Heike Makatsch

Ein Gespräch über Liebe

Schauspielerin Heike Makatsch

(tsch) Die meiste Zeit im Leben ist die Liebe wohl ohnehin nicht mehr als eine ziemlich erstaunliche Theorie. Dann wiederum, was selten, aber plötzlich geschieht, erwacht sie zum Leben, fußt eine Weile lang auf nur vordergründig überholten Vorstellungen von Romantik, ehe es schließlich ans Eingemachte geht. In jeder dieser Situationen finden gute Menschen ihre Lieder. - Liebeslieder. - Heike Makatsch mag "Liebesleidlieder".

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Die Schauspielerin erweist sich über die meiste Zeit als ziemlich sachliche Analytikerin. Natürlich, da sitzt ein Fremder, der aus aktuellem Anlass von ihr wissen will, wie das so ist mit der Liebe. Mit ihrem Anfang, mit ihrem Ende und vor allem mit der Zeit zwischendrin. Da muss vieles Theorie bleiben. Wohl aber ist Heike Makatsch inzwischen 34 Jahre alt, erfahren im Umgang mit den Medien und dem Leben, das sie aus der Düsseldorfer Heimat über Studium, Schneiderschule und VIVA mitten hinein ins große Kino führte. "Klar, auch ich bin geprägt von der Vorstellung, zu zweit alt werden zu wollen. Am besten mit dem, den man zum ersten Mal lieben gelernt hat. Aber es ist nicht mehr angemessen, so zu denken. Es hat sich viel verändert in dieser Welt."

"Keine Lieder über Liebe" (Bundesstart: 27.10.) heißt ihr aktueller Kinofilm, der sowohl inhaltlich als auch stilistisch etwas Besonderes ist. Die drei Hauptcharaktere, gespielt von Jürgen Vogel, Florian Lukas und eben Heike Makatsch, wurden zunächst lediglich mit einer fiktiven Biografie für ihre Rolle ausgestattet. Lukas ist mit Makatsch zusammen, doch die hat ihn betrogen mit seinem Bruder, Jürgen Vogel, einem Musiker. Dann schickte der Regisseur Lars Kraume sie alle zusammen auf eine Konzert-Tour mit der Band Hansen, die extra gegründet wurde. Kraume wartete ab, war mit der Kamera fast immer und überall dabei, ließ seine Darsteller über Wochen in ihre Filmcharaktere schlüpfen und somit ihr eigenes Drehbuch schreiben. Ein Improvisationsfilm also, in dokumentarischem Stil gefilmt. Und reich an Wahrheiten.

"Es wurde schon eine Art Psycho-Camp", erinnert sich Heike Makatsch. "Da waren echte Schmerzen." Realität und Film seien mit der Zeit immer mal wieder verschmolzen, Auseinandersetzungen gingen weiter, obwohl die Kamera aus war. Nicht, dass sich jeder selbst gespielt hätte. Heike Makatsch ist nicht jene Ellen im Film, darauf legt sie Wert. "Aber ich spiele sie ... verstehend. Sie wird gespeist von mir. Sie hat sich quasi meiner bemannt." So sehr, dass die Darstellerin ein halbes Jahr nach Drehende ein außergewöhnliches Angebot annahm. Wie der Film heißt auch eine Art Tagebuch, das nun veröffentlicht wird und in dem sie sich noch einmal hineinversetzt in die Zeit des Drehs und ihre Rolle. "Beim Schreiben wurde mir einiges klar. Über Ellen. Und über mich."

"Keine Lieder über Liebe" ist ganz sicher ein Liebesleidfilm, untermalt eben auch von jenen Liedern, die Heike Makatsch so mag: "Lieder über nicht verstandene Liebe, nicht zur Erfüllung kommende Liebe, einseitige Liebe." Ziemlich treffend schildere der Film die Realität, wie sie sich vielen präsentiert. Es geht inzwischen eher ums Suchen denn ums Finden. Um unterschiedliche Erwartungen, um das Akzeptieren von Stagnation in Beziehungen, um Toleranz und nicht zuletzt um Ehrlichkeit. Zweisamkeit stehe heute unter einem anderen Stern als noch vor 30, 40 Jahren, sagt Heike Makatsch. "Beziehungen sind schwerer zu führen, weil es außer der romantischen Liebe eigentlich keinen Grund mehr gibt, warum Menschen zusammenbleiben sollten. Früher ging es auch um finanzielle Abhängigkeiten, um ein anderes Gefühl von Sicherheit. Aber all die Dinge, die die Menschen über den ersten Hormonimpuls hinweg zusammenschweißen, sind heute nicht mehr gegeben. Und so läuft jeder durch ein Übermaß an Angebot, wie Beziehungen vielleicht funktionieren könnten. Und jeder ist verwirrt."

Inwieweit das für sie selbst gilt? Schwer zu sagen. Wohl aber habe sie den Zeitpunkt der Erkenntnis, dass Liebe kein Spiel ist, längst hinter sich. Heike Makatsch ist zurück in Berlin, nachdem sie mehrere Jahre auch in London lebte. Die Beziehung mit dem Schauspieler Daniel Craig, der unlängst zum neuen James Bond gekürt wurde, ging zu Ende und parallel dazu, wie sie sagt, auch der Wunsch in der fernen Stadt zu sein. Eine neue Beziehung begann. Er, Max Schröder, ist Musiker in der Band Tomte, beide lernten sich beim Dreh für "Keine Lieder über Liebe" kennen. Der Liebe wegen zieht's ihn nun von Hamburg nach Berlin. Dort lebt Heike Makatsch am Prenzlauer Berg. Es sei schon eine Umstellung gewesen, heimzukehren nach Deutschland. Die Zeit in London habe sicher geholfen, den ungeheuren Erfolg als Schauspielerin richtig einzuordnen, am Boden zu bleiben. "Aber ich glaube, dass ich nun alt genug bin, um die Gefahren, die Popularität mit sich bringt, zu erkennen."

Tatsächlich ist die Zeit, in der Heike Makatsch zuvorderst als Begründerin der so genannten "Girlie-Bewegung" galt, schon weit in der Vergangenheit. Ihre Filmografie der vergangenen Jahre ist Spiegelbild des Anspruchs, sich nie mehr im Leben in einer Schublade zu finden: Vom Mehrteiler "Die Affäre Semmeling" über Doris Dörries "Nackt" bis hin zur Tucholsky-Verfilmung "Gripsholm" und der internationalen Großproduktion "Tatsächlich ... Liebe". Zuletzt stand sie in der Titelrolle unter der Regie von Xaver Schwarzenberger für den historischen TV-Film "Appolonia Margarete Steiff" (im Dezember im Ersten) vor der Kamera. Nach vielen Ensemblefilmen mal wieder eine Produktion, in der sie die Hauptlast allein trägt. Eine angenehme Erfahrung, wie sie sagt: "Da hat man die Chance, alles richtig zu machen." Das klingt tatsächlich nach einem schönen Moment.

Kai-Oliver Derks

"Keine Lieder über Liebe" (Bundesstart: 27.10.) heißt der aktuelle Kinofilm von Heike Makatsch, der sowohl inhaltlich als auch stilistisch etwas Besonderes ist. Am Montag, 24.10., ist sie zu Gast bei "Beckmann" (ARD, 23.00 Uhr).
"Keine Lieder über Liebe" (Bundesstart: 27.10.) heißt der aktuelle Kinofilm von Heike Makatsch, der sowohl inhaltlich als auch stilistisch etwas Besonderes ist. Am Montag, 24.10., ist sie zu Gast bei "Beckmann" (ARD, 23.00 Uhr). (Film1 / Joachim Gern)
Auf der Suche nach Antworten, von links: Jürgen Vogel, Heike Makatsch und Florian Lukas.
Auf der Suche nach Antworten, von links: Jürgen Vogel, Heike Makatsch und Florian Lukas. (Film1 / Joachim Gern)
Im Dezember in der ARD: Heike Makatsch spielt die Hauptrolle in der Filmbiografie "Appolonia Margarete Steiff". Von links: Felix Eitner, Heike Makatsch, Eva Löbau und Lilia Lehner.
Im Dezember in der ARD: Heike Makatsch spielt die Hauptrolle in der Filmbiografie "Appolonia Margarete Steiff". Von links: Felix Eitner, Heike Makatsch, Eva Löbau und Lilia Lehner. (SWR / FilmLine / Kunst)

Datum: 20.10.2005

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