logo
Anzeige
Anna Maria Mühe - Novemberkind

"Bei Selbstzweifeln hilft erst mal gar nichts"

Schauspielerin Anna Maria Mühe

(tsch) Noch nie hatte die Tochter von Jenny Gröllmann und Ulrich Mühe eine so große Aufgabe. Die 23-Jährige spielt in "Novemberkind" (Kinostart: 20.11.) eine Doppelrolle in einem sensiblen Ost-West-Drama. Jungregisseur Christian Schwochow verzichtet auf das Klischee vom guten und schlechten Menschen. Er verlässt sich auf Anna Maria Mühe, die die 25-jährige Inga spielt, die sich auf die Suche nach ihrer Vergangenheit macht. Mühe spielt aber auch ihre tot geglaubte Mutter - die Frau, die kurz nach Ingas Geburt in den Westen flüchtete und fortan in der alten Heimat verleugnet wurde. Christian Schwochow schrieb mit seiner Mutter Heide das Drehbuch, eine ungewöhnliche Kombination. - Anna Maria Mühe verliebte sich am Set in den Produzenten des Films, Matthias Adler. Das macht "Novemberkind" in vielerlei Hinsicht zum intimen Projekt. Ihre Mutter starb im Sommer 2006, ihr Vater im Sommer 2007. Es ist zu akzeptieren, dass sie nicht darüber sprechen möchte, wenngleich es bei diesem Film schwierig ist, die Themen Eltern und Tod auszusparen.

Anzeige

 

teleschau: Sie spielen vorwiegend in ernsten und seriösen Produktionen, woran liegt das?

Anna Maria Mühe: (lacht) Ich weiß auch nicht, aber immerhin habe ich letztes Jahr meine erste Komödie gedreht, "Wir sagen du, Schatz". Und im Dezember bin ich in einer Gastrolle bei Til Schweigers "1 ½ Ritter" dabei.

teleschau: Da es sehr selten passiert, dass ein Requisit so gut zu einem Gesicht und zur Rolle passt: Wer hat diese bezaubernde Fellmütze ausgesucht, die Sie als Inga in "Novemberkind" tragen?

Mühe: Wir alle, also der Regisseur, der Kameramann und die Kostümbildnerin. Gefällt Sie Ihnen? Ich mochte sie auch gerne und wollte sie eigentlich nach den Dreharbeiten kaufen, aber ich habe es dann doch gelassen. Sie war zu sehr die Rolle, sodass ich sie als Anna nicht mehr hätte aufsetzen können.

teleschau: "Novemberkind" transportiert mit einer nebligen und auch schönen Tristesse eine Menge Stimmung übers Wetter. Wie war das beim Drehen?

Mühe: Ich bin zwar kein Mensch, der im Winter schlecht gelaunt oder depressiv wird. Ich mag alle Jahreszeiten. Aber die äußeren Bedingungen in Konstanz und Malchow (Mecklenburg-Vorpommern, Anm. d. Red.) waren sehr anstrengend. Es war unglaublich kalt.

teleschau: Wurde es Ihnen dadurch erschwert, Emotionen für die beiden Rollen aus sich herauszuholen?

Mühe: Im Gegenteil: Alles, was ich als Anna scheiße finde, auch die Kälte, benutze ich für die Rollen.

teleschau: Muss man reifen, bevor man sich eine solch anspruchsvolle Doppelrolle zutraut?

Mühe: Ich habe zugesagt, ohne zu überlegen. Deshalb dachte ich auch nicht darüber nach, ob ich dafür reif genug bin oder nicht. Dennoch hatte ich eine große Angst, ob wir dem Buch gerecht werden können.

teleschau: Diese Angst löste aber in Ihnen nicht die Frage aus, ob Sie das schaffen?

Mühe: Doch. Aber ich bin da auch nicht verkopft, eher ein Bauchmensch, der sich über solche Entscheidungen nicht den Kopf zerbricht. Ich glaube daran, dass der Regisseur einen Grund hat, wenn er mich besetzen will. Und Christian Schwochow habe ich sehr schnell komplett vertraut.

teleschau: Wie empfindet man dieses Vertrauen, dass da einer in Sie setzt?

Mühe: Ich würde niemals von mir behaupten, ich sei fähig, einen Film zu tragen. Tue ich in diesem Fall auch nicht, denn das ist ein Ensemblefilm mit gestandenen Schauspielern. Da muss ich oft nur reagieren.

teleschau: Es fällt der Satz "Warum geilst du dich an den Geschichten anderer auf"? Sie sagen das im Film zu Ulrich Matthes, der einen Autor spielt. Als Journalist kann man sich da durchaus angesprochen fühlen. Trifft er auch auf Schauspieler zu?

Mühe: (überlegt) Nein. Die Formulierung an sich ist hart. Bei manchen Journalisten kann man das so sehen, beim Beruf des Schauspielers nicht. Beim "Baader Meinhof Komplex" könnte man das glauben, schließlich handelt es sich um reale Figuren. Doch ich würde so etwas nie sagen, da ich glaube, dass Schauspieler gerade an jene Rollen mit hohem Respekt rangehen.

teleschau: Haben Sie nach zwei arbeitsreichen Jahren das Bedürfnis, einmal innezuhalten, Rückschau zu halten?

Mühe: Nein, ich kann relativ gut und schnell reflektieren. Dafür brauche ich nicht viel Zeit.

teleschau: Sie sind also ein ausdauernder Mensch?

Mühe: Ja, ich hatte Zeiten, in denen ich viel gleichzeitig gedreht habe. Aber ich liebe diesen Stress. Ich mach mir auch im normalen Leben gerne eine Menge Termine, hetze von A nach B quer durch die Stadt (lacht). Das finde ich super.

teleschau: Dabei strahlen Sie immer so eine ruhige Art aus. Ist das ein falscher Eindruck?

Mühe: Im Umgang mit beruflichem Stress bin ich mittlerweile eher gelassen. Als ich mit 15 anfing, hatte ich gleich über 40 Drehtage. Da lernte ich, wie man seine Kräfte einteilt. Wäre ich mit meiner Konzentration so umgegangen, wie ich das in der Schule gemacht habe, wäre ich am Set nicht weit gekommen.

teleschau: Gab es da verzweifelte Momente?

Mühe: Ja, und die gibt es heute noch. Die müssen auch sein, wäre doch schlimm, wenn man alles aus dem linken Arm schütteln würde. Solche Augenblicke sind wichtig, um sich zu motivieren und anzutreiben und sich auch selbst zu überraschen.

teleschau: Was hilft in solchen Momenten? Bier oder Schokolade?

Mühe: Gar nichts. Wenn Selbstzweifel da sind, helfen keine Gespräche, das muss man mit sich selbst klären. Wenn es nicht vergeht, spreche ich mit dem Regisseur.

teleschau: Geht es dann eher um abgedrehte Szenen oder um welche, die noch vor Ihnen liegen?

Mühe: Beides, meistens kommt dann alles zusammen. Ich empfinde eine Szene als nicht gelungen oder finde, ich werde einer Aufgabe nicht gerecht.

teleschau: Reicht es Ihnen nicht, wenn der Regisseur zufrieden ist?

Mühe: Nein, wenn er es gut findet und ich nicht, muss er mir das erklären. Solche Zweifel überfallen mich nicht oft, aber wenn sie da sind, dann sind sie richtig da. Und dann will ich auch nicht einfach zum Regisseur sagen: Ja, du hast recht.

teleschau: Genießen Sie die finanzielle Unabhängigkeit, die Ihr Beruf mit sich bringt?

Mühe: Ich habe oft Angebote abgelehnt, mit denen ich relativ einfach viel Geld verdienen könnte. Weil ich weiß: Das würde mich nicht glücklich machen. Solange sich mir der Luxus bietet, ja und nein sagen zu können, nehme ich mir den. Geld ist ein netter Nebeneffekt, aber es ist eben ein Nebeneffekt. Ich übe den Beruf nicht wegen der finanziellen Unabhängigkeit aus.

teleschau: Waren die Dreharbeiten zu "The Countess" mit Julie Delpy als Regisseurin Ihr erster Schritt in Richtung internationale Produktionen?

Mühe: Es war zumindest mein erster Dreh auf Englisch. Und es war ein sehr schöner Schritt. Ich würde nicht Nein sagen, wenn jemand klopft, aber ich würde nicht alles machen.

Claudia Nitsche


Am Sonntag, 16.11., 22.25 Uhr, zu Gast bei "Zimmer frei" im Dritten Programm des WDR: Anna Maria Mühe.
Am Sonntag, 16.11., 22.25 Uhr, zu Gast bei "Zimmer frei" im Dritten Programm des WDR: Anna Maria Mühe. (WDR/ Dietmar Seip)

Die Mütze hat sie dann doch nicht behalten: Anna Maria Mühe.
Die Mütze hat sie dann doch nicht behalten: Anna Maria Mühe. (2008 Schwarz Weiss Filmverleih)

Warum wurde sie die ganze Zeit belogen? Inga (Anna Maria Mühe) fühlt sich von ihrer Umwelt hintergangen.
Warum wurde sie die ganze Zeit belogen? Inga (Anna Maria Mühe) fühlt sich von ihrer Umwelt hintergangen. (2008 Schwarz Weiss Filmverleih)

Datum: 17.11.2008

Facebook aktivieren

Diskussion: "Anna Maria Mühe - Novemberkind"

Um eine Diskussion zu "Anna Maria Mühe - Novemberkind" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 209133

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Dirty Harry
    "Dirty Harry" vereinigt unglaubliche Härte mit vorbildlicher Präzision. Gut gemachtes Action-Kino muss nicht nur, wie es Hollywood seinen Zuschauern heute immer wieder vormacht, aus technischem Fortschritt ...

    Das Beste kommt zum Schluss
    Der häufig gestellten Frage „Was würdest du tun, wenn du eine Million gewinnen würdest?“ wurden zahlreiche Filme (meist Komödien) gewidmet, in denen ein ganz normales Mädchen plötzlich als Prinzessin aufwacht ...

    Matt Damon spielt Rugby-Spieler Francois Pienaar
    Matt Damon wird neben Morgan Freeman in "The Human Factor" eine der Hauptrollen übernehmen. Der Film unter der Regie von Clint Eastwood handelt von der Rugby-Weltmeisterschaft 1995.

    Mystic River
    Mit einem Preis für "The Exchange" bei den Filmfestspielen in Cannes ist es in diesem Jahr nichts geworden. Dabei hätte eine "Goldenen Palme" in Clint Eastwoods Vitrine neben den Oscars, Golden Globes, ...

    Dirty Harry
    "Dirty Harry" vereinigt beides: unglaubliche Härte mit vorbildlicher Präzision. Gut gemachtes Action-Kino muss nicht nur, wie es uns Hollywood heute immer wieder vormacht, aus technischem Fortschritt bestehen. ...

    Million Dollar Baby
    Wenn es Abend wird und sich über die karge Boxhalle der Schatten der Nacht legt, steht sie noch dort und prügelt auf den Sandsack ein. Nur ihre dumpfen Hiebe sind zu hören. Immer und immer wieder. "Million ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 110 - id = 6158 - task = view - option = com_content - limitstart= 0