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Antonio Banderas

"Ich wollte kein arroganter Superheld sein"

Schauspieler Antonio Banderas

(tsch) In der wiederkehrenden Rolle des geheimnisvollen Helden spanischer Abstammung ist der Schauspieler Antonio Banderas zum Vorzeigestar des US-Kinos geworden. Dementsprechend kehrt er nun erneut als Zorro auf die Leinwände zurück (Start: 27.10.) und macht das, was er am besten kann: Er säuselt mit sündig-spanischem Akzent gelassene Einzeiler und sieht gut aus in seinem hautengen, schwarzen Kostüm. Action und Humor haben Banderas zu einem der bestverdienenden spanischen Schauspieler in Hollywood gemacht. Ob die "Spy Kids" von Robert Rodriguez oder seine Auftritte als El Mariachi in der gleichnamigen Trilogie: Banderas weiß, dass er am besten damit fährt, nett und sympathisch zu sein. Im Interview gibt sich Banderas schlagfertig und erzählt über echte Stunts, tiefgründige Helden und erklärt, warum er sich freut, dass seine Tochter den Paparazzi die Zunge rausstreckt.

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teleschau: Nervt es Sie mittlerweile, in Hollywood vor allem als spanischer Held bekannt zu sein?

Antonio Banderas: Das stört mich eigentlich überhaupt nicht - gerade auch, was Zorro angeht. Ich musste mir eingestehen, dass Zorro ein wichtiger Wendepunkt in meiner Karriere war. Außerdem ist es ein Charakter, den ich sehr mag: Er ist ein echter Volksheld, eine Figur, die aus dem gemeinen Volk heraus geboren wurde.

teleschau: Wie kann man sich aber mit einer Comic-Figur identifizieren?

Banderas: Sein Humor ist genau auf meiner Wellenlänge, vor allem auch die Ironie, die er an den Tag legt. Schließlich ist er nicht perfekt - und ich natürlich auch nicht. Im ersten Film hatte ich die Möglichkeit, den Charakter zu entwickeln, als er noch nicht ins Zorro-Kostüm geschlüpft war. Ich zeige ihn als normalen Mann, der ungeschickt ist, wenn er vor großen Menschenmassen sprechen soll, und von Anthony Hopkins' Filmfigur geschult wird, ein echter Zorro zu sein. Natürlich hatte ich Angst, als arroganter Superheld abgestempelt zu werden, der immer dann mit dem Schwert in die Bresche springt, wenn es brenzlig wird. Aber als mich meine Frau damals verlassen hatte, war ich genau in der richtigen Gemütsstimmung, in die Tequila-Welt einzutauchen und mich über mich selbst und den Charakter ein bisschen lustig zu machen.

teleschau: "Die Legende des Zorro" ist aber erneut vor allem zu einem Action-Film geworden. Welchen Anspruch sehen Sie in diesem Film?

Banderas: Alles, was mit Action in den beiden Filmen zu tun hat, und das ist ja nicht gerade wenig, ist auch für mich sehr reizvoll. Doch bringen das Herumhopsen und die Explosionen nichts, wenn der Held, um den es geht, eindimensional bleibt. Daher finde ich es reichhaltiger, wenn Zorro in Wirklichkeit um seine Frau und seinen Sohn, also sein Familienglück, kämpfen muss.

teleschau: Sie sollen all Ihre Stunts selbst durchlitten haben. Wie wahr ist dieses Gerücht?

Banderas: Es war auf jeden Fall eine harte Schule. Es fiel mir nicht leichter als vor sieben Jahren. Meine Knochen knackten in jeder nur erdenklichen Tonlage. Mein wahres Zuhause wurde in dieser Zeit eine Apotheke. Ich bekam Cremes und alles Mögliche, um mich wieder auf den Damm zu bringen. Das war alles sehr schmerzvoll. Manchmal machte ich mir ernsthafte Sorgen, dass ich richtig zu Schaden kommen würde. Das hört sich vielleicht wie ein Witz an, aber ich sage das - schauen Sie in mein Gesicht - in vollem Ernst.

teleschau: Wieso ließen Sie solche Strapazen über sich ergehen?

Banderas: Der Film ist ungeheuer kurz, und es kam die direkte Order von Produzent Steven Spielberg und auch von unserem Regisseur Martin Campbell, dass wir ihn im Stil der Western aus den 40er- und 50er-Jahren drehen - also mit echten Stunts. Wenn jemand im Film vom Pferd fällt, dann ist er wirklich gefallen. Wir wollten nicht allzu viele computeranimierte Sequenzen. Natürlich kamen wir nicht umhin, das Finale mit dem Zug damit zu drehen. Schließlich lässt sich kein Pferd mit Reiter auf einen Zug stellen, um dann kurz vor einem Tunnel in die richtige Richtung zu springen. Aber die Grundtendenz sollte eben handgemacht sein, weswegen sich eben viele Leute im Zuge der Dreharbeiten verletzten. Einer meiner Kollegen brach sich sein Bein an vier Stellen und befindet sich jetzt immer noch in Therapie. Wenn man um sechs Uhr in der Früh auf Knopfdruck Zorro sein und gegen zehn Leute kämpfen muss, dann kann schon mal was daneben gehen. Es floss viel Blut. Da konnte ich nichts gegen ausrichten. Am Ende war sogar wegen der stundenlangen Reitszenen mein Hintern aufgerieben. Das macht mich nicht attraktiver, ist aber die Wahrheit.

teleschau: Ihre Tochter wächst in den USA und damit auch mit der englischen Sprache auf. Wie wichtig ist Ihnen die Vermittlung spanischer Werte?

Banderas: Natürlich, die Sprache soll ihr nicht vorenthalten werden. Schließlich ist sie ja auch in Spanien geboren worden. Außerdem muss sie sich ja auch mit ihren Cousins unterhalten können, und die sprechen ausschließlich Spanisch. Wenn sie miteinander spielen, würden sie wohl schnell die Lust verlieren, wenn sie sich nicht verstehen könnten. Sie ist mittlerweile auch sehr stolz auf ihre Sprachkenntnisse, was ihr vor allem im Spanischunterricht in ihrer Schule in den USA zu gute kommt. Sie ist die unangefochtene Nummer Eins - und kann sogar besser sprechen als ihr Lehrer.

teleschau: Wie schwer war es, an der Seite Ihres Filmsohns, dem zehnjährigen Adrian Alonso, zu arbeiten? Er spricht ja kein Wort Englisch ...

Banderas: Ich musste ihm einfach aus Mitgefühl helfen, weil ich ja aus eigener Erfahrung wusste, wie hart so was ist. Aber wenn ich zurückblicke, dann muss ich wirklich sagen, dass er es um Klassen besser beherrscht hat als ich bei meinem ersten Film in den Staaten. Ich fragte damals nach jeder Szene, ob mich auch alle verstanden hätten. Er scherte sich nicht darum, weil er genau wusste, dass es perfekt war. Adrian hatte ein beneidenswertes Selbstbewusstsein und keinerlei Komplexe. Er vertraute dem Regisseur Martin Campbell und mir vollkommen. Manchmal vergaß ich sogar, dass er eigentlich nur Spanisch sprechen konnte und rief ihn auf Englisch. Sorry, mein Fehler.

teleschau: Auch Ihre Tochter stand schon vor der Kamera. Werden Sie sie bei Ihrem zweiten Film als Regisseur, für den die Dreharbeiten noch im November beginnen sollen, erneut mitspielen lassen?

Banderas: Im Film gibt es leider keine Rolle, die auf sie zutreffen würde. Stella spielte zwar in meiner ersten Regie-Arbeit "Verrückt in Alabama" mit, aber sie war damals ein Jahr alt. Dafür war sie aber wirklich gut. Sie weinte viel, zeigte also viel dramatisches Gespür (lacht).

teleschau: Wie gehen Sie mit dem öffentlichen Interesse an Ihrer Tochter um?

Banderas: Was soll ich denn machen? Es gibt dieses Interesse. Also akzeptiere ich es. Wie würde es auf sie wirken, wenn ich sie vor den Kameras verstecken wollte? Soll ich ihr wie Michael Jackson eine Tüte über den Kopf stülpen? Wie würde sie sich dann fühlen? Oder wenn sie sich schnell ins Auto flüchten müsste? Ich sehe das alles ganz gelassen, weil es die einzige Möglichkeit ist, meinem Kind den Umgang damit beizubringen. Ist doch toll, wenn meine Tochter den Paparazzi die Zunge rausstreckt. Es ist wie ein Spiel. Sie lernt von Beginn an, dass Mama und ihr Papa ein öffentliches Leben führen. So kann sie sich am besten daran gewöhnen. Andernfalls würde die externe Gesellschaft wie ein Aggressor wirken, der meine Tochter zunächst Angst macht und sie ab einem gewissen Alter dann selbst Aggressionen entwickeln lässt. Wer will das schon? Ich auf keinen Fall.

Leif Kramp


Ein Zorro wie aus dem Bilderbuch: Antonio Banderas kehrt in seiner Paraderolle auf die Leinwand zurück.
Ein Zorro wie aus dem Bilderbuch: Antonio Banderas kehrt in seiner Paraderolle auf die Leinwand zurück. (2005 Sony Pictures Releasing GmbH)

Zu Gast in Berlin, von links: Antonio Banderas, Catherine Zeta-Jones, Regisseur Martin Campbell und Martin Bachmann, Managing Director der Sony Pictures Releasing GmbH.
Zu Gast in Berlin, von links: Antonio Banderas, Catherine Zeta-Jones, Regisseur Martin Campbell und Martin Bachmann, Managing Director der Sony Pictures Releasing GmbH. (2005 Sony Pictures Releasing GmbH)

Zorro (Antonio Banderas) und seine Frau Elena (Catherine Zeta-Jones) teilen viele Geheimnisse.
Zorro (Antonio Banderas) und seine Frau Elena (Catherine Zeta-Jones) teilen viele Geheimnisse. (2005 Sony Pictures Releasing GmbH)

Datum: 21.10.2005

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