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Sheryl Crow Wildflower

Sheryl Crow Wildflower

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Zuletzt wirkte Sheryl Crow eher gelangweilt. Da stand sie neben ihrem Bald-Gatten Lance Armstrong und musste einem etwas überfordert wirkendem TV-Expertenteam ihre Einschätzung der Form ihres Ehemanns am Berg im Genauen und der der Konkurrenz im Allgemeinen diktieren. Das klang gezwungen. Zum Glück gibt es Gebiete, auf denen sie mehr Ahnung besitzt. Beziehungsweise: Es gibt genau ein solches Gebiet, aber das ist von fundamentaler Wichtigkeit: Songwriting.

Sheryl Crow scheint nach Millionen verkaufter Platten eine Position zu besitzen, die ihr eine ganze Menge erlaubt - zum Beispiel die Verweigerung, sich gewissen Mechanismen der Plattenfirma zu unterwerfen. Denn eigentlich war "Wildflower" längst fertig. Nur wollte Madame nicht den Frühling und den Sommer mit Touren, Interviews und Ähnlichem verbringen - sie zog es vor, Lance Armstrong während der letzten Monate seiner Karriere zur Seite zu stehen.

Vielleicht liegt's ja daran, dass das Album im Vergleich zum Vorgänger doch etwas anders anmutet. "Wildflower" klingt unheimlich relaxt, sehr abgehangen. Man kann sich gut vorstellen, dass die Mehrzahl der Songs ihre Konturen nicht im Tonstudio, sondern zu Hause in Texas fand. Allerdings weiß jeder, der die Laufbahn der Sängerin vefolgte, dass Reduktion nicht ihre Sache ist. Spätestens bei den Aufnahmen werden die Songs veredelt, was manchmal gefällt, manchmal - etwa bei "Perfect Lie" - überladen wirkt. Aber andererseits haben die Herren an den Reglern oft genug ganze Arbeit geleistet: "Good Is Good" oder der verblüffend stille Titeltrack sind wohl austarierte Mainstream-Songs, die nach ruralen Amerika klingen, nach großer Freiheit, nach dem Bewusstsein, dass alles irgendwie in Ordnung ist. Bräuchte man einen Soundtrack für "Unsere kleine Farm", so klänge er.

Und das ist gleichzeitig das Problem dieser CD: Manchmal fehlt die Relevanz. Sheryl Crow ist zufrieden, und das freut den Hörer ungemein. Aber die Hits, die kommen erst auf der zweiten Hälfte der CD. Hervorstechen kann "Lifetimes", wo Sheryl Crow mit einer Orgel und einem trocken-funkigen Beat flirtet, allerdings im Pop verhaftet bleibt. Nicht, dass der Rest ansatzweise schlecht ist. Sheryl Crow musiziert auf höchstem Niveau, was das Handwerkliche angeht. Aber in puncto Spannung setzt sie kaum Akzente.

Jochen Overbeck


Datum: 03.09.2005

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Diskussion: "Sheryl Crow Wildflower"

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