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Uwe Ochsenknecht

Pubertät ist ätzend

Schauspieler Uwe Ochsenknecht

(tsch) Im Film "Tollpension" (Mittwoch, 07.06., 20.15 Uhr, ARD) spielt Uwe Ochsenknecht einen Familienvater, der an sich selbst zweifelt. Er droht seinen Job als Drucker zu verlieren, die Kinder finden ihn auch nicht mehr so toll, und in der Ehe läuft es alles andere als geschmiert. Der traditionelle Familienurlaub kommt Vater Kurt Mahlström gerade recht, um Kraft und Selbstbewusstsein zu tanken. Doch im scheinbar beschaulichen deutschen Ostseebad eskaliert die Situation weiter. "Tollpension" ist ein leichter Sommerfilm, der ernste Themen durchaus gekonnt aufgreift. Ebenso leicht scheint es Uwe Ochsenknecht zu fallen, das wankende Familienoberhaupt zwischen Spießertum, Zwangsneurose und Selbstzweifeln zu spielen. Erkennt Familienvater Uwe Ochsenknecht sich da etwa selbst in der Rolle?

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teleschau: Herr Ochsenknecht, der Titel "Tollpension" verspricht ja nicht gerade einen Fernsehabend mit Tiefgang. Der Film ist jedoch besser als sein Name. Wann haben Sie das gemerkt?

Uwe Ochsenknecht: Wir haben relativ lange an dem Script herumgebastelt. Aus dem Original-Drehbuch hätte man auch eine ganz platte Familienkomödie machen können. Ich sagte zu, als klar war, dass Tim Trageser Regie führen würde. Mit ihm habe ich vor ein paar Jahren "Harte Brötchen" gedreht. Ich weiß, dass wir auf einer Wellenlänge sind und dass wir beide dieselbe Vorstellung von Qualität haben. Ich finde, wir haben hier geschafft, was den Deutschen oft schwer fällt - in einem Film Leichtigkeit und Tiefgang zu vereinbaren.

teleschau: Ihre Rolle des überforderten Vaters hätte auch leicht zur Karikatur, zur Witzfigur werden können. Wie verhindert man das?

Ochsenknecht: Wir veränderten viele Dialoge noch während des Drehens. Ein Thema wie Arbeitslosigkeit ist sehr ernst, da kann man nicht drüber bügeln mit einem Gag. Dem Zuschauer würde dann die Haltung der Figur nicht klar werden, und schon ist es eine Witzfigur. Auch dass die Tochter in der Pubertät ist und sich plötzlich anders verhält als früher, ist ein ernstes Thema für Eltern. Außerdem muss man die Figur wie sie ist ernst nehmen. Man darf sich nicht über sie lustig machen und sie somit denunzieren.

teleschau: Trotzdem ist der Vater natürlich eine tragikomische Figur. Er erlebt das, was viele Väter durchmachen, wenn ihre Kinder älter werden: dass die Kinder sie nicht mehr uneingeschränkt als Helden sehen ...

Ochsenknecht: Dass sie erwachsen werden, mit anderen Worten.

teleschau: Ein Thema, das Ihnen vertraut ist?

Ochsenknecht: Na klar, meine großen Kinder sind 16 und 14. Da passe ich genau rein in diese Rolle.

teleschau: Wie gehen Sie mit Ihren pubertierenden Kindern um?

Ochsenknecht: Wahrscheinlich genauso falsch wie alle Eltern. Es ist auf jeden Fall eine große Herausforderung. Man muss sich nicht nur den Kindern gegenüber neu verhalten, man beschäftigt sich auch noch einmal ganz stark mit sich selbst und seiner eigenen Kindheit. Zwischendurch geht einem diese Pubertät aber schon mal tierisch auf den Keks, sie ist durchaus ätzend.

teleschau: Sie wirken sehr natürlich in der Rolle. Sind einige der Dialoge improvisiert?

Ochsenknecht: Nein, aber vielen Dank. Improvisiert ist da gar nichts. Meine Vorgehensweise war, mir die Rolle so drauf zu schaffen, dass ich sie im Schlaf beherrsche. Dann kann man sich darauf konzentrieren so zu spielen, als würde alles im Moment entstehen.

teleschau: Würden Sie auch mal privat Urlaub an der Ostsee machen?

Ochsenknecht: Ich war mal mit 15 an der Ostsee mit einer Jugendgruppe - das ist mir im Sommer zu kalt. Ich mache auch keine Urlaube in Hotels. Da bin ich ja schon das ganze Jahr. Wenn man ein bisschen bekannt ist, hat man da auch keine Ruhe. Wir verbringen unsere Urlaube in unserem Ferienhaus auf Mallorca.

teleschau: Die Filmfamilie Mahlström begibt sich in einen sehr deutschen Urlaub. Von Bayern geht's mit dem Auto an die deutsche Ostsee ...

Ochsenknecht: Ja, so nach dem Motto "Pack' die Badhose ein" (lacht).

teleschau: Ist das nicht spießig?

Ochsenknecht: Nur weil man in Deutschland herumfährt, ist man noch nicht spießig. Wir sind mit meinen beiden Jungs mal zwei Wochen mit dem Auto durch Deutschland gefahren. Das fanden die ganz toll, und reden heute noch davon. Wir waren in Freizeitparks und besuchten Freunde. Wir übernachteten dort, wo wir gerade Lust hatten. Spießertum ist etwas anderes.

teleschau: Die schwelenden Konflikte der Mahlströms eskalieren erst im Urlaub. Ist eine Familienreise eine emotionale Extremsituation?

Ochsenknecht: Auf jeden Fall, aber das betrifft nicht nur Familien, sondern auch Freundschaften. Wenn man mit jemandem auf einer Reise gut klar kommt, schafft man das auch in den restlichen Situationen des Lebens. Auf Reisen merkt man die Empfindlichkeiten der Menschen viel stärker. Es passieren immer unvorhersehbare Dinge. Da sieht man, wie flexibel der andere ist und wie vorgefasst seine Erwartungen sind. Mit jemandem zu reisen, ist eine sehr gute Methode, um einen Menschen kennen zu lernen.

teleschau: Sie sind sowohl regelmäßig im Kino als auch im Fernsehen zu sehen. Frustriert Sie Fernsehen, wenn Sie es mit der Arbeit fürs Kino vergleichen?

Ochsenknecht: Nein, mir geht es vor allem ums Spielen. Ob für Kino oder Fernsehen, das ist mir egal. Sicher hat man beim Fernsehen manchmal schwierigere Bedingungen. Weniger Drehtage, es muss alles schnell gehen. Man hat vielleicht 23 oder 25 Drehtage für einen 90 Minuten-Film, das ist verdammt wenig. Aber nur Kino zu machen, geht in Deutschland nicht. Das wäre mir zu wenig Arbeit. Ich möchte im Training bleiben, so wie ein Hochleistungssportler. Außerdem gibt es auch gute Sachen im Fernsehen. Mit Budgets, die teilweise höher sind als im Kino. Und man wird im Fernsehen in der Regel von mehr Leuten gesehen.

teleschau: Welche Projekte stehen bei Ihnen als nächstes an?

Ochsenknecht: Am 25. September läuft im ZDF ein Film von Lars Becker, "Der beste Lehrer der Welt". Auch der ist weitaus besser als sein Titel. Ich spiele einen Lehrer an einer problematischen Schule. Dann habe ich für die ARD in einer Reihe namens "Giganten" mitgewirkt - da werden große deutsche Persönlichkeiten in einer Art Spiel-Doku vorgestellt.

teleschau: Wen spielen Sie?

Ochsenknecht: Ich bin Beethoven, sehr interessant ...

teleschau: Vor allem, weil Sie ja auch Musiker sind ...

Ochsenknecht: Im Moment arbeite ich an meiner neuen CD. Alle anderen Projekte sind auf Herbst verschoben. Ich hoffe, dass ich diese Platte voll konzentriert durchziehen kann. Dafür schreibe ich gerade Songs mit zwei Partnern zusammen. Es wird wieder in Richtung R'n'B gehen.

teleschau: Songs auf Englisch?

Ochsenknecht: Es fällt mir sehr schwer, in der deutschen Sprache Songs zu schreiben. Mich hat das Englische in der Musik sehr stark geprägt. Meine deutsche Platte entstand - was die Texte betrifft - sehr verkrampft, das brauche ich nicht mehr.

teleschau: Was ist für Sie der Hauptunterschied zwischen Schauspielerei und Musik? Ist die Befriedigung eine andere?

Ochsenknecht: Sie ist ähnlich. Die Begleitung bei der Musik, das ist anders. Man hat eine Band, hört Harmonien, erlebt Gemeinschaft. Klänge sprechen andere Fasern der Seele an als Schauspielerei.

teleschau: Fühlen Sie sich nackter als Schauspieler?

Ochsenknecht: Als Sänger ist man auch ganz schön verletzlich. Wenn man Töne aus der Tiefe seiner Seele produziert, ist das sehr emotional.

teleschau: Aber der Monolog eines Schauspielers auf einer Theaterbühne, ist der nicht nackter als wenn man mit einer Band im Rücken Musik macht?

Ochsenknecht: Nein, als Schauspieler ist man immer eine Figur, das ist wie ein Filter. Der Sänger ist einfach nur er selbst.

Eric Leimann


"Wenn man ein bisschen bekannt ist, hat man keine Ruhe": Uwe Ochsenknecht meidet privat Hotels und Pensionen.
"Wenn man ein bisschen bekannt ist, hat man keine Ruhe": Uwe Ochsenknecht meidet privat Hotels und Pensionen. (teleschau)

Geht dem eigenen Bekuinden nach "wahrscheinlich genauso falsch wie alle Eltern" mit dem Thema Pubertät um: Uwe Ochsenknecht.
Geht dem eigenen Bekuinden nach "wahrscheinlich genauso falsch wie alle Eltern" mit dem Thema Pubertät um: Uwe Ochsenknecht. (Spöttel Press)

Demnächst als Beethoven zu sehen: Uwe Ochsenknecht.
Demnächst als Beethoven zu sehen: Uwe Ochsenknecht. (teleschau)

Datum: 04.04.2006

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