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Yvonne Catterfeld

"Viele sehnen sich nach echten Gefühlen"

Schauspielerin, Sängerin Yvonne Catterfeld

(tsch) Ein wenig Abwechslung muss sein: Mit der RTL-Soap "GZSZ" ist Yvonne Catterfeld groß geworden, dann überzeugte sie als Sängerin mit einfühlsamen Popballaden, anschließend versuchte sie sich erfolgreich als "The Dome"-Moderatorin und nun kehrt sie wieder zum Fernsehen zurück: In der ARD-Vorabendserie "Sophie - Braut wider Willen" (ab 8.11, dienstags bis freitags, 18.50 Uhr) übernimmt das blonde Multitalent eine Hauptrolle und beamt sich dafür zurück in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts: Die 25-Jährige, in der Gegenwart mit Wayne Carpendale zusammen, spielt darin die junge Gräfin Sophie von Ahlen, die sich unsterblich in den bettelarmen Schneidersohn Max Greve (Ben Bela Böhm) verliebt. Im Interview spricht sie über die notwendige Romantik in Krisenzeiten, Sehnsüchte und ihre erst mal aufs Eis gelegte Musikkarriere.

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teleschau: Sie sind bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" ausgestiegen, weil Sie schauspielerisch nicht auf der Stelle treten wollten. Betrachten Sie die Serie "Braut wider Willen" als größere Herausforderung?

Yvonne Catterfeld: Bei "GZSZ" war ich ausgestiegen, weil ich dreieinhalb Jahre eine einzige Rolle spielte. Das ist eine sehr lange Zeit. Es gab für mich kaum noch Möglichkeiten, mich von unterschiedlichen Seiten zu zeigen. Außerdem hatte ich diverse Rollenangebote, die mich reizten. Unter anderem die der Sophie Gräfin von Ahlen, die in einer vergangenen Zeit lebt. Allein die Ausstattung und die Kulissen zeigen, dass es sich nicht um eine billige Serie handelt, sondern um eine unheimlich aufwändige Produktion, an der noch dazu lauter hervorragende Schauspielerkollegen beteiligt sind.

teleschau: Hatten Sie trotzdem überlegt, dass Ihre neuerliche Mitwirkung an einer fast täglichen Langzeitserie Sie möglicherweise auf ein bestimmtes Image als Schauspielerin festlegen könnte?

Yvonne Catterfeld: Um Image-Fragen habe ich mir bei der Entscheidung für die Rolle überhaupt keine Gedanken gemacht. Nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, war für mich schnell klar, dass mich diese romantische Geschichte nicht nur sehr interessiert, sondern beinahe wie für mich gemacht ist. Sophie ist eine beeindruckende Frau, weil sie keine Zwänge mag. Erst recht nicht in der Liebe. Es handelt sich zwar um einen historischen Stoff, aber es geht auch um Überzeugungen und moralische Verhaltensweisen, die heutzutage keineswegs fremd wirken.

teleschau: Glauben Sie, dass sich die Zuschauer momentan besonders nach romantischen TV-Stoffen sehnen?

Yvonne Catterfeld: Ich glaube, dass sich viele Menschen vor allem nach echten Gefühlen sehnen, meinetwegen auch nach wahrer Liebe. Eigentlich steht Sophie genau dafür. Sie kämpft für ihre Liebe und für Gerechtigkeit. Gerade in meiner Generation scheint Romantik manchmal fast einen negativen Touch zu besitzen. Viele denken bei dem Wort sofort "Jetzt wird's kitschig oder langatmig", aber das wird es bei "Braut wider Willen" nicht. Für mich ist es eine romantische Serie, die sehr viel Lebensfreude und Fröhlichkeit beinhaltet. Ich finde sie jedenfalls gerade für die jetzige Zeit passend, weil sie vor Lebenslust strotzt und voller verschiedener Geschichten steckt. Damit wird sie die Zuschauer eher aus einer vielleicht traurigen Realität herausreißen.

teleschau: Sie wollen also helfen, dass die Zuschauer ihre Sorgen für 23 Minuten vergessen können?

Yvonne Catterfeld: Natürlich fragt man sich, was die erzählten Geschichten und nicht zuletzt meine Rolle darin bewirken. Ich betrachte es als schönes Gefühl, wenn man es schafft, die Zuschauer ihre Probleme kurz vergessen zu lassen, in dem sie in eine andere Welt eintauchen. Ich empfinde das ja genauso, wenn ich in meine schauspielerische Rolle schlüpfe.

teleschau: Fällt es Ihnen leicht, eine Frau darzustellen, die - nach heutigen Maßstäben - ziemlich unfreien Beziehungsregeln unterworfen ist?

Yvonne Catterfeld: Ich musste mich schon ein bisschen mit der damaligen Zeit auseinander setzen, um zu verinnerlichen, wie die Verhältnisse zwischen den sozialen Ständen und Geschlechtern damals waren. In dem Moment, wo ich die adelige Sophie spiele, versuche ich, ihre Rolle in gewisser Hinsicht zu leben. Ich finde es wichtig, mich völlig in ihre Gefühlswelt zu begeben. Das Reizvolle an der Figur ist ja gerade, die vielen Facetten der Frau aufzuzeigen. Abgesehen davon bewirken schon die tollen Kostüme, dass ich mich in dieser Rolle und dieser Zeit absolut wie zu Hause fühle.

teleschau: Erleichtert Ihnen auch Ihre Daily-Soap-Erfahrung die Arbeit bei dieser Serie?

Yvonne Catterfeld: Natürlich baue ich auf meine Erfahrungen von "GZSZ", wo ich eine Menge gelernt habe. Ich verlasse mich viel auf meine Intuition und auf das Gefühl, mich in eine Rolle hineinzufinden. Selbstverständlich bringe ich auch ein bisschen Routine mit von "GZSZ": In der Serie musste man beim Drehen immer in kürzester Zeit auf den Punkt da sein. Ich finde das sogar ganz gut, wenn man sich so konzentrieren muss, dass eine Szene nach drei Anläufen im Kasten ist statt nach sieben oder acht.

teleschau: Trotz aller Konzentration dürfte für die Musik demnächst kaum Zeit sein, oder?

Yvonne Catterfeld: Momentan ist das durchaus ein Problem, aber das wird sich wieder ändern. Jetzt konzentriere ich mich auf die Schauspielerei, weil die Rolle meine vollste Aufmerksamkeit erfordert. Aber wenn das vorbei ist, werde ich mich wieder der Musik widmen. Ich werde das künftig immer voneinander trennen und nicht mehr wie früher parallel praktizieren.

teleschau: Einen Karrierezweig aufzugeben, kommt nicht in Frage?

Yvonne Catterfeld: Nein, auf keinen Fall. Obwohl es bereits jetzt die nächsten Rollenangebote für später gibt, will ich nach der Serie unbedingt wieder an einem neuen Album basteln. Ich bin schon dabei, neue Leute kennen zu lernen, mit denen ich zusammenarbeiten werde.

teleschau: Mit wem?

Yvonne Catterfeld: Dazu kann ich noch nichts sagen. Ich schaue mich gerade um und bin eigentlich selber gespannt, was sich ergibt.

teleschau: Bisher kennt man Sie vor allem als Sängerin typischer Popballaden, aber Sie haben auch eine richtige Jazzausbildung. Wäre eine Jazzplatte von Ihnen denkbar?

Yvonne Catterfeld: Wer weiß ... Wer sich mein aktuelles Album anhört, merkt schon, dass es in eine etwas andere Richtung geht, hin zu mehr Soul, R'n'B und auch schnelleren Songs. Das Vorurteil, ich würde ausschließlich Balladen singen, ist entstanden, weil immer nur die als Singles veröffentlicht wurden. Da wird schon noch einiges anderes kommen, das für Überraschungen sorgt.

teleschau: Wie gehen Sie mit unangenehmen Überraschungen um, wie Sie sie bereits erleben mussten, als Sie bei einem Gastauftritt bei Udo Lindenberg vom Publikum ausgepfiffen wurden?

Yvonne Catterfeld: Es war das einzige Mal, dass mir so etwas passierte, und man fragt sich natürlich, was da falsch lief. Aber Udo hatte mir hinterher gesagt: "Was soll's", das hätte er auch schon erlebt. Ich habe das schnell vergessen, weil ich ein Mensch bin, der ab einem bestimmten Punkt auch wieder vorwärts schaut und nicht nach hinten.

Gunnar Leue


In der Serie "Braut wider Willen" wird Yvonne Catterfeld in die Mitte des 19. Jahrhunderts versetzt.
In der Serie "Braut wider Willen" wird Yvonne Catterfeld in die Mitte des 19. Jahrhunderts versetzt. (ARD / Nicole Manthey)

Gekleidet in edlen Stoffen: Yvonne Catterfeld als Gräfin Sophie von Ahlen.
Gekleidet in edlen Stoffen: Yvonne Catterfeld als Gräfin Sophie von Ahlen. (ARD / Nicole Manthey)

Die romantische Geschichte in "Braut wider Willen" ist wie für Yvonne Catterfeld gemacht.
Die romantische Geschichte in "Braut wider Willen" ist wie für Yvonne Catterfeld gemacht. (ARD / Nicole Manthey)

Datum: 07.10.2005

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