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Christine Neubauer

"Man musste irgendwie gebrochen sein"

Schauspielerin Christine Neubauer

(tsch) Christine Neubauer in der ARD-Produktion "Glück auf halber Treppe" - das ist wieder einmal eine dieser Frauenrollen, die man nur allzu gut zu kennen meint: Frau stößt auf große Widrigkeiten im Leben, Frau löst sie, Frau findet auch noch den "richtigen" Mann. Wetten, dass es schief ginge, wenn jemand anderer als Christine Neubauer, die selbst ganz ohne Umschweife bekanntlich als "Vollweib" (mit entsprechender Buchproduktion) firmiert, solche Rollen spielen würde.

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Christine Neubauer entlockt auch den dürrsten Drehbuchgestalten noch pralles Leben mit Handwerk und Figur. Die Hausfrau und Mutter in "Glück auf halber Treppe", der die Polizei just zum Kindergeburtstag ins Haus geschneit kommt, bloß weil der Ex, ein Zahnarzt, die Patienten und das Finanzamt betrogen hat - die spielt sie, als wär's gleich die Mutter Courage.

Man mag es schade finden, dass der Degeto-Film (Produktion: Regina Ziegler) nicht die soziale Tiefe hält, die er anfangs verspricht, und dass sich irgendwann eben doch wieder alles im Friede-Freude-Eierkuchigen verläuft. Aber ein Anfang zum Realismus am Freitagabend ist gemacht, dank Christine Neubauer nicht zuletzt.

Dass man sie so gerne mit dem Begriff "Herz" verbindet, ist der längst preisgekürten Schauspielerin (Grimme, Telestar, nachmals Deutscher Fernsehpreis) durchaus recht. "Ich möchte einfach mit dem Herzen durchs Leben gehen, nicht auf das hören, was die anderen sagen. Oder, ein anderes Wort: mit dem Bauch."

Sie ist, auch in ihren Rollen, allerdings eben nicht immer nur die gestandene Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht. "Es gibt den Wechsel", sagt Christine Neubauer, "Gott sei Dank". Eben hat sie, wieder bei Regina Ziegler, die Frau eines Nicht-Heimkehrers im Jahre 1944 gespielt. Nach langem Warten gibt sie da dem Werben eines Freundes des verschollenen Mannes nach. "Ich brauche die Abwechslung. Oberster Grundsatz in meinem Beruf ist die Lust am Spiel. Nur so kann man auf Dauer glaubhaft bleiben."

Versteht sich, dass sie in den etwas weltfremden Freitagsproduktionen im Ersten kein Unglück sieht. "Die Filme, für die ich dankbar bin, sind Unterhaltung für ein breites Publikum, das mit möglichst guter Stimmung ins Wochenende entlassen werden soll."

Sie kann auch aus schwachen Büchern starke Rollen machen. Gediegenes Können ist das Geheimnis der 1962 geborenen Ur-Münchnerin, die - in Sendling geboren - in Solln zur Schule ging. Die Eltern hatten eine kleine Druckerei. "Nur Offset" beschwichtigt sie sogleich, "wir hatten zwei Maschinen, wobei der Vater an der einen, die Mutter an der anderen stand."

Früh schon entdeckte sie die Liebe zum Theater, schrieb in der Volksschule bereits ein eigenes Stück des Titels "Tante Eusebia" - selbstredend wurde es ein Bombenerfolg. An der Falckenberg-Schule wurde sie später dennoch bei der Aufnahmeprüfung abgelehnt. "Es lag wohl am damaligen Bühnengeschmack, man musste da eher elegisch und irgendwie gebrochen sein." Nach der privaten Schauspielschule kam dann das Münchner Theater der Jugend, auch erste Rollen in Filmen. Mit Rainer Wolfhardts "Der Unfried" und mit dessen Zeitgeschichtsserie "Löwengrube" wurde sie berühmt.

Ihr Spiel, so sagt sie, sei aus vielem zusammengesetzt: "Es ist eine Mischung aus dem, was man bereits in sich hat, aus Erfahrung und Erlebtem." Dass sie Gefühle aus dem heraus entstehen lässt, was sie anderweitig erlebte, klingt nach dem New Yorker Strasberg-Studio, das sie für ein paar Monate besuchte. Doch heute erinnert sie sich vor allem an die Alltagserfahrungen, die sie dort machte, "sich alleine als junges Mädchen in New York durchzuschlagen".

Was ihr Privatleben betrifft, so wird die Schauspielerin immer wieder nach dem "Geheimnis" ihrer funktionierenden Ehe befragt. "Ein Geheimnis gibt es nicht", pflegt sie dann immer zu sagen. Ja, auf einen "gewissen Gleichklang" komme es schon an und darauf, "dass Konflikte ausgesprochen werden".

Eine Kinderfrau für Sohn Lambert (der wie der Vater, Lambert Dinzinger, heißt) hat sie nicht, noch nicht mal eine professionelle Haushaltshilfe. Ihre Mutter und die Schwiegermutter sind freilich "starke Hilfen" in ihrer Abwesenheit. Sie mag es, wenn die ganze Familie zusammenkommt: "Ich bin im italienischen Sinne ein Familienmensch. Ich liebe große Tafeln, an denen alle zusammensitzen." In Spanien, im andalusischen Ferienhaus, wurde das jüngst wieder in die Tat umgesetzt. "Und dann", so sagt sie, "koche ich auch."

Das noch: Ab 4. November ist der Familienmensch Christine Neubauer - geradezu konsequenterweise - "als einsame, durchgeknallte, immer etwas ängstliche Freundin einer Familie zu sehen. In der von Buena Vista verliehenen Kino-Produktion "Es ist ein Elch entsprungen" wird sie "auf roten High-Heels" durch den Schnee stapfen, während Mario Adorf den Nikolaus gibt. Liebend gerne wäre sie auch der märchenhafte Elch gewesen, der immer so schön über die Dächer fliegt. Keine Frage - bei dieser ihrer großen Lust am Spiel.

Wilfried Geldner


Den Titel "Vollweib" hat sich Christine Neubauer redlich verdient. Doch in ihren Filmen überzeugt die Schauspielerin vor allem durch ihr solides Können.
Den Titel "Vollweib" hat sich Christine Neubauer redlich verdient. Doch in ihren Filmen überzeugt die Schauspielerin vor allem durch ihr solides Können. (ARD / Degeto / Susan R. Skelton)

Cleo (Christine Neubauer) und ihre drei Kinder Tim (Tim Oliver Schultz), Emma (Lulu Grimm) und Sophie (Laura Alberta Szalski, rechts) haben ein neues Zuhause gefunden.
Cleo (Christine Neubauer) und ihre drei Kinder Tim (Tim Oliver Schultz), Emma (Lulu Grimm) und Sophie (Laura Alberta Szalski, rechts) haben ein neues Zuhause gefunden. (ARD / Degeto / Katrin Knoke)

"Glück auf halber Treppe": In dem ARD-Film spielt Christine Neubauer Cleo, eine Mutter von drei Kindern, die sich in ihren hilfsbereiten Nachbarn Jan (Michael Roll) verliebt.
"Glück auf halber Treppe": In dem ARD-Film spielt Christine Neubauer Cleo, eine Mutter von drei Kindern, die sich in ihren hilfsbereiten Nachbarn Jan (Michael Roll) verliebt. (ARD Degeto / Katrin Knoke)

Datum: 17.10.2005

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