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"Der Mann, der niemals lebte" klärt auf

Der Mann, der niemals lebte

(mb/tsch) Weit und breit kein neues „Apocalypse Now“. Auch sieben Jahre nach 9/11 gibt es noch keinen Antiterrorfilm, der das Format des Vietnam- und Antikriegsfilms von Francis Coppola hätte. Aber vielleicht ist es noch zu früh. Immerhin vergingen zwischen dem Beginn der amerikanischen Intervention und deren Ende glatte zehn Jahre. Kurz gesagt: Auch „Der Mann, der niemals lebte“ ist nicht der große Wurf. Dabei ist der Film keineswegs schlecht, wirklich Neues bietet er allerdings weder stilistisch noch inhaltlich. In den USA ging Ridley Scotts Anti-Terror-Thriller denn auch an der Kinokasse gnadenlos baden. Ob dies an der mangelnden Qualität des Films lag, darf allerdings doch bezweifelt werden.

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Explosiv, rasant, fiebrig in den besten Szenen - aber eben auch nach konventionellem Muster gestrickt: "Der Mann, der niemals lebte" ist solide, aber kaum überraschende Kost von Ridley Scott. Handwerklich makellos, fehlen dem wenig fesselnden Drama mit Thrillerelementen, das auf dem gleichnamigen Roman eines Journalisten der "Washington Post" beruht, Glaubwürdigkeit und Schlüssigkeit. Scott bleibt zu banal und verlässt sich zu sehr auf die Kraft seiner Darsteller. Die größte Schwäche jedoch liegt im Mangel innovativer Ideen.

Vertrauen ist ein Luxus, auf den Spione verzichten müssen: CIA-Agent Roger Ferris (DiCaprio) will einen hochkarätigen jordanischen Terroristen dingfest machen. Doch dafür muss er sich in seinem Geheimdienst Rückendeckung holen. Dort gibt ihm vor allem sein Vorgesetzter Ed Hoffman - Russell Crowe hat für diese Rolle 50 Pfund zugenommen - Anlass zur Sorge.

Während sich Ferris seinem Ziel nähert, gerät er immer tiefer in einen Sumpf aus Verrat, Intrigen und Kompetenzrangeleien. Dabei wäre alles so einfach, wenn alle die einzige Regel befolgen würden, die der jordanische Geheimdienstchef für eine Zusammenarbeit mit dem Amerikaner aufstellt: "Lügen Sie mich niemals an." - Aber da könnte man auch gleich verlangen, dass ein im Getränkemarkt eingesperrter Alkoholiker das Bier nicht anrührt.

Natürlich - Ridley Scott versteht schließlich sein Handwerk - ist "Der Mann, der niemals lebte" ästhetisch gefilmt. In jener leicht schmutzig wirkenden, hektischen Optik, die Terrorfilmen in den vergangenen Jahren eigen geworden ist, als sie einerseits mehr und mehr in den arabischen Raum verlegt wurden und andererseits durch den häufigen Einsatz von Handkameras Unmittelbarkeit und Authentizität vermitteln. Scott nutzt Sand und Sonne, die staubigen, verwinkelten Innenstädte, enge Gassen und verfallende Baracken als Stilmittel. Heiß und flirrend ist "Der Mann, der niemals lebte" in vielen Momenten, ein Labyrinth, in dem sich Halbwahrheiten nicht von Lügen unterscheiden lassen.

Dem Gegenüber steht - als krasser Gegensatz - die kühle, berechnende, kontrollierende CIA. Der technische ausgereifte Überwachungsapparat der Amerikaner kann sich aus Aufklärungs-Flugzeugen heraus soweit an Verdächtige und Unschuldige heranzoomen, bis die Bartstoppeln sichtbar werden. Das ist notwendig, denn: "Die Welt, in der wir leben, ist viel einfacher zu zerstören, als wir es wahrhaben wollen", wie es im Film lakonisch heißt. Und dann werden mit größtmöglichem Zynismus unschuldige Geschäftsleute geopfert, um die Welt zu retten.

Das Kino ist immer auch Reflexionsmöglichkeit über den Zustand der Welt, und die ist ein schlechter Platz. Allerdings sollte das didaktische Prinzip der Wiederholung nicht überbewertet werden: Scott betet mantraartig seine Botschaften herunter, die allerdings nicht besonders neu sind: "Vertraue niemanden", "Der Glaube zerstört alles", "Folter ist böse, aber manchmal notwendig". Ohne allzu sehr auf die Figuren einzugehen und immer nur als hektische Abfolge von meist missglückten Geheimdienst-Operationen fehlt dem Film außerdem die Glaubwürdigkeit. Zumal es am Ende doch nur auf die Liebe ankommt. Denn, ob man es glaubt oder nicht, der taffe Agent Ferris tut alles, um eine hübsche Krankenschwester zu retten. Koste es, was es wolle. Das ist in der Realität genauso unglaubwürdig, wie in der bis dahin entwickelten Figur.

Andreas Fischer

Credits:
V:Warner, USA 2008, R: Ridley Scott, D: Leonardo DiCaprio, Russell Crowe, Mark Strong u.a.

Laufzeit: 128 Min.

Kinostart:
20. November 2008


Russell Crowe und Leonardo DiCaprio jagen in Ridley Scotts selten schlüssigen Thriller "Der Mann, der niemals lebte" einen Top-Terroristen.
Russell Crowe und Leonardo DiCaprio jagen in Ridley Scotts selten schlüssigen Thriller "Der Mann, der niemals lebte" einen Top-Terroristen. (Warner)

Russell Crow (links) und Leonardo DiCaprio arbeiten zusammen beim CIA - allerdings mit Methoden, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Russell Crow (links) und Leonardo DiCaprio arbeiten zusammen beim CIA - allerdings mit Methoden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. (Warner)

Immer auf der Hut: Agent Ferris (Leonardo DiCaprio) verrichtet vor Ort im Mittleren Osten die Drecksarbeit für das CIA.
Immer auf der Hut: Agent Ferris (Leonardo DiCaprio) verrichtet vor Ort im Mittleren Osten die Drecksarbeit für das CIA. (Warner)

Datum: 21.11.2008

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