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Téa Leoni

Goodies für Messies

Schauspielerin Téa Leoni

(tsch) Téa Leoni ist eine der Frauen, die eine Menge Spaß an ihrem Job haben. Sie liebt Figuren, die schrecklich normal wirken und gerade deswegen Potenzial haben, den Alltag und die bittere Realität aufs Korn zu nehmen. Das war in "Spanglish" so, als sie die selbstherrliche Mutter mimte, und auch in "Family Man", als sie Nicolas Cage in der Rolle eines geldgierigen Geschäftsmanns von seiner chauvinistischen Weltsicht kurierte. Jetzt, für eine Komödiantin, die durch die Hintertür kam, eigentlich viel zu spät, misst sich die 39-Jährige mit Jim Carrey: Seite an Seite in der Diebeskomödie "Dick und Jane" (Kinostart: 05.01.). Hier spürt sie kriminelles Talent im Existenzangst-Rausch. Im Interview ist Téa Leoni dann aber wieder ganz ruhig und erzählt mit Augenzwinkern über die schwierigen Dreharbeiten, Momente der Ruhe und politische Hintergründe des Films.

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teleschau: Ihre Mitwirkung an "Dick und Jane" war erst gar nicht geplant ...

Téa Leoni: Ja, ich war eigentlich nur zweite Wahl. Cameron Diaz sollte die Rolle spielen. Aber sie fiel dann aus - und ich durfte loslegen. Ich wollte schon lange mit Jim zusammenarbeiten. Er ist der Jerry Lewis unserer Generation. Außerdem bin ich schon seit einer halben Ewigkeit ein Fan von physischer Comedy und konnte jetzt mit einem ihrer Könige arbeiten.

teleschau: Was fasziniert Sie so an Jim Carrey?

Téa Leoni: Er hat einen entzückenden Charme und diese jungenhafte Ausstrahlung. Er ist genau so, wie er sich in den Filmen gibt. Jim mag seine Mitmenschen und bringt sie gern zum Lachen. Dabei ist er sich seiner Wirkung bewusst, taugt aber nicht als Witzmaschine auf Knopfdruck. Dafür ist er viel zu clever und selbstbewusst.

teleschau: Wenn das Publikum lachen soll, ist das meist kein Spaß für die Schauspieler: Komik muss man sich hart erarbeiten. Wie war's bei Ihnen?

Téa Leoni: Komik ist wie Musik: Sie wirkt kinderleicht und ist am besten, wenn es aussieht, als wäre alles improvisiert, total spontan. Aber dahinter steckt eine Wissenschaft: Wenn es einen Misston gibt, leidet der Song. Wenn ein Witz nicht zündet, kann man die ganze Komödie vergessen. Es ist tatsächlich harte Arbeit, aber glücklicherweise hatte ich einen genialen Kollegen an meiner Seite und einen Regisseur (Dean Parisot, Anm. d. Red.), der sehr viel Fingerspitzengefühl besitzt.

teleschau: Klappte wirklich alles wie am Schnürchen?

Téa Leoni: Eigentlich hatten wir dauernd Verletzungen zu beklagen, gerade weil Jim und ich unsere Körper außerordentlich gern dazu benutzten, komisch zu sein. Wenn es keinen Grund gab, den Klamauk körperlich zu machen, suchten wir uns einfach einen. Manchmal ging das so weit, dass der ganze Film in Mitleidenschaft gezogen wurde.

teleschau: Jane ist ein diebisches Naturtalent. Haben Sie selbst schon mal etwas gestohlen, als ihnen das Geld ausging?

Téa Leoni: Vielleicht hätte ich eine kriminelle Karriere beginnen sollen, um schnell reich zu werden. Ich nahm aber mit einer Verchromungsfabrik vorlieb, in der ich auf eine gar nicht sexy Art hart gearbeitet habe. Dafür verdammt ehrlich.

teleschau: Haben Sie Angst, dass Sie irgendwann einmal in Geldnöte kommen könnten?

Téa Leoni: Das Lustige an "Dick und Jane" ist, dass hier Leute gezeigt werden, die ihr gesamtes Seelenheil an materielle Dinge knüpfen. Ihr Selbstbewusstsein, ihr Weltbild, ihre Beziehung basiert darauf, dass sie das richtige Auto, den tollen Pool und den schicken Rollrasen vor der Haustür haben. Dick und Jane fallen tiefer, als ich es wohl jemals werde.

teleschau: Genau dieser Illusion des materiellen Glücks sind doch viele Amerikaner erlegen ...

Téa Leoni: Genau deswegen haben wir ja den Film gedreht. Von daher ist es auch ein politischer Film. Wir parodieren den neuen amerikanischen Traum. Und der hat nun wirklich nichts mehr mit dem ursprünglichen zu tun: ins neue, ungezähmte Land zu kommen, um Unabhängigkeit und Freiheit zu finden. Heute sind wir nur glücklich, wenn wir Messies genug Goodies gesammelt haben, an denen wir uns nicht nur erfreuen, sondern durch die wir uns auch definieren können. Niemand wird auf diese Weise glücklich.

teleschau: Versuchen Sie manchmal, aus dieser Realität zu fliehen?

Téa Leoni: Manchmal? Ich lege mich jeden Abend in die dampfend heiße Badewanne und versuche abzuschalten. Das ist unbezahlbar, ein echter Luxus. Meine Akkus müssen also regelmäßig wieder aufgeladen werden. Obwohl ich es liebe, mit meinen Kindern zu spielen, brauche ich eben auch Zeit für mich allein.

teleschau: Als Kind hatten Sie den ungewöhnlichen Spitznamen Sarah Bernhardt. So hieß einer der ersten weiblichen Schauspielweltstars. Wie kam es dazu?

Téa Leoni: Meine Oma nannte mich immer so, weil ich offenbar eine ausgeprägte melodramatische Ader an den Tag legte. Wenn ich zum Beispiel auf mein Zimmer gehen sollte, dann klammerte ich mich an die Stuhllehne und gab den sterbenden Schwan. Heute bin ich aber, glaube ich, anders gestrickt. Das schönste Kompliment war, dass mich jemand mal als sehr rational charakterisiert hat.

teleschau: Dann entsprechen Sie sicherlich dem Bild des vernünftigen Hollywoodstars und fahren ein Auto mit umweltschonendem Hybridantrieb?

Téa Leoni: Natürlich: Wir haben einen Toyota Prius und zusätzlich noch ein Elektroauto - wie es sich gehört (lacht).

teleschau: Können Sie eigentlich über sich selbst lachen?

Téa Leoni: Eigentlich vermeide ich es, mich selbst auf der Leinwand zu sehen. Daher kenne ich die meisten meiner Filme gar nicht komplett. Aber bei "Dick und Jane" habe ich allein deswegen eine Ausnahme gemacht, weil ich so gerne andere Leute lachen sehe - natürlich auch über mich.

teleschau: Hütet Ihr Mann David Duchovny, von dem lange nichts mehr zu hören war, die Kinder, wenn Sie drehen?

Téa Leoni: Er hat drei Jahre lang an "House of D" gearbeitet (Kinofilm ohne deutschen Starttermin bisher, Duchovny ist Autor, Regisseur und Darsteller, Anm. d. Red.). Das war natürlich eine lange Zeit. Zwischendurch hatte er ein paar kleinere Jobs, deswegen wird er demnächst wohl geballt auf der Leinwand zu sehen sein. Drei Filme kommen bald in die Kinos: "Trust the Man" mit Julianne Moore, Billy Crudup und Maggy Gyllenhaal, "The Secret" mit Lili Taylor und "The TV Set" an der Seite von Sigourney Weaver.

Leif Kramp


Der Spaß am Job ist lebenswichtig: Téa Leoni bei der Berliner Premiere von "Dick und Jane".
Der Spaß am Job ist lebenswichtig: Téa Leoni bei der Berliner Premiere von "Dick und Jane". (Sony Pictures)

Körpereinsatz auch in der Küche: Téa Leoni nimmt sich als Diebin Jane einen Haushaltstag.
Körpereinsatz auch in der Küche: Téa Leoni nimmt sich als Diebin Jane einen Haushaltstag. (Sony Pictures)

Jim Carrey macht Faxen, Téa Leoni auch.
Jim Carrey macht Faxen, Téa Leoni auch. (Sony Pictures)

Datum: 27.12.2005

Diskussion: "Téa Leoni"

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