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Madness

"Wir lieben diese Songs"

Band Madness

(tsch) Ende 1978 gründete sich in England eine Band, die richtungweisend für die Pop-Musik sein sollte. Neben New Wave, Rock und Punk etablierte sich in Großbritannien die Ska-Bewegung, deren erfolgreichste Protagonisten bis heute Madness sind: eine siebenköpfige Band aus dem Londoner Arbeiterviertel Camden, die mit guter Laune, einer furiosen Bühnenshow und Hits wie "Our House" oder "Baggy Trousers" die Charts eroberte. Nachdem sich Madness nach zahllosen Nummer-eins-Hits und Millionen verkauften Alben auf dem Höhepunkt ihrer Karriere trennten, kehrten sie 1999 mit dem Album "Wonderful" zurück. Ein totaler Flop. Jetzt wollen es die Erfinder des "Nutty Sounds" noch einmal wissen, wie Sänger Graham "Suggs" McPherson schwört.

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teleschau: Was war denn mit Eurem Comeback los? Das ging ja ziemlich nach hinten los ...

Suggs: Das funktionierte damals leider überhaupt nicht, weil wir alle unsere Energie ins Album gesteckt hatten, aber gar keinen Gedanken an die Werbung verschwendeten. Wir hatten keinen Plan und keine Tour. Das Album kam heraus, und keiner wusste überhaupt davon. In England ging es ja noch, aber im Rest von Europa hat's niemand mitbekommen. Eine Schande.

teleschau: Sozusagen ein "Wonderful Desaster", wie der Brite zu sagen pflegt ...

Suggs: Wir hatten damals seit acht Jahren keine Platte mehr gemacht und mussten erst wieder lernen, wie das Business funktioniert. Es passierte alles so schnell, dass uns die Ereignisse überrollten. Wir fühlten uns ein bisschen so wie Fußgänger auf der Autobahn - wir kamen einfach nicht mit dem Tempo mit.

teleschau: Ihr habt Euch dann zwischenzeitlich "The Dangermen" genannt und seid durch Großbritannien getourt. Warum unter anderem Namen?

Suggs: Wir hatten das Konzept zu einem Cover-Album schon ziemlich lange und wollten ein paar Ideen bei Konzerten ausprobieren. Als Testballon, sozusagen. Denn nur bei Gigs kriegst du sofort mit, ob die Leute einen Song mögen oder nicht.

teleschau: Daraus wurde dann dieses Album mit Cover-Versionen unter dem Titel "The Dangermen Sessions Vol.1" ...

Suggs: Genau. Wir machten es diesmal andersherum: Wir spielten das Material erst live, um anschließend ein Album daraus zu machen. Meistens ist es ja umgekehrt: Eine Band nimmt erst ein Album auf und geht dann auf Tour. Uns hat es so herum jedenfalls geholfen.

teleschau: Ihr covert zum Teil sehr alte, unbekannte und skurrile Stücke. Was hat Euch dazu inspiriert?

Suggs: Ganz einfach - wir lieben diese Songs, seit wir Teenager sind. Das ist doch immer so: Die Musik, die dich als Jugendlicher inspiriert, lässt dich dein Leben lang nicht mehr los. Keine nachfolgende Band wird je wieder diesen Stellenwert einnehmen, wie die Band, die dir als Teenager wichtig war. Damals, als gewisse Gefühle in dir aufkeimten, und Mädchen plötzlich ziemlich interessant wurden ... (lacht)

teleschau: Wie habt Ihr Eure Ideen gesammelt, aus wie vielen Songs konntet Ihr wählen?

Suggs: Wir hatten mindestens 100 Ideen - 40, 50 Songs testeten wir aus. Vor drei Jahren fingen wir an, zu proben. Aber nicht jedes Lied, das uns gefiel, funktionierte auch als Madness-Song. Und andere Stücke, die wir cool fanden, gefielen nicht unbedingt den Fans. Wieder andere Songs, von denen wir es nicht erwartet hatten, entwickelten sich plötzlich zum Knaller. Der Gedanke war, ein Album aufzunehmen, das man zu Hause auflegt, um eine Party zu feiern. Eine Platte, die man durchhören kann, vom ersten bis zum letzten Track. Keine Balladen, keine Füller, keine nachdenklichen Nummern.

teleschau: Und wie habt Ihr die innerhalb der Band ausgewählt?

Suggs: Das geht bei uns immer so: Wir streiten zunächst, und wenn es nichts hilft, setzt es Prügel. Wer körperlich am stärksten ist, dessen Songs werden gespielt. (lacht) Quatsch, um ehrlich zu sein, bin ich leider immer in der Position, die verschiedenen Diskussionen in der Band zu entschärfen und den Prozess voranzubringen. Aber eines klappt immer bei Madness: Die richtige Entscheidung kristallisiert sich irgendwann von selbst raus.

Stefan Woldach


Tanzen zu Songs wie den "Israelites": Madness.
Tanzen zu Songs wie den "Israelites": Madness. (V2)

Seit über 25 Jahren Großbritanniens Ska-Band Nummer eins: Madness.
Seit über 25 Jahren Großbritanniens Ska-Band Nummer eins: Madness. (V2)

Als "Dangerman" rauften sich Suggs und seine Mannen wieder zusammen - jetzt gibt's das zugehörige Album.
Als "Dangerman" rauften sich Suggs und seine Mannen wieder zusammen - jetzt gibt's das zugehörige Album. (V2)

Datum: 01.09.2005

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Diskussion: "Madness"

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