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Heather Nova

Reifes von der Insel

Sängerin Heather Nova

(tsch) Seit ihrem letzten Album "Storm" hat sich vieles in Heather Novas Leben verändert. Durch die Geburt ihres Sohnes Sebastian vor eineinhalb Jahren wurde die ewig tourende Sängerin häuslich. Selbst ihr Mann zog nach zehn Jahren (!) zu ihr auf die Bermudas, sie pflanzt in ihrem Garten Obst und Gemüse. Doch so ganz Mütterchen sein ist für eine talentierte Frau wie Heather Nova wohl nicht das Wahre. "Redbird", ihr mittlerweile sechstes Studioalbum, zeigt, dass sie immer noch rockt. Grund genug für ein Gespräch.

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teleschau: Ein Kind bedeutet viele Entbehrungen. Bist Du von Beginn an damit klar gekommen, dass es nun einen Menschen gibt, der immer vor Dir dran ist?

Heather Nova: Anfangs war es bestimmt nicht einfach. Doch all die Liebe, all das Glück, das ich seit der Geburt meines Sohnes empfinde, wiegt jede schlaflose Stunde in der Nacht wieder auf. Für junge Mütter ist die Umstellung durch ein kleines Kind gewiss schwieriger, weil manche denken, sie würden etwas verpassen. Meinem Mann und mir macht es nichts aus, dass wir abends nicht mehr ausgehen können. Und da wir vor dem Kind ohnehin fast zwei verschiedene Leben lebten, ist es nun umso schöner, dass wir uns ständig sehen. Ich war immer auf Tour oder zu Hause in Bermuda, er war in seinem Studio in London.

teleschau: Ist es denn so ohne Weiteres möglich, als Musikerin zu arbeiten, wenn man ein kleines Kind hat?

Heather Nova: Es ist wirklich sehr einfach. Man muss es sich nur zutrauen und vielleicht ein paar helle Ideen haben. Ein gutes Beispiel: Als es an die Mischung des Albums ging, wurde es Winter in London. Zu kalt für mein Baby, ich wollte heim nach Bermuda. Mein Mann blieb als Mixer natürlich dort, "Redbird" sollte ja endlich flügge werden. Also stellte ich zwei Lautsprecher in meiner Küche auf, schloss den Computer ans Internet und hatte eine Liveschaltung zu meinem Mann ins Studio nach London. So saß ich in meiner Küche, hörte der Fertigstellung des Albums zu und konnte Dinge sagen wie: "Ach Liebling, die Gitarre ein bisschen in den Hintergrund. Kann der Gesang etwas vorgeschoben werden?"

teleschau: Möglichkeiten, die nicht jede Mutter hat ...

Heather Nova: Ich fühle mit den Frauen, die ihr Kind nach drei Monaten in die Krippe geben, weil sie wieder arbeiten gehen müssen. Ich schreibe zu Hause meine Songs und nehme mein Kind auf Tour mit. Mein Mann ist auch dabei, sozusagen der Babysitter. Während ich spiele oder Interviews gebe, zieht er mit dem Kleinen von Zoo zu Zoo oder checkt die Spielplätze aus. Wäre das alles nicht möglich, würde ich nicht arbeiten, da ich unbedingt die ersten Entwicklungsjahre meines Sohnes mitbekommen möchte. Mein Job ist ohnehin eine Privileg, und ich bin jedes Mal aufs Neue dankbar, dass ich so unabhängig arbeiten kann.

teleschau: Dein Mann und Du, Ihr seid seit zehn Jahren verheiratet, habt aber nie zusammengewohnt. Wie bekommt Euch der neue Zustand?

Heather Nova: Sicher hat sich unsere Beziehung komplett geändert. Wir sehen uns nun ständig, sind ein echtes Team geworden. Zu Beginn war das sehr ungewohnt, und wir mussten beide viel zurückstecken. Ich respektiere meinen Mann nun viel mehr, da er so ein fantastischer Vater ist. Es macht mich jedes Mal sehr stolz, wenn ich die beiden zusammen sehe.

teleschau: Haben neue Gefühle zu neuen Songs verholfen?

Heather Nova: Und wie! Die Ängste nehmen zu, die Liebe wird intensiver, die Gefühlswelt erhält unglaublich neue Facetten. Dadurch haben sich meine Texte auch verändert. Musik ist eine gute Fluchtmöglichkeit, wenn mir der ganze Windelkram doch über den Kopf wächst. "Redbird" entstand während vieler Mittagsschlaf-Pausen!

teleschau: Gibt es DEN Song auf dem Album, also Dein Lieblingslied?

Heather Nova: Definitiv "I Miss My Sky". Amelia Earhart war die erste weibliche Pilotin in den 40er-Jahren, ein wichtiger Baustein für die Emanzipation. Sie wollte die Erde umfliegen, doch verlor man über dem Pazifik den Kontakt zu ihr und nahm an, dass sie im Ozean starb. Doch vor kurzem fand man auf einer kleinen Insel Anzeichen dafür, dass sie dort strandete und noch einige Jahre lebte. So wie Tom Hanks in "Cast Away", mit dem Unterschied, dass es für sie kein Happy End gab. Ich fühlte mit ihr, schlüpfte in ihr Leben. Wie grausam muss es sein, lange Jahre auf einer Insel zu leben und zu wissen, dass man dort nie gefunden wird?

teleschau: Deine Kindheit hast Du auf einem Segelboot verbracht. Könntest Du Dir vorstellen, dass Sebastian auch so aufwächst?

Heather Nova: Ich habe nun wirklich kein tiefes Verlangen, jemals wieder auf einem Boot zu leben. Dafür habe ich zu viele unangenehme Geschichten erlebt. Sebastian kommt ja durch meine Arbeit sehr viel herum, er ist schon ein richtig guter Reisender. Wenn er in die Schule kommt, könnte es sein, dass ich mich niederlasse. Da bin ich doch anders als meine Eltern. Sie ziehen dreimal im Jahr um, sie können nicht ankommen. Sie passen einfach perfekt zusammen, weil sie es beide nicht an einem Fleck aushalten.

Nina Becker


"Redbird" entstand komplett auf den Bermudas - dem Ort, an den sich Heather Nova zurückgezogen hat.
"Redbird" entstand komplett auf den Bermudas - dem Ort, an den sich Heather Nova zurückgezogen hat. (Sony BMG)

Starke Mutter, starker Pop: Heather Nova
Starke Mutter, starker Pop: Heather Nova (Sony BMG)

Dank des Internets konnte Heather Nova die Fertigstellung von "Redbird" bequem in ihrer Küche verfolgen.
Dank des Internets konnte Heather Nova die Fertigstellung von "Redbird" bequem in ihrer Küche verfolgen. (Sony BMG)

Datum: 17.11.2005

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Diskussion: "Heather Nova"

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