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"Sterben? Am liebsten im eigenen Garten!"Schriftstellerin Rosamunde Pilcher (tsch) Rosamunde Pilcher ist eine klassisch englische Lady. Mit einer unglaublichen Selbstdisziplin lässt sie beim Presseauftrieb in München das Blitzlichtgewitter der Fotografen und die unzähligen Fragen der Journalisten über sich ergehen, hat für jeden ein freundliches Wort und antwortet mit Charme und Witz. Auch, wenn es um den Grund für ihren augenscheinlich nicht unerheblichen Zigarettenkonsum geht: "Ich rauche nur bei Presseterminen, da ich dann immer so nervös bin", gibt die knapp 1,70 Meter kleine Frohnatur mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Dabei gibt's zur Nervosität keinen Anlass, schließlich ist die Romanautorin seit kurzem im wohlverdienten Ruhestand, und die "Marke Pilcher" verkauft sich besser denn je. Im Interview gibt sich die 81-Jährige dann auch entsprechend zurückgelehnt. Anzeige "Ich bin froh, dass ich nur noch die Drehbücher zu den Filmen lesen muss", schmunzelt Rosamunde Pilcher nach der Pressevorführung der neuen ZDF-Romanze "Zauber der Liebe" (basierend auf der Erzählung "Summersolstice"), die das Zweite am ersten Weihnachtsfeiertag um 20.15 Uhr zeigt. "Ansonsten bin ich in die Produktion gar nicht eingebunden." Bisher war die britische Bestseller-Autorin mit den Verfilmungen ihrer literarischen Vorlagen immer sehr zufrieden, wie sie betont, und auch die aktuelle begeistere sie. Den internationalen Durchbruch schaffte Rosamunde Pilcher 1987, im gesetzten Alter von 63 Jahren. Ihre Familiensagas "Die Muschelsucher" und "September" erreichten Spitzenplätze in den Bestsellerlisten. Nach diesen Erfolgen erschienen auch frühere Romane der Autorin wie "Lichtspiele" und "Stürmische Begegnungen". Es folgten "Ende eines Sommers" und "Heimkehr", Werke, die sich international rasend verkauften. 1992 wurde sie mit der "Goldenen Feder" als "Autorin des Jahres", 1998 für die "erfolgreichste Serie von Romanverfilmungen" mit der "Goldenen Kamera" ausgezeichnet. Durch den späten Erfolg habe sich in ihrem Leben nicht viel verändert. "Was nützt mir in meinem Alter ein teurer Sportwagen vor der Tür. Ich passe doch wohl besser auf meinen kleinen Traktor, den ich mir von meinem ersten Geld für meinen Garten gekauft habe." Vor allem freue sie sich darüber, ihren fünf Kindern und 14 Enkeln Wünsche und eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Zwar leben sie nicht alle in England oder Schottland, "doch so lange es uns gesundheitlich gut geht, reisen wir gerne", sagt die Autorin. Das diesjährige Weihnachtsfest will sie in den USA verbringen. Geprägt durch berühmte englische Autorinnen wie die Schwestern Emily und Anne Bronte sowie Daphne du Maurier, kommen Rosamunde Pilchers Erzählungen ohne Sex und Gewalt aus. Auch Sozialkritik findet man kaum. Ihre idyllische Heimat, tiefe Liebe und pure Menschlichkeit stehen im Mittelpunkt. Die Schriftstellerin baut auf eine Erzähldramaturgie, die nicht verheimlichen will, welche Bedeutung Cornwall und Schottland, mit den rauen Klippen und Küsten, prächtigen Landsitzen und Burgen sowie geduckten Steinhäusern, für sie selbst besitzen. Es sind Geschichten aus dem Leben, die sie mit Herzenswärme erzählt. "Ich schreibe einzig und allein über das, was ich kenne. Ich bin in dieser wunderschönen Landschaft groß geworden, und wenn man in ihr lebt, kann man sie einfach nicht übersehen. An Inspiration hat es mir nie gemangelt. Ich erzähle von ganz normalen Menschen, von Liebe und Glück, von Eifersucht und Trennung, von Schicksalsschlägen, wie sie jeder kennt." "Viele nennen meine Erzählungen kitschig", weiß Rosamunde Pilcher, "aber das berührt mich nicht sonderlich." Für sie seien die Romane eher "leichte Lektüre für intelligente Damen", obwohl sich mittlerweile auch männliche Leser an ihre Bücher herantrauen, worauf die nette Lady nach eigenem Bekunden besonders stolz ist. Rosamunde Pilcher schreibt bereits seit ihrem 15. Lebensjahr. Nach der Schule meldete sie sich 1942 als Sekretärin zum Kriegsdienst bei der Marine und trat während des Zweiten Weltkrieges dem "Women's Royal Naval Service" bei. Bevor sie 1946 ihren Mann Graham heiratete, mit dem sie nach Schottland zog, arbeitete sie im Außenministerium. Neben ihrer späteren Tätigkeit als Hausfrau und Mutter flüchtete sich Rosamunde Pilcher durch das Schreiben von Kurz- und Liebesgeschichten in eine Traumwelt. Immer, wenn ihr das Familienleben über den Kopf wuchs, zog sie sich mit ihrer alten Schreibmaschine ins Arbeitszimmer zurück. "Computer und das andere elektronische Zeug", erklärt sie mit einem Lächeln, lägen ihr nicht besonders, sodass sie das Schreibinstrument nie gewechselt habe. "Das Schreiben hat, obwohl es zwischenzeitlich sehr einsam macht, meine Ehe gerettet." Nun tritt eines ihrer fünf Kinder in ihre Fußstapfen. "Mein Sohn Robin schreibt seit einiger Zeit. Sehr gute Novellen, wie ich finde." Jedoch würde sie ihm ungefragt nie Tipps geben. "Ich musste ihm nichts beibringen, außer Manieren", sagt Rosamunde Pilcher. "Außerdem würde er seine alte Mutter sowieso nicht um Rat fragen!" Mit Vollendung des 80. Lebensjahres hat sich die Grand Dame der Unterhaltungsliteratur zur Ruhe gesetzt. "Ich habe viel gesehen und viel erlebt, sodass ich mir jetzt in meinem kleinen Haus mit großem Garten etwas Ruhe gönne. Ich verfasse höchstens Einkaufszettel, aber selbst das erledigt häufig mein Mann auf meine Zurufe hin." Graham, so erklärt sie, "ist mein bester Freund. Wir haben uns immer respektiert und die nötige Freiheit gegeben. Mein Ehe ist gut, denn immerhin hält sie seit 60 Jahren." Ihre Enkelkindern lieben es, wenn sie ihnen aus Kinderbüchern vorliest. "Gerne suche ich dann Schriftsteller aus meiner Heimat aus, damit sie das Land kennen lernen, aus dem ihre Großmutter stammt." Sie sei des Schreibens müde geworden, und könne nicht mehr so lange auf ihrem Arbeitssessel ausharren. Zurzeit genießt sie es, für Freunde zu kochen, durch die Natur zu spazieren und einen Plausch am Gartenzaun zu halten. Und die Zukunft? "Die lasse ich einfach auf mich zukommen. Da werden keine Pläne mehr gemacht. Wenn es einmal mit mir zu Ende gehen sollte, möchte ich einfach im Garten zwischen meinen blühenden und duftenden Blumen umfallen." Sie habe kürzlich mit einem Freund über den Tod gesprochen. "Es war ganz lustig, denn er erzählte mir, dass er eigentlich auf keinen Fall in den Himmel kommen will, da dort sicherlich einige Gestalten nach ihrem Tod herumlaufen würden, die er kein zweites Mal im 'Leben' treffen möchte. Und wenn ich genauer darüber nachdenke, will ich nach meinem Ableben gewissen Leuten auch kein zweites Mal begegnen." Rosamunde Pilcher wirkt für einen Moment ein wenig in sich gekehrt, dann lächelt sie und zündet sich eine neue Zigarette an. Saskia Schnell |
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