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Alain Delon

Einsamer Casanova

Schauspieler Alain Delon

(tsch) Er war ein Bild von einem Mann: dunkles Haar, stahlblaue Augen, ein Gesicht wie aus Marmor geschnitten. Die strahlende Schönheit von einst ist mit dem Alter verblichen, trotzdem ist Alain Delon noch immer eine Institution in Frankreich. Faszinierend und problematisch ist er seit jeher - unter Delons kühler Noblesse sind Abgründe verborgen, mit denen er gerne gespielt hat. Jetzt wird der französische Beau 70 Jahre alt. Das ZDF feiert ihn mit einem seiner berühmtesten Filme. In "Der Clan der Sizilianer" aus dem Jahr 1969 spielt Delon wie so oft einen Gangster und plant zusammen mit Jean Gabin einen der spektakulärsten Coups der Filmgeschichte.

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"Wäre ich nicht Schauspieler geworden, hätte ich gerne auch die Gangsterlaufbahn eingeschlagen", hat Alain Delon einmal behauptet. Ein guter Teil Selbstinszenierung ist bei solchen Aussagen sicher im Spiel, passen sie doch so wunderbar zum schillernden Image des Vorzeige-Franzosen. Als Profikiller in "Der eiskalte Engel" ging er 1967 in die Filmgeschichte ein, spielte seither immer wieder Mörder, Kriminelle, aber auch Kommissare.

Die Aura von Einsamkeit und Kälte kommt nicht von ungefähr. Alain Delon sagt von sich selbst: "Ich bin nicht für das Glück bestimmt", eine Erfahrung, die er schon in früher Kindheit machte. Am 8. November 1935 in Sceaux bei Paris geboren, wurde er als Vierjähriger nach der Trennung seiner Eltern bei Pflegeeltern untergebracht, flog von verschiedenen Schulen, absolvierte eine Schlachterlehre, ging mit 17 Jahren zum Militär. Fünf Jahre als Fallschirmjäger in Indochina ließen ihn zum Militaristen werden, ihnen verdanke er "Respekt, Strenge und Disziplin", so behauptet Delon.

Zurück in Frankreich, wird der gutaussehende, junge Mann für den Film entdeckt und bekommt seine erste Rolle als Auftragsmörder in "Killer lassen bitten" (1957). In den Folgejahren erspielt er sich internationalen Ruhm, arbeitet mit berühmten Kollegen wie Jean Gabin und großen Regisseuren wie Luchino Visconti ("Rocco und seine Brüder", "Der Leopard") oder René Clément ("Halt mal die Bombe, Liebling") zusammen. 1985 wird er für seine Rolle als Tankwart in "Geschichte eines Lächelns" erstmals mit einem César ausgezeichnet, zehn Jahre später bekommt er bei der Berlinale den "Goldenen Bär" für sein Lebenswerk verliehen. Doch seit den 90er-Jahren ist Delon weniger auf der Leinwand als auf dem Bildschirm präsent. 2001 feierte er mit dem TV-Mehrteiler "Fabio Montale" in Frankreich einen großen Erfolg, 2004 war er in dem Dreiteiler "Frank Riva" zu sehen.

Daneben geriet auch Privates aus dem Leben des Frauenschwarms in die Schlagzeilen. Seine fünfjährige Liason mit Romy Schneider wurde von den Boulevardblättern genüsslich ausgeschlachtet, Skandale blieben nicht aus: Während der Dreharbeiten zu "Swimmingpool", einem seiner berühmtesten Filme, wurde der Leibwächter seiner Frau Natalie ermordet. Der Täter blieb unentdeckt, an Delon aber blieben Gerüchte über Verbindungen zur Unterwelt und Rüstungsindustrie haften.

Drei Kinder aus zwei Ehen hat Delon, der drei Mal verheiratet war. Seine letzte Beziehung zu Rosalie van Breemen zerbrach 2002 nach 15 Jahren. Seitdem lebt der alternde Mann allein mit zwölf Hunden und einer Katze auf seinem Anwesen im französischen Douchy, klagt über Einsamkeit und spricht offen über seine Sehnsucht nach einer neuen Lebensgefährtin: "Ich warte auf sie. Sie möge sich beeilen ..." Auch gesundheitliche Probleme machen ihm zu schaffen - eine geplante Theatertournee musste er wegen Herzproblemen absagen und begab sich zur Untersuchung in eine Klinik. In der französischen Presse äußerte er öffentlich Gedanken über Selbstmord: "Ich habe diesen Augenblick sehr oft vor Augen", so der Filmstar.

"Ein halbes Dutzend Personen" steckten in ihm, hat Alain Delon einmal gesagt. Eine von ihnen hat Geld mit Rennpferden, Boxkämpfen, Brillen und Parfüm ("Samourai", wie der französische Originaltitel von "Eiskalte Engel") verdient, eine andere liebte schöne Frauen, eine dritte hat seine bisexuellen Neigungen ausgelebt, eine vierte gründete zwei Produktionsgesellschaften und eine fünfte leistete sich einen politischen Flirt mit dem französischen Rechtsextremisten Jean Marie Le Pen.

Wer noch in Alain Delon steckt? Der Schauspieler hat sich Zeit seiner Karriere gehütet, all seine Geheimnisse zu lüften. Dazu kennt er das Geschäft wohl zu gut: "Stars müssen unerreichbar sein, denn wenn die Leute feststellen würden, dass ich ein ganz normaler Mensch bin, wäre ich für sie kein Idol mehr."

Lena Grundhuber


Alain Delon feiert am 8. November seinen 70. Geburtstag.
Alain Delon feiert am 8. November seinen 70. Geburtstag. (teleschau / Archiv)

Seit seine letzte Frau ihn verlassen hat, quält Alain Delon die Einsamkeit.
Seit seine letzte Frau ihn verlassen hat, quält Alain Delon die Einsamkeit. (teleschau / Archiv)

Nur seine Hunde, so ließ Alain Delon verlauten, hätten ihn noch nicht enttäuscht. Der Schauspieler lebt mit zwölf Hunden und einer Katze in der Schweiz.
Nur seine Hunde, so ließ Alain Delon verlauten, hätten ihn noch nicht enttäuscht. Der Schauspieler lebt mit zwölf Hunden und einer Katze in der Schweiz. (teleschau / Archiv)

Datum: 20.10.2005

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Diskussion: "Alain Delon"

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