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Woody Allen

Wie es am Ende funktioniert ...

Schauspieler Woody Allen

(tsch) Realität ist, was man daraus macht! Virtuos zerstört Woody Allen in "Melinda und Melinda" (Kinostart: 23.6.) Erwartungen, Klischees und vermeintliche Realität: In der intelligenten Tragikomödie ersinnen vier Kaffeehausgäste zwei Lebensgeschichten für Melinda (Radha Mitchell): Als tragische Heldin platzt sie nach einem Psychiatrieaufenthalt in die Dinnerparty einer reichen Freundin und wirbelt deren gesamten Sozialkosmos durcheinander. In der komödiantischen Variante wiederum taucht sie beim erfolglosen Schauspieler Hobie (Will Ferrell) auf. Der verliebt sich auf der Stelle in die attraktive Blondine und trennt sich nur vier Wochen später von seiner Frau. Doch da hat Melinda sich amourös schon anderweitig orientiert, und so kippt die Komödie zur Tragödie. Oder doch nicht? Zum Interview im Londoner Nobelhotel Dorchester erscheint der New Yorker Kultregisseur Woody Allen entspannt und in Plauderlaune.

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teleschau: Ihre Filmhandlung zerfällt in einen tragischen und einen komödiantischen Handlungsstrang. Welchen bevorzugen Sie?

Woody Allen: Die Tragödie natürlich! Schon als junger Mensch interessierte ich mich für Tragik. Ich träumte davon, ein großer Tragödienautor zu werden. Aber meine Begabung lag in der Komödie. Also schrieb ich Komödien und hatte schnell großen Erfolg. Aber persönlich faszinierten mich schon immer die Werke von Leuten wie Eugen O'Neill, Ingmar Bergman, Arthur Miller, Ibsen oder Tennessee Williams wesentlich mehr.

teleschau: Würden Sie als Mann die tragische Melinda mit ihren Neurosen der psychisch stabilen Variante vorziehen?

Allen: Die neurotische Melinda ist unglaublich schön. Aber ich würde mich dennoch für das komische Exemplar entscheiden. Denn sie hat wenigstens eine Strategie entwickelt, um das Leben zu bewältigen, während die neurotische Melinda unter der Last des Lebens zusammenbricht. Als Frau wäre sie eine echte Versuchung, aber mit vielen Problemen verbunden. Ich habe das am eigenen Leib schon erlebt und weiß deshalb, wovon ich rede.

teleschau: Wovon denn genau?

Allen: Solche Frauen sind sehr verführerisch, sehr aufregend - aber am Ende bedauert man die Beziehung mit ihnen. Man glaubt als Mann immer, dass man selbst derjenige sein kann, der sie stabil und auf Kurs hält. Aber es funktioniert am Ende leider nicht so, sondern genau andersherum.

teleschau: Sie stehen auch selbst vor der Kamera, schreiben Sie Ihren Darstellern deshalb mehr vor als andere Regisseure?

Allen: Im Gegenteil! Ich engagiere sie - und das war's dann. Bei meinen Filmen gibt es auch kein gemeinsames Lesen des Drehbuchs, keine Proben, in denen man Szenen auf alle erdenklichen Arten durchspielen lässt. Meine Darsteller werden engagiert und wissen, an welchem Tag sie zum Dreh kommen sollen. Das war's! Wenn sie Mist bauen, dann sage ich es ihnen. Aber meistens sind sie auf Anhieb sehr gut.

teleschau: Will Ferrell spielt die Rolle des erotisch verwirrten New Yorkers, der zwischen zwei Frauen pendelt. In früheren Filmen hätten Sie diesen Part selbst übernommen …

Allen: ... aber jetzt bin ich zu alt. Außerdem könnte ich vielleicht einige Sachen besser als Will, aber er kann ganz sicher viele Dinge besser als ich. Viel wichtiger aber ist, dass es einen Unterschied zwischen Kino und Realität gibt. Wenn ich wesentlich älter als meine Frau bin, dann spielt das im richtigen Leben keine Rolle. Man kann damit locker umgehen. Aber im Film funktioniert diese Konstellation nicht. Wenn ein unüblicher Altersunterschied Teil einer Handlung ist, dann muss ich ihn thematisieren und begründen.

teleschau: Als Sie sich von Mia Farrow trennten und Ihre wesentlich jüngere Frau Sun-Yi heirateten, schlugen die Wellen auch im richtigen Leben ziemlich hoch?

Allen: Allerdings.

teleschau: Wie ist Ihr Verhältnis zu Mia Farrow heute?

Allen: Ich habe seit neun oder zehn Jahren kein Wort mehr mit ihr gewechselt. Technisch betrachtet haben wir also kein Verhältnis. Sie lebt nicht mehr in New York, ich bin mit meiner Familie dort geblieben.

teleschau: Mia Farrow war lange Zeit Ihre Muse und Sie verbinden gemeinsame Kinder. Bereuen Sie es, dass Sie keinen Kontakt mehr haben?

Allen: Warum sollte ich das bereuen? Sie hat mir das Leben damals wirklich schwer gemacht.

Kerstin Borner


Woody Allen inszenierte mit "Melinda und Melinda" sein bestes Werk seit langer Zeit.
Woody Allen inszenierte mit "Melinda und Melinda" sein bestes Werk seit langer Zeit. (teleschau / Archiv)

Hauptdarsteller Will Ferrell (links) und Regisseur Woody Allen am Set von "Melinda und Melinda", der nun in die deutschen Kinos kommt.
Hauptdarsteller Will Ferrell (links) und Regisseur Woody Allen am Set von "Melinda und Melinda", der nun in die deutschen Kinos kommt. (2005 Twentieth Century Fox)

Datum: 10.08.2005

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Diskussion: "Woody Allen"

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