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Kanye West - 808s & Heartbreak
Sag zum HipHop leise ServusMusiker Kanye West (wh/tsch) Kanye West lässt den HipHop erst einmal links liegen. Auf seiner neuen Platte „808s & Heartbreak“ wechselt er zwischen Funk, Dance und Elektro. Im Interview spricht er über die Arbeit mit Autotune, seine Zusammenarbeit mit Jay-Z und über die Gerüchte, dass er ein Album mit Michael Jackson plane. Anzeige teleschau: Kanye, die meisten, die in der Listening Session Dein neues Album gehört haben, waren ob des radikalen Stilbruchs etwas irritiert. War das Deine Absicht? Kanye West: Nein, es war keine Absicht. Es gab überhaupt kein Ziel. Und es gab auch überhaupt keine Idee. Dass die Platte so anders klingt als die vorherigen, liegt einzig an dem, was gerade in mir vorgeht. Es ist das Album, das ich momentan veröffentlichen möchte. Es ist die Musik, die ich gerade fühle, eine sehr zeitgemäße Platte. Ich hätte das Album, so wie es ist, schon vor sechs oder sieben Wochen veröffentlichen können, aber leider gibt es einfach gewisse Formalitäten, die man einhalten muss, wenn man bei einer Plattenfirma unter Vertrag ist. teleschau: Die Platte kommt ohne Raps aus - wann hast Du gemerkt, dass Deine Gesangsstimme ein ganzes Album tragen kann? West: Oh, ich habe keine Ahnung, ob sie das wirklich kann. Aber es war einfach einmal an der Zeit, es auszuprobieren. Für mich klang es gut, für mich war es das Ergebnis eines kreativen Prozesses, also hab' ich's veröffentlicht. Das ist jetzt nicht so die Riesenzäsur. Die Zäsur ist eher der Prozess, den ich selbst in den letzten Monaten durchlaufen habe und der letztendlich zu dieser Platte führte. Am Ende hat es doch vor allem mit Gefühlen zu tun. teleschau: Wo lagen die Herausforderungen? West: Der Ansatz ist schon ein anderer, weil ich mit Dingen arbeiten konnte, die bisher für mich einen eher geringen Wert hatten. Es geht zum Beispiel plötzlich um Melodien. Ich hatte überhaupt keine Lust mehr, darauf zu verzichten, nur weil sie im Rap nicht vorkommen, nur weil das das falsche Genre ist. Deshalb habe ich jetzt eben ein eigenes Genre geschaffen. Ich würde es "Pop Art" nennen, weil es Popmusik ist. Auch Michael Jackson macht Popmusik. Und Art, weil der Ansatz ein sehr künstlerischer ist. teleschau: Hast Du Angst, dass Du alte Fans verprellen könntest? West: Ob die alten Fans jetzt damit klarkommen oder nicht ist keine Sache, die ich zu entscheiden habe. Ich finde, dass es eine sehr angenehme Platte geworden ist. teleschau: Wie selbstkritisch bist Du? Erkennst Du mit etwas Abstand an Deinen alten Alben Dinge, die Du heute anders machen würdest? West: Ich mache schon seit einer ganzen Weile Musik. Und ich glaube schon, dass ich sagen kann, dass ich das alles einigermaßen beherrsche. Insofern: nein. teleschau: Wie kam die Idee, mit diesen doch sehr charakteristischen Beats zu arbeiten? West: Das ist schwierig zu beantworten. Ich hatte keine sehr konkrete Vorstellung, wie sie klingen sollten, war dann aber sehr zufrieden. Im Prinzip sind sie eine Reaktion auf all das, was den ganzen Tag im Radio läuft. Ich wollte die Dinge anders machen, überlegte lange, was der coolste Klang ist, den ich erreichen kann und gleichzeitig meine Gefühle am besten ausdrückt. 808-Drumcomputer und Autotune über den Vocals, das erschien mir als die beste Lösung, weil es einen sehr direkten Klang hat. teleschau: Autotune ist eigentlich ein Plug-in, das Fehler in der Stimme ausbügeln und Gesangslinien griffiger machen soll. Künstler wie LeAnn Rimes verwenden es ... West: Es ist irgendwie witzig, dass sich die Leute an diesem Autotune aufhängen. Ich war neulich bei der Ausstellung einer Künstlerin, die Bilder malt und Skulpturen formt, die komplett aus Müll bestehen. Das war wirklich ganz, ganz großartig. Man sollte nie einem Künstler vorschreiben, mit welchen Materialien er zu arbeiten hat. Als ich das sah, dachte ich: Wow! Ich bin wahrscheinlich der einzige kredible Musiker, der so massiv mit Autotune arbeitet. Ich nahm mir vor, mit Abfall zu arbeiten. Und zumindest mir gefällt das Ergebnis. Mir kommt es nämlich gar nicht wie Abfall vor, womit wir wieder im richtigen Leben sind. Denn: Was für den einen Abfall ist, mag für den anderen eine volle Mahlzeit sein. teleschau: Neben den ja erwartbaren Young Jeezy und Lil Wayne hast du Mr. Hudson an Bord, der ja in einer Indieband spielt. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit? West: Er war für diese Platte wirklich sehr wichtig. Er hing mit im Studio rum, inspirierte mich, half mir dabei, meine Vision zu verwirklichen. Er ist ein wirklich großartiger Künstler, der tolle Songs schreibt und dabei jedes Klischee umgeht, auch was die Texte und Themen angeht. teleschau: Es gibt Gerüchte darüber, dass die nächste Platte schon fast fertig sei - und wieder ein reines HipHop-Album werden würde. Stimmt das? West: Dazu möchte ich jetzt noch gar nichts sagen. Ich veröffentliche jetzt erst mal dieses Album. Was danach passiert, ach, das sieht man dann. Ich arbeite vorher mit Jay-Z an seiner nächsten Platte, vielleicht mache ich danach auch mal eine Pause und kümmere mich um mich selbst - ehrlich, ich weiß es einfach noch nicht. teleschau: Was ist denn an den Gerüchten einer Zusammenarbeit mit Michael Jackson dran? West: (lacht) Also, bisher habe ich da noch nix gemacht. Jochen Overbeck |
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