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Korn
Das verfilxte siebte AlbumBand Korn (tsch) Ein Band-Mitglied verloren, kreativ am Ende: Die kalifornischen Neumetaller Korn sahen sich zu ihrem siebten Album mit vielen Problemen konfrontiert. Doch Bandboss Jonathan Davis kennt keine Grenzen, scheut selbst Pop-Produzenten und Profi-Songwriter als Koautoren nicht. Korn nutzen die eigenen Unzulänglichkeiten als Chance zu einem Neuanfang, auch wenn ihr neues Album "See You On The Other Side" erstmal ein Durchgangswerk ist. Anzeige
teleschau: Jonathan, was bedeutet Freundschaft für Dich? Jonathan Davis: Wie soll ich das erklären? Freundschaft ist, wenn jemand mit dir deine schwersten Stunden, aber auch die glücklichsten Momente teilt. Jemand, der sich um dich kümmert, jemand, der für dich da ist. Das ist ein wahrer Freund. Wenn du Glück hast, begleiten dich vielleicht zwei oder drei solche Menschen dein Leben lang. teleschau: Und was bedeutet es, wenn Euer gefeuerter Gitarrist Brian "Head" Welch über Euch sagt: "Meine früheren Freunde sind nicht länger meine Freunde?" Davis: Oh, das wusste ich gar nicht. Egal. Der Typ ist Vergangenheit. Er ist nicht mehr der Freund, den ich kannte. Er hat zu lange Drogen genommen. Es ist bekannt, dass Menschen, die von Methadon abhängig sind, irgendwann einen Jesus-Komplex bekommen. Brian ist jetzt extrem gläubig. Wenn er jetzt sagt, wir seien nicht mehr seine Freunde, ist das okay für mich. Er kann trotzdem nichts dagegen tun, dass er immer wie ein Bruder für mich sein wird. teleschau: Was ist mit der frei gewordenen Personalstelle an der Gitarre? Immerhin seid Ihr bei Konzerten im Zugzwang ... Davis: Korn werden ab jetzt zu viert bleiben und für die kommenden Konzerte einen Tour-Gitarristen verpflichten. Wenn jemand aus deiner Familie stirbt, kannst du ihn auch nicht ersetzen. Also akzeptieren wir diesen Verlust. "Head" war wie ein Bruder für uns, der leider den Verstand verloren hat und nur noch Bullshit erzählt. Das ist schade. Denn ich vermisse ihn. Er ist stehen geblieben. Wir sind weitergegangen. teleschau: Genauso klingt Euer Album. Es sind nicht mehr die Korn, die es mal gab, sondern es ist eine andere Band auf einem neuen Weg. Siehst Du dieses Album als Durchgangsstation? Davis: Ja, das trifft es genau. teleschau: Auf dem Weg wohin? Davis: Wer kann das schon sagen? Wir sind eine brandneue Band. Für uns ist alles möglich. Ich liebe Veränderungen. Ich will voran gehen, will machen, wozu ich Lust habe. Und wenn wir Lust haben, Tex-Mex-Einflüsse aufzugreifen oder nur noch Pop-Songs zu schreiben, dann tun wir das. teleschau: Ihr habt sogar mit Pop-Produzenten wie The Matrix gearbeitet. Das müsst Ihr Euren Fans bestimmt erklären ... Davis: Wir wollten etwas mit Leuten machen, die nicht aus unserer musikalischen Welt kommen. Diese Platte ist ein gigantisches Experiment. Außerdem ist es cool, wenn ein paar frische Ohren von außerhalb dazu kommen und sich dein Zeug anhören. The Matrix kamen ins Studio, haben sich dann unseren Scheiß mitgenommen und kamen kurz danach mit ein paar fertig arrangierten Songs zurück. Wenn's uns gefiel, suchte ich danach nach Melodien und schrieb Texte. teleschau: Stimmt es, dass Euer Management vorgeschlagen hat, auch Koautoren fürs Songwriting einzukaufen? Davis: Ja. Warum auch nicht? Wir haben mit Linda Perry gearbeitet, mit Dallas Austin, Mark Hudson und Glen Ballard. Aber mit denen hat es nicht geklappt. Am Ende blieben The Matrix und Atticus Ross. All diese Leute schreiben als Profis Pop-Songs für andere Bands und Künstler. Sie wissen, wie Musik funktioniert. Wir luden sie ein, mit uns zu schreiben, das war ihre Aufgabe. teleschau: Im Vorfeld der Produktion hast Du eingeräumt, Du bräuchtest neue Perspektiven, weil Du limitiert bist in Deinen Melodien, Texten und Phrasierungen. Mutig, das zuzugeben ... Davis: Hey, fuck that! Wir sind doch alle nur Menschen und haben unsere Schwächen! Ich bin da ganz offen. Ich habe mein Leben und meine Gedanken immer offen auf der Zunge getragen und hatte nie Geheimnisse. Korn sind keine Heuchler. Wir sind einfach nur wir selbst. Ich habe kein Problem zuzugeben, dass ich damals an meinen Grenzen angekommen war. Genau deswegen versuche ich andere Leute zu treffen, zu schauen, wie sie Musik machen und versuche von ihnen zu lernen. All das macht mich zu einem besseren Musiker. teleschau: In "Tearjerker" gibst Du Einblicke in Dein Seelenleben, singst ganz offensichtlich über das Problem der Einsamkeit und Entfremdung. Wirkt ganz so, als seist Du noch persönlicher auf Diesem Album. Und: So hübsch und artig haben wir Dich ja noch nie singen gehört. Davis: Ich habe eben eine Menge Dinge ausprobiert. Auch, schön zu singen (lacht). Dieser Song dreht sich um Einsamkeit, um dieses Gefühl, tief im Inneren, trotz Familie, Frau und Kindern. Jeder kennt dieses Gefühl, sich irgendwann entsetzlich allein zu fühlen. Davis: Früher wolltest Du extrem cool sein. Hast Du keine Angst, dich jetzt verletzlich zu zeigen? Davis: Nein, habe ich nicht und hatte ich nie. teleschau: "For No One" dreht sich um eine "Rebellion der Erwachsen". Nun ist aber Rebellion immer ein Mittel der Underdogs, der Schwachen und Armen. Wie authentisch ist eine Rebellion, wenn man Rock-Millionär ist? Davis: Wie bei jedem anderen Menschen auch. Ich sehe mich auch nicht als Rock-Millionär. Ich rebelliere gegen das System von 9:00 bis 5:00 Uhr, jeden Tag! (lacht) Ich sitze momentan im Ritz Carlton, dem besten Hotel der Stadt. Sollte ich hier sitzen? Jeder Gast hier starrt mich an, ich gehöre offensichtlich nicht hierher. Auch das ist Rebellion. Ich habe Geld, ich leiste mir das. Und ich mache, was ich will. So sehe ich das. teleschau: Du wirst Dir mit "Hypocrits" eine Menge Feinde in den USA machen. Da wetterst Du gegen die "organisierte Religion" und spießige Familienväter, die Samstagnacht in Strip-Bars gehen und onntags in der Kirche die Kollekte sammeln ... Davis: Genau so ist es in den USA. Diese geilen Böcke stecken den Mädels in den Strip-Bars Geld in den Slip und machen zuhause bei ihren Frauen auf moralisch. Das sind alles verdammte Heuchler. Amerika ist völlig abgefuckt. Stefan Woldach |
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