logo
Anzeige
BAP

Der Doppelschlag mit Botschaft

Band BAP

(tsch) Es ist lange her. Vier Jahre, um genau zu sein. Damals erblickte zum letzten Mal gänzlich neues BAP-Material das Licht der Welt. "Sonx" hieß das Album, und genau das war auch drauf: ein gutes Dutzend sehr unspektakulärer, aber guter Rockstücke, die sich nicht größer machten, als sie waren. Nach einer Dreifach-CD-Retropspektive kommt das neue Album "Radio Pandora" nun als Doppelschlag. Wie dereinst Guns'N'Roses ("Use Your Illusion" I / II) und Bruce Springsteen ("Lucky Town" / "Human Touch") erscheint die Platte quasi als Doppelwhopper - mit nicht identischer, wohl aber ähnlicher Tracklist. Hat die Kölsch-Rocker der Größenwahn gepackt? Nein, es war einfach so viel da - erklärt Wolfgang Niedecken.

Anzeige

 

teleschau: Herr Niedecken, Sie veröffentlichen die neue Platte Ihrer Band BAP quasi doppelt - meinen Sie nicht, dass Sie den Hörer damit überfordern?

Wolfgang Niedecken: Nein, es muss ja keiner beide Platten kaufen. Deshalb haben wir auch kein Doppelalbum herausgebracht - weil das gleich so groß, so teuer ist. Ich denke, dass die meisten Hörer zu der "Plugged"-Variante greifen, weil da auch die Single drauf ist. Wer dann weiter hören möchte, kann sich ja auch die "Unplugged"-Scheibe holen.

teleschau: Hätte es nicht auch ein normales Album getan?

Niedecken: Statt des üblichen Zwei-Jahre-Rythmus sind bei uns vier Jahre ins Land gezogen - unser letztes reguläres Album "Sonx" erschien 2004, dann waren wir auf Tour und veröffentlichten mit "Dreimal zehn Jahre" eine Kompilation mit altem Material, das wir neu einspielten. Es sammelte sich einfach so viel Material an - und das soll jetzt mal ans Tageslicht kommen. Auf die Idee dieser Teilung in ein reguläres und ein akustisches Album kam ein Mitarbeiter von einer Plattenfirma - die Foo Fighters haben das wohl ganz ähnlich gemacht ...

teleschau: Auf der akustischen Platte covern Sie zwei Songs von Bob Dylan, dem Sie solo schon ein ganzes Album widmeten ...

Niedecken: Ja, und wie immer sprechen die Leute gerne darüber. Einige finden's super, andere verzeihen einem das nie ...

teleschau: Mit "Every Grain Of Sand" und "Senor" haben Sie zwei Stücke ausgewählt, die im üblichen Kanon der Kritiker meistens kaum beachtet werden und von eher unbeliebten Alben stammen.

Niedecken: Wissen sie, auch diese Platten begleiten mich schon immer. Und die Lieder, die kamen einfach zu mir. Es war nicht so, dass ich mir überlegte, was ich vom Dylan noch covern könnte. "Senor" pfiff ein Freund von mir auf den Straßen von Havanna. Da dachte ich: Mensch, das musst Du doch mal ins Kölsch übersetzen. Und an "Every Grain Of Sand" musste ich denken, als ich in Marokko war. Zunächst inspirierte mich das zu einem eigenen Song, aber dann ging mir auch der Dylan nicht mehr aus dem Kopf ...

teleschau: Auf Ihrer Soloplatte "Leopardenfell" haben Sie sich ja schon intensiv mit ihm auseinandergesetzt ...

Niedecken: Ja, wobei meine Herangehensweise sich da schon verändert hat. Damals habe ich die Stücke zum Teil sehr frei übersetzt. Diesmal legte ich mehr Wert darauf, nahe am Original zu bleiben.

teleschau: Irgendein Feedback vom Meister?

Niedecken: (lacht) Nein, aber da es sich um Übersetzungen handelt, muss es ja über seinen Schreibtisch gegangen sein. Es wurde also aus dem Kölschen ins Deutsche und dann ins Englische zurückübersetzt - und er scheint damit einverstanden zu sein.

teleschau: Die wenigsten Leute verstehen Kölsch - ist das bei Coverversionen von Vorteil? Nicht jeder erkennt sofort, was Sie da singen ...

Niedecken: Das weiß ich nicht, vermutlich beides. Eigentlich war das mit den kölschen Songs damals vor 30 Jahren nur ein Proberaum-Gag. Wir sind nicht davon ausgegangen, dass wir mit diesen Songs Konzerte geben würden, geschweige denn ein Album aufnehmen.

teleschau: Viele Hörer sitzen natürlich im Rheinland. Wo sonst entdecken Sie die größten Sympathien für ihre Musik?

Niedecken: Seltsamerweise in der Schweiz. Dort haben die Leute ein ganz anderes Verhältnis zu ihrer Mundart, zu ihrem Dialekt als in Deutschland. Da gehört das untrennbar zu ihnen.

teleschau: Gab es jemals den Versuch einer hochdeutschen BAP-Platte?

Niedecken: Nein, nie. Aber in unserer mittleren Phase, so in den 80er-Jahren, stand durchaus einmal zur Diskussion, das Ganze auf Englisch zu versuchen. Aber ich machte schnell klar, dass ich dann nicht mehr Sänger dieser Band wäre.

teleschau: "Musik, die nit stührt" heißt einer der neuen Songs, und er geht über das deutsche Radioprogramm. Ist es denn so schlimm?

Niedecken: Ja. Im deutschen Radio regieren Not und Elend. Dieser eine Satz stimmt schon: Die Sender machen keine Hits mehr, sie spielen sie. Es sind die gleichen 200 Songs, die überall und immer laufen. Sicher, es mag wieder Sender geben, wo das ein bisschen anders ist. Aber unterm Strich schaut's düster aus. Und das tut übrigens vielen Radioredakteuren in der Seele weh, dass sie bei so einem Kack mitmachen müssen.

teleschau: Ein anderer Punkt, der Ihnen sehr am Herzen liegt, ist Afrika - in "Noh Gulu" geht es um Ihre Beobachtungen in Uganda. Der Song stand in einer Live-Version schon auf der Seite von World Vision zum Download - wie oft wurde er heruntergeladen?

Niedecken: Das waren gute 6.000 Mal. Wenn die alle ein bisschen was gespendet haben, ist schon was zusammengekommen. Es ist für mich ein sehr wichtiges Thema: in Nord-Uganda tobt seit 21 Jahren dieser schreckliche Bürgerkrieg, der vornehmlich von Kindersoldaten ausgeführt wird. Das ist ganz, ganz schrecklich, ich bin da vor vier Jahren hingeraten und habe versprochen, dass ich das nicht vergesse, das ich da was mache. Jetzt haben wir mit der Hilfe von Jack Wolfskin eine kleine Berufsschule eingerichtet, wo frei gelassene oder geflohene Kindersoldaten ein Handwerk erlernen können, um wieder ins Leben zurückfinden zu können. Die meisten wurden von ihren Familien verstoßen, denn das erste, zu dem sie gezwungen wurden, war einen nahen Verwandten umzubringen. Das ist so furchtbar, das ist teilweise wie aus "Dante's Inferno".

teleschau: Bessert sich dort irgendwas? Das ist ein Konflikt, den hier niemand auf dem Zettel hat ...

Niedecken: Den hat hier niemand auf dem Zettel, und das wird sich auch nicht ändern, es sei denn, wir schaffen es, das mit dem Song wirklich in die Medien zu bringen. Wir haben den Song aufgenommen, und über die Jack-Wolfskin-Seite eine DVD, die man kostenlos anfordern kann, wo man die Hintergründe des Krieges erfahren kann - das muss an die oberste Glocke gehängt werden, weil die Leidtragenden Kinder sind.

Jochen Overbeck


"Radio Pandora" heißt der neue Doppelschlag von BAP.
"Radio Pandora" heißt der neue Doppelschlag von BAP. (EMI)

Nach vier Jahren sind die Kölsch-Rocker BAP zurück.
Nach vier Jahren sind die Kölsch-Rocker BAP zurück. (EMI)

Singen gegen das Radioprogramm und für Afrika: BAP.
Singen gegen das Radioprogramm und für Afrika: BAP. (EMI)

Datum: 11.05.2008

Facebook aktivieren

Diskussion: "BAP"

Um eine Diskussion zu "BAP" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 201434

 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 38 - id = 6180 - task = view - option = com_content - limitstart= 0