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The Rasmus

Den Papa zum Rock bekehrt

Band The Rasmus

(tsch) Vier Jungs, alle Mitte 20, spielen nun schon seit elf Jahren zusammen. Lauri, Pauli, Eero und Aki aus Helsinki schafften als The Rasmus mit ihrem fünften Album "Dead Letters" samt der Single "In The Shadows" den großen Durchbruch. Eineinhalb Millionen verkaufte Alben und jede Menge Fans lautet die Ausbeute der dunklen Herren. Ein bisschen wie Vampire geben sie sich, darum passt der aktuelle Albumtitel "Hide From The Sun" ganz hervorragend. Doch der Sänger der lichtscheuen Wesen ist auch am helllichten Tag putzmunter, um über die neue Platte, die Fans und seine Hassliebe zu Computern zu sprechen.

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teleschau: Zur Zeit dieses Interviews ist Eure aktuelle CD "Hide From The Sun" noch nicht ganz fertig. Ebensowenig Eure Single ... Das wird jetzt ganz schön eng, oder?

Lauri Ylönen: Ja, wir arbeiteten diesmal ein bisschen langsamer als gedacht. Deshalb haben wir uns aufgeteilt: Ich bin auf Interview-Tour und die anderen fummeln noch im Studio herum. Aber es ist schon ganz okay, dass unsere Single als Letztes entsteht. Das war bei "In The Shadows" genauso - und trotzdem schoss der Song in vielen Ländern auf Nummer Eins. So sehe ich die ganze schleppende Arbeit dann doch als gutes Vorzeichen für einen weiteren Hit!

teleschau: Und es macht Dir nichts aus, dass Du jetzt, beim Feinschliff des Albums, keinen Einfluss hast, sondern Interviews gibst?

Lauri: Na, das wäre ja noch schöner, wenn ich da nicht mitzureden hätte (lacht). Hier, mein Laptop macht's möglich. ich habe regen Email-Kontakt ins Studio. Ganz ehrlich, eigentlich hasse ich diesen ganzen Technik-Kram wie Handys und Computer. Aber leider wird das Zeug in meinem Beruf immer wichtiger. Ich muss also damit leben lernen.

teleschau: The Rasmus sind in tonangebenden Musik-Medien zu finden, haben aber auch einen großen Stellenwert in der Teenie-Presse. Wie kommst Du damit zurecht?

Lauri: Ach, was soll's. Für dieses Album habe ich mich einfach mal lockerer gemacht. Beim vorherigen war ich nicht gut auf die Teenie-Presse zu sprechen, da wurde wirklich so viel Mist über uns verbreitet. Doch schließlich geht es hier eigentlich nur um Musik, vielleicht sollte ich das Ganze nicht so wichtig nehmen. Abgesehen davon kann ich die Interviewverläufe ja doch ein bisschen steuern. Wenn es zu privat wird, bitte ich den Journalisten eben um die nächste Frage. Ja, wirklich, ich muss da ein bisschen entspannter werden.

teleschau: In Euren Texten hört man Worte wie "Beerdigung", "Tod", "Teufel" - klingt alles nicht gerade lebensbejahend. Was denken denn Deine Eltern über diese Lyrics?

Lauri: Meine Eltern? Ich glaube, die sind in erster Linie stolz auf mich und sind irgendwie mit The Rasmus jünger geworden. Sie kommen ja auch auf unsere Konzerte. Neulich rief mich mein Vater an und sagte: "Hey, ich bin hier auf 'nem Konzert von The 69 Eyes - wow, die sind echt cool!" Er besucht viele Gigs von anderen Bands, um uns zu berichten, was die so auf der Bühne anstellen. Trotzdem fanden sie es nicht so gut, als ich ziemlich früh die Schule schmiss. Doch sie sahen, dass ich es ernst meinte und wirklich hart arbeitete, um mit der Musik etwas zu erreichen. Das haben sie letztendlich respektiert - und so durfte ich tun, was ich wollte.

teleschau: Wo wärst Du gelandet, wenn das mit der Musik nicht geklappt hätte?

Lauri: Ich würde sehr gerne Geschichte studieren, obwohl ich in dem Fach immer ziemlich schlecht in der Schule war. Aber jetzt interessiert es mich wirklich. Den Job von einem guten Freund von mir hätte ich gerne - er pflegt ein Jahr lang den Garten von einem Haus in Spanien. Dort hat er Kost und Logis frei. Ich mag es, diesen rebellischen Lebensstil. Es klingt zwar so, als ob er faul wäre, aber für mich ist das Rebellion. Unser Leben ist kurz, wir sollten alles tun, um es gehaltvoll zu machen.

teleschau: Ihr seid eine finnische Band - gibt es auch finnische Songs von Euch?

Lauri: Wenn wir zu Hause auf Partys spielen, singen wir lustige Lieder auf Finnisch. Zum Beispiel von Außerirdischen, die aus allen Menschen einen riesigen Kartoffelbrei machen. Doch sonst mag ich die finnische Sprache nicht so gerne zum Singen. Sie passt nicht zu mir. Englisch ist nicht so abgehackt, es klingt weicher. Ich wollte auch immer Englisch singen, um mich von meiner Heimat abzugrenzen. Es ist doch ein sehr dunkles, trauriges Land mit vielen Verrückten. Doch ich bleibe in Helsinki wohnen, denn hier gehöre ich hin, und von all der Depression und der Dunkelheit bekomme ich schließlich meine Inspiration!

teleschau: Ab Oktober seid Ihr auf Tournee. Was erwartet die Fans?

Lauri: Erstmal kleinere Hallen. Wir wollen unser Publikum ganz nah spüren, die Stimmung einsaugen. In großen Hallen wird es schnell anonym, da bin ich oft frustriert von der Bühne runter gegangen. Ich brauche den Zuschauer, er gibt mir Halt und Bestätigung in dem, was ich tue. Sicher spielen wir das neue Album, ein bisschen von den alten Sachen. Mal werden wir unglaublich explodieren, im nächsten Moment wieder ganz romantisch sein. Ach, ich freue mich schon sehr, wenn der Touralltag wieder losgeht!

Nina Becker


Mit "Hide The Sun" wollen The Rasmus an den Erfolg ihrer letzten Platte "Dead Letters" anknüpfen.
Mit "Hide The Sun" wollen The Rasmus an den Erfolg ihrer letzten Platte "Dead Letters" anknüpfen. (Universal)

Finnlands Rock-Export Nummer eins: The Rasmus.
Finnlands Rock-Export Nummer eins: The Rasmus. (Universal)

Die Sache mit der Teenie-Presse nehmen The Rasmus mittlerweile locker.
Die Sache mit der Teenie-Presse nehmen The Rasmus mittlerweile locker. (Universal)

Datum: 17.11.2005

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