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Shirley MacLaine

"Ich habe meinen inneren Frieden"

Schauspielerin Shirley MacLaine

(tsch) Lila, der letzte Versuch? Mitnichten! Im fliederfarbenen Outfit mit quietschrotem Wuschelschopf wirkt Shirley MacLaine mädchenhaft - so ungewöhnlich diese Eigenschaft für eine 71-Jährige auch scheint. Der jugendliche Eindruck hält allerdings auch nur so lange, bis sich die Leinwandlegende in einen Korbstuhl auf der Terrasse des Nobelrestaurants "Geoffrey's" in Malibu fallen lässt, an ihrem Drink nippt und mit schmutzig, gurgelndem Lachen das Gespräch einleitet: "Na dann schießen Sie mal los!". Allzu weit scheint Shirley MacLaines Persönlichkeit nicht von ihrem Leinwand-Alter-Ego Ella Hirsch entfernt zu sein. Die resolute Alte ist in der romantischen Komödie "In den Schuhen meiner Schwester" (Kinostart: 10.11.) die Großmutter der Chaosfrau Maggie. Die ebenso männermordende wie verantwortungslose Maggie, gespielt von Cameron Diaz, flüchtet zu Ella, nachdem ihre großen Schwester (Toni Collette) sie beim Seitensprung mit dem eigenen Lover ertappt hat. "Kein feiner Zug von ihr", findet Shirley MacLaine und spielt mit ihrem Strohhut oder besser gesagt, mit dessen lilafarbenem Bändchen …

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teleschau: Ein extravaganter Hut, wirklich! Waren Sie schon mal in Ascot beim Pferderennen?

Shirley MacLaine: Nein, und ich weiß auch nicht, ob er dafür pompös genug wäre. Aber es ist ein echter, vietnamesischer Reis-Hut, und als ich ihn sah, wusste ich: Diesen Hut muss ich einfach haben. Ist die Farbe des Hutbandes nicht der Wahnsinn?

teleschau: So schrill wie die Mode von Ella im Film. Ella ist der Katalysator für Maggies Selbstfindung ...

Shirley MacLaine: Maggie kommt auf den Weg zu sich selbst über die neue Beziehung zu ihrer Großmutter, die sie ja vorher gar nicht kannte. Aber auch für Ella kreiert das neu entstandene Verhältnis zu Maggie und ihrer Schwester Rose eine Identität. Sie findet ihre Berufung darin, diese beiden jungen Frauen wieder auf die Spur zu bringen. Darum geht es in diesem Film.

teleschau: Wie war die Begegnung zwischen den Generationen am Set?

Shirley MacLaine: Sie wollen wissen, ob Cameron Diaz nett ist? Ja, das ist sie. Aber ich habe nach Drehschluss nicht sehr viel von ihr mitbekommen.

teleschau: Warum das denn?

Shirley MacLaine: Weil sie nur Augen für Justin Timberlake hatte. Sie war immer gut vorbereitet, kannte ihren Text. Aber, wenn wir nicht gearbeitet haben, dann hielt Justin ihren Trailer ständig besetzt. Aber das war auch in Ordnung, denn darum drehte sich in dieser Zeit ihr ganzes Leben. Und außer ihr interessierten sich auch sämtliche Paparazzi für Justin. Manche ließen sich von der Produktion als Helfer einstellen, um dann heimlich Bilder von den beiden schießen zu können.

teleschau: Was haben Sie mit Ihrer langen Erfahrung Cameron Diaz für den Umgang mit den Paparazzi geraten?

Shirley MacLaine: Sie soll mehr arbeiten!

teleschau: Das hilft?

Shirley MacLaine: Wenn sie dreht, also arbeitet, gäbe es auch keine Freizeitbilder von den beiden. Aber Cameron Diaz hat fast zwei Jahre verstreichen lassen, bis sie nach dem Sequel von "Drei Engel für Charlie" wieder vor der Kamera stand. Dazwischen hat sie meines Wissens nur an einer Fernsehproduktion mitgewirkt. Sie lebt gerade das Abenteuer ihres Lebens aus und fühlt sich gut dabei. Also ist das auch völlig in Ordnung. Allerdings haben wir Schauspieler früher wesentlich mehr gedreht.

teleschau: Waren die Belästigungen früher nicht so schlimm wie heute?

Shirley MacLaine: Wie die jungen Schauspieler damit fertig werden, dass sie laufend abgelichtet werden und in der Klatschpresse stehen, ist mir ein Rätsel. Obwohl es auch früher schon Auswüchse dieser Art gab. In diesem Restaurant hier zum Beispiel waren zu meiner Zeit ab und zu Mikrophone unter den Tischen installiert. Der Laden hieß damals "Holiday House", war auch ein Hotel und gehörte W. Murphy. Jeder, der in Hollywood etwas auf sich hielt, traf sich hier mit seiner Geliebten.

teleschau: Abgesehen davon, dass Sie sich nicht mehr mit den Paparazzi herumärgern müssen. Welche Vorteile hat denn das Alter in Ihren Augen?

Shirley MacLaine: Es hat ausschließlich Vorteile! Abgesehen von ein paar Zipperlein, die sich einstellen, genieße ich es, alt zu werden. Ich bin freundlicher, geduldiger und verständnisvoller, als ich es jemals war. Ich bin glücklich und habe meinen inneren Frieden. Nichts kann mich mehr so aufregen wie früher. Das ist doch wundervoll, und es wäre ganz sicher nicht so, hätte ich nicht so vieles gelernt und erlebt und Menschen kennen gelernt in den vergangenen Jahrzehnten.

Kerstin Borner


Shirley MacLaine - eine der Großen Hollywoods meldet sich wieder einmal zurück.
Shirley MacLaine - eine der Großen Hollywoods meldet sich wieder einmal zurück. (teleschau / Archiv)

Die rüstige Großmutter Ella (Shirley MacLaine) genießt den Tanz mit Lewis (Jerry Adler): "In den Schuhen meiner Schwester".
Die rüstige Großmutter Ella (Shirley MacLaine) genießt den Tanz mit Lewis (Jerry Adler): "In den Schuhen meiner Schwester". (2005 Twentieth Century Fox)

Shirley MacLaine in William Wylers Spielfilm "Infam" aus dem Jahre 1961, den die Kritik als "äußerst realistisch" lobte.
Shirley MacLaine in William Wylers Spielfilm "Infam" aus dem Jahre 1961, den die Kritik als "äußerst realistisch" lobte. (teleschau / Archiv)

Datum: 02.11.2005

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