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Sonsee Neu

"Ich will nicht immer die Liebreizende sein"

Schauspielerin Sonsee Neu

(tsch) Die Frau passt ins Schema. Zumindest in das vieler Fernsehredakteure. "Ich bin blond und blauäugig. Damit rutsche ich ganz schnell in eine bestimmte Schublade." Sonsee Neu weiß, dass ihr Aussehen Chance und Problem zugleich ist. Eine wie sie ist auf die Rolle der Sympathieträgerin abonniert. Sie ist die Gute, die Nette, die am Ende mit dem Traumprinzen in den Sonnenuntergang spaziert. So läuft das auch in ihrem jüngsten Film. In der Degeto-Schmonzette "Der Bernsteinfischer" spielt sie eine Journalistin, die sich vor der Traumkulisse der Ostseeinsel Hiddensee einen wind- und wettergegerbten Heiner Lauterbach angelt.

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Es gibt Schauspielerinnen, die solche Rollen mögen. Sonsee Neu gehört nicht unbedingt zu ihnen. Es dauert ein wenig, bis die 32-Jährige ihre Sprödigkeit ablegt, doch dann spricht sie Klartext: "Wenn ich noch öfter die Liebreizende spielen muss, dann weiß ich auch nicht mehr ..." Sie bricht ab, um nicht zu emotional zu werden. Sie will sich nicht fortreißen lassen.

Auf dem Bildschirm sieht das etwas anders aus. Romantische Frauenrollen scheinen ihr nur so zuzufliegen. Die gebürtige Düsseldorferin hat in Rosamunde Pilcher-Verfilmungen gespielt und in Streifen, deren Titel wie ein Versprechen klingen, das die Handlung prompt einlöst. "Gewissheit des Herzens", "Der Weg zu Dir" oder "Die Liebe eines Priesters" hießen einige ihrer letzten Filme, in denen sie mal Daniel Morgenroth, mal Erol Sander in die Arme sinken durfte. Sonsee Neu steht zu diesen Herzschmerz-Romanzen. Dennoch gibt es immer öfter Momente, in denen sie ausbrechen will aus dem Klischee, in dem sie sich gefangen fühlt. "Ich habe das Gefühl, dass ich dieselbe Geschichte immer und immer wieder spiele", gesteht sie dann. "Es ändern sich doch meist nur die Schauplätze und meine Partner."

Sonsee Neu (ihr Vorname stammt aus dem Western "Der gebrochene Pfeil" mit James Stewart und bedeutet übersetzt "Morgenstern") strebt nach Veränderungen, nach Möglichkeiten, neue Facetten ihres Könnens aufblitzen zu lassen. Ein erster Schritt war die Verpflichtung einer PR-Agentin. "Sie sieht sich nach Rollen um, die ich gerne spielen würde." Erste Erfolge haben sich bereits eingestellt. Demnächst wird sie an der Seite von Bastian Pastewka in einer neuen Comedy-Reihe bei SAT.1 zu sehen sein. "Anscheinend habe ich Comedy-Timing. Der Dreh hat jedenfalls viel Spaß gemacht", erinnert sich die Schauspielerin. Ein Hauch von Enthusiasmus ist aus ihren Worten herauszuhören, doch sie bleibt in der Reserve, wägt ihre Worte genau ab, um nicht zu viel von sich preiszugeben.

Sie wirkt verschlossen, auf jeden Fall abwartend - gleichzeitig ist sie aber auch eine Abenteurerin, war es schon immer. In der zwölften Klasse absolvierte sie ein High-School-Jahr in den USA. Sie landete in Wyoming. Erst nach dem Abitur zog es Sonsee Ahray, wie sie damals noch hieß, in die Metropole New York auf die Schauspielschule. "Ganz schön blauäugig" sei sie damals gewesen, erinnert sie sich. "Ich habe nie daran gedacht, dass die Sprache ein Problem sein könnte, sondern hab's einfach gemacht."

Nach der Ausbildung folgte der übliche Weg: Engagements am Theater und - schon bald - erste Film- und Fernsehrollen. Sie spielte an der Seite von Catherine Zeta-Jones, damals in den USA noch ein Newcomer, und blickte in einer Folge von "Emergency Room" Doc George Clooney ("ein sehr netter Kollege") beim Operieren über die Schulter.

Es ließ sich gut an in den Staaten - und doch folgte sie dem Ruf nach Deutschland. Bernd Eichinger wollte sie haben, für seinen Kinofilm "666 - Traue keinem, mit dem du schläfst!" Das war 2001. Das Jahr wurde für die damals 28-Jährige zu einem beruflichen und privaten Wendepunkt. Bei den Dreharbeiten lernte sie ihren Ehemann kennen. Geheiratet wurde am 4. Juni 2003, ihrem 30. Geburtstag. Das Paar lebt mittlerweile in München, aber nicht etwa im schicken Haidhausen oder in einer mondänen Ecke Schwabings, sondern ländlich-beschaulich im Stadtteil Ramersdorf. "Wir haben das perfekte Häuschen gefunden, sogar mit Apfelbaum. Man fühlt sich wie auf dem Dorf, aber wenn ich mich auf's Fahrrad setze, bin ich in zehn Minuten im Zentrum."

Das neue Domizil ist die perfekte Spielwiese für ihren zweieinhalbjährigen Sohn Bodhi. "Der Name kommt von dem Baum, unter dem Buddha erwachte. Meinem Mann und mir hat er gleich gut gefallen. Der Bodhi-Baum hat alles. Er bietet Schatten und Schutz. Ich finde, das passt sehr gut."

Sonsee Neu hat sich in Deutschland eingelebt, auch wenn sie die Staaten - und vor allem ihre amerikanischen Freunde - bisweilen vermisst. Ihre beruflichen Verbindungen in die USA erhält sie aufrecht, denn irgendwann möchte sie dort wieder Filme drehen. Eine Agentin hat sie nach wie vor. Vielleicht darf sie dann irgendwann endlich auch ein echtes Biest spielen. "Aber dafür müsste ich mir wohl vorher die Haare dunkel färben."

Tobias Köberlein


In "Die Bernsteinfischer" verschlägt es Sonsee Neu als Journalistin Karoline nach Hiddensee.
In "Die Bernsteinfischer" verschlägt es Sonsee Neu als Journalistin Karoline nach Hiddensee. (ARD Degeto / Christine Schroeder)

Trautes Glück: Sonsee Neu und Heiner Lauterbach spielen in "Die Bernsteinfischer" ein Liebespaar.
Trautes Glück: Sonsee Neu und Heiner Lauterbach spielen in "Die Bernsteinfischer" ein Liebespaar. (ARD Degeto / Christine Schroeder)

Auch privat ist Sonsee Neu (im Hintergrund: Heiner Lauterbach) ein Natur- und Gartenfan.
Auch privat ist Sonsee Neu (im Hintergrund: Heiner Lauterbach) ein Natur- und Gartenfan. (ARD Degeto / Christine Schroeder)

Datum: 17.08.2005

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Diskussion: "Sonsee Neu"

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