logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Inside - Film-News, Portraits und Interviews Kino Film Karoline Herfurth - Im Winter ein Jahr
Karoline Herfurth - Im Winter ein Jahr

An die Grenzen

Schauspielerin Karoline Herfurth

(tsch) Es ist das wohl schönste Geschenk an eine Schauspielerin. Einen Film tragen zu dürfen, der trotz Inhaltsschwere leicht und grazil ist. Seiner Hauptdarstellerin Karoline Herfurth nicht unähnlich. Die 24-Jährige ist Mittelpunkt in Caroline Links Familiendrama "Im Winter ein Jahr" (Kinostart: 13.11.). Der Titel erklärt, wie lange der Tod ihres Bruders her ist. Die Familie zerbrach daran. Hilflosigkeit, Unverständnis und Sprachlosigkeit werden von der Oscarpreisträgerin Link ("Nirgendwo in Afrika") in poetische Bilder gebettet. Das Understatement des Films führt Karoline Herfurth fort, als sie in einem Tanzsaal zum Interview bittet. Ihre roten Haare stecken im Dutt, sie ist filigran, eigentlich die typische Ballettschülerin. Doch Ballett tanzen durfte sie früher nicht. "Das Einzige, was mir verboten wurde", erinnert sie sich. Dieser Leidenschaft darf sie nun als Tänzerin Lili nachgehen. Karoline Herfurth über einen Film, für den sie an die Grenzen ging.

Anzeige

 

teleschau: Warum durften Sie als Kind nicht zum Ballett?

Karoline Herfurth: Ich war beim Tanztheater und in einer Akrobatikgruppe für Kinder. Zum Ballett ließ mich meine Mutter nicht, weil sie glaubte, ich würde mir die Knochen kaputt machen. Sie hatte, das muss ich heute zugeben, schon den richtigen Riecher, denn ich wäre wahrscheinlich sehr ehrgeizig gewesen. Vor vier Jahren habe ich dann doch mit Ballett angefangen, weil das Tolle ist, dass ich ja jetzt alt genug bin, das selbst zu entscheiden.

teleschau: Durch die Hauptrolle in "Im Winter ein Jahr" konnten Sie Tanz und Schauspielerei verbinden. Eigentlich war das ein Traum von Ihnen.

Herfurth: Ja, ich hatte die tollsten Trainer und Choreografen an meiner Seite und durfte vor Beginn der Dreharbeiten täglich drei Stunden mit ihnen arbeiten. Schauspielerisch habe ich nicht damit gerechnet, dass ich diese Figur Lilli eher von mir fernhalten musste, als einen Schlüssel zu ihr zu finden, wie ich sie spiele.

teleschau: Wieso das?

Herfurth: Die Lilli war anders als alle bisherigen Rollen. Ich habe sehr stark mit ihr zu kämpfen gehabt und wurde zum ersten Mal so von einer Figur vereinnahmt. Der Tod war so allgegenwärtig. Aber das gesamte Team stand absolut hinter mir und hat mich unglaublich unterstützt. Anders hätte ich den Film so nicht geschafft.

teleschau: Das lässt sich nachvollziehen. Selbst bei der Pressevorführung gab es viele schluchzende Menschen.

Herfurth: Ich habe mich bisher noch nie mit dem Thema Tod, schon gar nicht innerhalb der Familie, auseinandersetzen müssen. In der Vorbereitungsphase zum Film hat mir im Zuge meiner Recherchearbeit eine Psychologin erklärt, dass Menschen sich hinterhergezogen fühlen, wenn ein Familienmitglied Selbstmord begeht. Ich weiß nicht, warum mir diese Figur so nah war. Ich habe das noch nie erlebt, dass ich aufpassen musste, nicht zu tief in eine Rolle einzutauchen.

teleschau: Wie schafften Sie während des Drehs einen Ausgleich?

Herfurth: (lacht) Innerhalb von anderthalb Monaten alle zehn Staffeln von "Friends" anzuschauen half ebenso wie "Bibi Blocksberg" zu hören. Jegliche leichte Unterhaltung, sogar "Malen nach Zahlen" war mein Gegengewicht. Die Leute, die mich in der Zeit kennen gelernt haben, müssen gedacht haben, ich sei total doof. Direkt im Anschluss hätte ich nicht wieder so etwas Forderndes spielen können.

teleschau: Sie werden gleich mehrfach porträtiert in diesem Film. Wie empfinden Sie das, wenn sie selbst zur Kunst erhoben werden?

Herfurth: Das erste Bild war mir fremd und hat mich unangenehm berührt, das zweite hängt jetzt bei mir zu Hause (lacht).

teleschau: Es gibt auch erotische Aufnahmen, wenngleich sehr harmlose ...

Herfurth: Stimmt, wir haben sehr gelacht dabei. Auch das habe ich zum ersten Mal erlebt. Normalerweise werde ich schon eine Woche, bevor eine Nacktszene ansteht, ungemütlich.

teleschau: Sie schreiben auch Ihre Diplomarbeit über dieses Thema.

Herfurth: Ja, das stimmt. Ich beschäftige mich mit dem Konflikt zwischen Figur und Person in Bezug auf Nacktheit in der Öffentlichkeit. Ich kann natürlich nicht sagen: Ich spiele bei "Das Parfum" mit, möchte mich aber nicht nackt zeigen. In dem Fall war die Nacktheit obligatorisch für die Figur. Nur lassen sich Figur und Person da schwer trennen. Denn mein Körper ist mein Körper. Auch einen Filmpartner zu küssen, ist nichts, was ich spielen kann. Ich kann nicht nur so tun. In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit diesen Grenzen.

teleschau: Eigentlich dürften Sie als Schauspielerin in diesem Bereich keine Skrupel haben.

Herfurth: Mein Beruf verpflichtet mich manchmal, Nacktheit zu spielen, aber ich als Person finde das schwierig. Ich fühle mich nicht sonderlich wohl dabei, ein paar Millionen Menschen meinen nackten Körper zu zeigen.

teleschau: Was genau ist dafür der Grund?

Herfurth: Es geht mir nicht mal darum, dass mich andere nackt sehen. Mein Körper ist mein eigener Bereich, mein Geheimnis, das ich nicht teilen will. Ich war schon mit neun die Einzige, die am FKK-Strand mit Badeanzug rumgerannt ist.

teleschau: Das heißt auch, dass es bei Ihrer Rollenauswahl Grenzen gibt.

Herfurth: Filme wie "Romance" oder "Intimacy" würde ich nie drehen können. Ich wäre viel zu irritiert und auch zu verklemmt, sodass es nur fair wäre, dem Regisseur zu sagen, dass ich die falsche Wahl bin. Wobei ich das Thema Verführung sehr interessant finde, wenn man für Erotik eine gute Sprache findet.

teleschau: Derweil ist aber die Frage interessanter, wie hoch Sie springen.

Herfurth: Mit drei Schritten Anlauf 1,30 Meter. Das ist eine Steigerung von sieben Zentimetern seit dem Sommer. Jetzt möchte ich noch den langen Anlauf schaffen. Ich spiele Gretel Bergmann, eine jüdische Hochspringerin, die für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin trainiert hat.

teleschau: Eine letzte Frage: Wie glauben Sie, wird es auf Sie wirken, "Im Winter ein Jahr" noch einmal anzusehen?

Herfurth: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, aber ich muss gestehen, dass ich kein Freund davon bin, meine Filme noch mal anzusehen. Gerade wenn ich mich so intensiv damit beschäftigt habe, durchlebe ich das dann noch mal, würde es aber lieber ruhen lassen. Das nimmt mich zu sehr mit. Selbst bei alten Filmen ist mir das dann noch zu nah und gleichzeitig sehr weit weg, vielleicht in 20 Jahren.

Claudia Nitsche


In "Im Winter ein Jahr" spielt Karoline Herfurth die talentierte 22-jährige Lilli, die Tanz und Gesang studiert.
In "Im Winter ein Jahr" spielt Karoline Herfurth die talentierte 22-jährige Lilli, die Tanz und Gesang studiert. (2008 Constantin Film Verleih GmbH)

Ein neuer Schritt in der Karriere der Karoline Herfurth: "Die Lilli war anders als alle bisherigen Rollen. Ich habe sehr stark mit ihr zu kämpfen gehabt und wurde zum ersten Mal so sehr von einer Figur vereinnahmt."
Ein neuer Schritt in der Karriere der Karoline Herfurth: "Die Lilli war anders als alle bisherigen Rollen. Ich habe sehr stark mit ihr zu kämpfen gehabt und wurde zum ersten Mal so sehr von einer Figur vereinnahmt." (2008 Constantin Film Verleih GmbH)

Seit dem Tod ihres Bruders ist die Welt der 22-jährigen Lilli (Karoline Herfurth) aus den Fugen geraten.
Seit dem Tod ihres Bruders ist die Welt der 22-jährigen Lilli (Karoline Herfurth) aus den Fugen geraten. (2008 Constantin Film Verleih GmbH)

Datum: 12.11.2008

Facebook aktivieren

Diskussion: "Karoline Herfurth - Im Winter ein Jahr"

Um eine Diskussion zu "Karoline Herfurth - Im Winter ein Jahr" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 208756

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    The Feeling - Join With Us
    Dass "Twelve Stops And Home", das Debüt der britischen Band The Feeling , so gar niemanden interessierte, war eigentlich eine grobe Sünde. Denn da war doch für jeden was dabei! Neben fein ausziselierten ...

    Death Cab For Cutie - Narrow Stairs
    Die Erwartungshaltungen im Hause Ben Gibbard ändern sich, haben aber ganz offenbar immer noch etwas mit Begehrlichkeiten zu tun. "I Will Follow You Into The Dark", hieß es noch vor drei Jahren beim Vorsteher ...

    The Feeling
    267 Mal am Tag. So oft spielten britische Radiostationen im Jahr 2006 im Durchschnitt einen Song von The Feeling. Eine beeindruckende Zahl, vor allem, wenn man bedenkt, dass die fünf (!) Hitsingles des ...

    Alanis Morissette - Flavors Of Entanglement
    Es war eine imposante Reise, die Alanis Morissette durch halb Europa führte. Interviews, kleine Überraschungs-Auftritte, Fotoshootings. Stress pur. Fragt man sie nach den wichtigsten Ereignissen der vergangenen ...

    Ashlee Simpson - Bittersweet World
    Es gibt bei RTL II eine Fernsehsendung, in der drei ganz offenbar sehr bekannte Köche - allen ist ihnen eine gewisse Präsenz, eine gewisse Jugendlichkeit nicht abzusprechen - eher zweifelhafte Etablissements ...

    Virginia Nascimento - Twisted Mind
    Die gebürtige Brasilianerin und Wahl-Berlinerin Virginia Nascimento war deutschlandweit bisher unter ihrem Vornamen an den Turntables tätig. Sie legte an der Seite von Mousse T. auf und arbeitete als Sängerin ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
-
Partner von Fantastic Zero


itemid = 110 - id = 6160 - task = view - option = com_content - limitstart= 0