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Scooter Who's Got The Last Laugh Now?Anzeige Eigentlich sollte man mit Bezeichnungen wie "Kult" vorsichtig sein. Da waren neulich zum Beispiel zwei Damen im Bus, die irgendetwas von diesem kleinen Mädchen erzählten, das in einem sehr überflüssigen Werbespot "Fruchtalarm" plärrt. Das, so die Damen, sei "voll kultig". Das legt doch den Verdacht nahe, dass dieses Wort für alles, was irgendwie doof, aber trotzdem präsent ist, verwendet werden kann. In Ordnung, aber wie schaut's dann mit Scooter aus? Die Techno-Kapelle um den unfassbaren H.P. Baxter hat sich von der Neunziger-Nervikone mit nervigem "Kult"-Charakter zu einem Hort musikalischer Beständigkeit entwickelt. Auch "Who's Got The Last Laugh Now" führt vor allem zu einer Erkenntnis: Gut, dass die noch da sind. Denn sie sind ein bisschen so wie Oasis, bei denen Scooter beim Track "Good To Be Back" tatsächlich ein bisschen klauen. Sie verändern sich nicht. Sie haben irgendwann Mitte der 90er-Jahre mit "Hyper, Hyper" das seeligmachende Rezept gefunden. Sie haben dem Produzentengenre Dancefloor etwas Erkennbares entgegengesetzt. Während sich die Kollegen damit begügten, ihre sehr austauschbaren Computerbeats von Single zu Single mit einem neuen Discomäuschen zu illustrieren, ging es Scooter von Anfang an um eine gewisse Identitätsstiftung. So wie H.P. Baxter liefen dann eine Zeitlang sehr viele rum. Vielleicht nicht in der Großstadt, klar. Aber dass sie existierten und im übrigen immer noch da sind, unterstreichen Exkursionen in die Provinz, in Kleinstädte, in denen die Diskotheken im Gewerbegebiet liegen und die Tankstellen allgemein anerkannte Jugendzentren und Getränkemärkte in Personalunion sind. Trendresiszenz und Beständigkeit lauten also auch auf dieser Platte, auch bei Songs wie "Rock Bottom" oder dem Jimi-Tenor-Cover "Take Me Baby", die Stichpunkte. In gewissem Sinne ist Scooter eine sehr konservative Angelegenheit, was aber immer noch besser ist als Wankelmut. Da gibt's den Four-To-The-Floor-Beat, der sich Volldampf nach vorne bewegt. Drogen? Unnötig, ist so simpel, dass man auch nüchtern steil geht. Und dazu halt dieses Gegröhle. Baxter skandiert, die Crowd ist dabei. Na, zumindest wurde sie dazuproduziert. Gefakte Audience-Participation-Spielchen, hinkonstruierte Begeisterung. So stellen sich wohl unsere Eltern Technomusik vor. Und das Putzige: Zumindest teilweise haben sie damit recht. Jochen Overbeck |
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