheit liegt im Dunkel der Geschichte oder jedenfalls irgendwo dazwischen. Vielleicht genügt es auch einfach, zu wissen, dass er auf der Welt war und in seinem Erdenleben nicht viel ausgelassen hat. Brynner hielt jedenfalls wenig von historischer Genauigkeit und gab, befragt nach seinem Leben, gerne lapidare Antworten wie: "Meine Vergangenheit hat für mich keine Bedeutung, und so werde ich auch nicht revidieren, wenn etwas nicht stimmt." Dieses kalkulierte laissez-faire im Umgang mit der eigenen Biografie hat ihm nicht geschadet. Im Gegenteil: Sie hat viel zu der Faszination seiner ungewöhnlichen Erscheinung beigetragen.

Kein Wunder: Schon das, was als gesichert gilt, ist abenteuerlich genug. Als Kind eines Vaters mit schweizerisch-mongolischen Wurzeln und einer rumänischen Zigeunerin wächst der kleine Julius zunächst in Peking auf, bevor er mit acht Jahren zur Großmutter in die Schweiz geschickt wird. Später tingelt er als Gitarrist durch Pariser Nachtclubs, tritt als Artist im Zirkus auf, um nach einem schweren Sturz ein Regie- und Schauspielstudium zu beginnen. Auf einer Tournee kommt er 1940 schließlich in die USA, wo er sich unter anderem als Rundfunksprecher durchschlägt.

Erst 1952 findet Brynner zu der Rolle, die sein "Schicksal" werden sollte, wie er selbst sagte: Für den Part im Broadway-Musical "The King and I" lässt er sich seine legendäre Glatze rasieren, insgesamt in 4.625 Aufführungen steht er als siamesischer König auf der Bühne, für seine Hauptrolle in der Verfilmung mit Deborah Kerr aus dem Jahr 1956 erhält er den Oscar. Und auch privat bringt ihm die Rolle Glück: Nach drei gescheiterten Ehen lernt Frauenheld Brynner bei den Proben zu "The King and I" seine letzte Liebe und vierte Ehefrau Cathy Lee kennen.

Zeit seiner Leinwand-Karriere war Yul Brynner überall da zu sehen, wo sich echte Kerle und knallharte Kämpfer so rumtreiben: Als "König der Freibeuter" machte er die Weltmeere unsicher, als Revolverheld zog er durch den Wilden Westen ("Die glorreichen Sieben"). Er gab den würdevollen Pharao in der Wüste ("Die zehn Gebote", 1956), war Finsterling und Lieblings-Russe ("Die Brüder Karamasow") der Traumfabrik.

Seine weiche Seite zeigte der Whiskey-Trinker, Kettenraucher und Macho vom Dienst vor allem, wenn er sich privat engagierte. Als Vertragspartner für die UNESCO forschte er jahrelang nach den Schicksalen verschleppter Menschen. Im Jahr 1969 baute er ein Heim für schwer verletzte vietnamesische Kinder, gründete in England eine Schule für Zigeuner.

Ein Kämpfer blieb Yul Brynner bis zum Schluss: Wenige Monate bevor er endgültig seinem Lungenkrebs erlag, gab er noch die Rolle seines Lebens am Broadway - seine Hoffnung auf eine 5.000. Vorstellung von "The King and I" sollte sich aber nicht mehr erfüllen. Am Ende seines Lebens hatte er sich, von Krankheit schwer gezeichnet, in Werbefilmen gegen das Rauchen engagiert. Am 10. Oktober 1985 starb der geheimnisvolle Weltbürger in New York. Wie es sich für einen Cowboy gehört - ohne Publikum, nur die Ehefrau an seiner Seite.

Yul Brynner ist ein Mythos, das die ARD nun ganz zu Recht mit den Wiederholungen einiger seiner größten Filme ehrt (zahlreiche weitere Brynner-Filme werden in den kommenden Wochen auch in den Dritten Programmen gezeigt):

Donnerstag, 7.7., 1.05 Uhr: "Westworld", USA 1972 (Regie: Michael Crichton)

Donnerstag, 14.7., 0.55 Uhr: "Taras Bulba", USA 1961 (mit Tony Curtis, Christine Kaufmann, Regie: J. Lee Thompson)

Donnerstag, 29.7., 3.00 Uhr: "Der Schatten des Giganten", USA 1966 (mit Kirk Douglas, Senta Berger, Angie Dickinson, Regie: Melville Shavelson)

Donnerstag, 4.8., 0.50 Uhr: "Die Spur führt nach Soho", Großbritannien 1968 (Regie: Sam Wanamaker)

Freitag, 12.8., 0.30 Uhr: "Wir warten in Ashiya", USA / Japan 1962 (Regie: Michael Anderson)

Donnerstag, 18.8., 1.20 Uhr: "Die Brüder Karamasow", USA 1957 (mit: Maria Schell, Claire Bloom, Lee J. Cobb, Regie: Richard Brooks)

Samstag, 27.8., 2.15 Uhr: "Auf leisen Sohlen kommt der Tod", USA 1971 (Regie: Richard Colla)

Freitag, 2.9., 1.20 Uhr: "Adios Sabata", Italien 1970

Freitag, 9.9., 2.50 Uhr: "Treffpunkt für zwei Pistolen", USA 1964, Regie: Richard Wilson

Freitag, 16.9., 1.20 Uhr: "Spion zwischen zwei Fronten", Frankreich / Großbritannien 1966 (mit Christopher Plummer, Romy Schneider, Gert Fröbe, Regie: Terence Young)

Donnerstag, 22.9., 1.05 Uhr: "Salomon und die Königin von Saba", USA 1959 (mit Gina Lollobrigida, George Sanders, Marisa Pavan, Regie: King Vidor)

Freitag, 7.10., 1.20 Uhr: "Die glorreichen Sieben", USA 1960 (mit Steve McQueen, Horst Buchholz, James Coburn), Regie: John Sturges

Freitag, 7.10., 3.30 Uhr: "Die Rückkehr der glorreichen Sieben", USA 1966, Regie: Burt Kennedy

Jasmin Herzog


Eine von Yul Brynners unvergessenen Rollen: "Westworld", USA 1972. Der Klassiker läuft am Donnerstag, 7. Juli, 1.05 Uhr, im Ersten. Brynner wäre an diesem Tag 90 Jahre alt geworden. Er spielt den Revolverheld Roboter Gunslinger.
Eine von Yul Brynners unvergessenen Rollen: "Westworld", USA 1972. Der Klassiker läuft am Donnerstag, 7. Juli, 1.05 Uhr, im Ersten. Brynner wäre an diesem Tag 90 Jahre alt geworden. Er spielt den Revolverheld Roboter Gunslinger. (ARD / Degeto)

Häuptling "Schwarzer Adler" (Yul Brynner) hat sich in die schöne Maya-Prinzessin Ixchel (Shirley Anne Field) verliebt: "Könige der Sonne" wird am Montag, 11.07, um 23.20 Uhr, im Südwest-Fernsehen wiederholt.
Häuptling "Schwarzer Adler" (Yul Brynner) hat sich in die schöne Maya-Prinzessin Ixchel (Shirley Anne Field) verliebt: "Könige der Sonne" wird am Montag, 11.07, um 23.20 Uhr, im Südwest-Fernsehen wiederholt. (SWR / Degeto)

"Taras Bulba", USA 1961: In J. Lee Thompsons Klassiker (am Donnerstag, 14.07., 0.50 Uhr, im Ersten) spielt Yul Brynner den Kosakenoberst Taras Bulba.
"Taras Bulba", USA 1961: In J. Lee Thompsons Klassiker (am Donnerstag, 14.07., 0.50 Uhr, im Ersten) spielt Yul Brynner den Kosakenoberst Taras Bulba. (ARD / Degeto)

Datum: 15.07.2005

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