Kinsey - Die Wahrheit über Sex: Biopic mit Liam Neeson
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Kinsey - Die Wahrheit über Sex
(tsch) Eine repräsentative Menge an Fakten sammeln und Schlüsse daraus ziehen - mit dem Prinzip der Wissenschaft kannte sich der Zoologe Alfred C. Kinsey aus. Der Forscher erprobte es jahrelang mit großem Erfolg an der Gallwespe. Als er jedoch seinen Fokus mit gleicher Seriosität und Akribie auf die menschliche Sexualität legte, betrat er vermintes Gebiet. Denn die öffentliche Moral grenzte im Amerika der 40er-Jahre vieles, was sich in den Schlafzimmern der Bürger abspielte, als Perversion aus. Wie "Kinsey" (2004) als Wissenschaftler und Mensch damit umging, zeigt ein facettenreiches Biopic mit Liam Neeson in der Titelrolle, das vox jetzt als Free-TV-Premiere ausstrahlt.
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In einer Gesellschaft, die glaubte, dass Masturbation das Rückenmark schädige, dass es nur eine Stellung im Bett gibt und in der bis heute Oralsex auch unter Eheleuten in neun Bundesstaaten verboten ist, schlug Alfred Kinseys Report "Das sexuelle Verhalten des Mannes" 1948 wie eine Bombe ein. Dabei hatte der Wissenschaftler keine spektakuläre Theorie entwickelt, sondern einfach nur mit einem ausgeklügelten Fragebogen das sexuelle Verhalten der verschiedensten Menschen wertfrei erfasst. Fasziniert verfolgt man die aneinandergereihten Aussagen der sprechenden Köpfe, die ebenso neutral präsentiert werden. Dabei geht es nahe, welche Erleichterung das offene Erzählen über ihr Liebesleben bei so manchem Befragten auslöste.
Kinsey machte vor keinem Thema halt und klassifizierte 200 Arten der sexuellen Handlungen. Was bei den Männern für Aufsehen sorgte, wuchs sich mit seinem zweiten Werk "Das sexuelle Verhalten der Frau" (1953) zum Skandal aus. Mit der Behauptung, 62 Prozent der US-Frauen hätten schon masturbiert, 50 Prozent bereits vor der Ehe Sex gehabt und 26 Prozent der verheirateten Frauen gingen fremd, verlor er seine Forschungsgelder und rückte ins Visier des FBI. Die amerikanischen Mütter und solche, die es werden sollen, und deren Lust am Sex? Das alles durfte nicht sein. Nicht öffentlich.
Bill Condons Film begleitet Kinsey aber nicht nur bei seinen Forschungen, sondern zeigt auch, wie der linkische, aber willensstarke Professor in seinem eigenen Leben die Lust erforscht. Das wirkt in Wort und Tat nie voyeuristisch oder aufgesetzt, sondern einfach menschlich. Denn der Wissenschaftler selbst kommt in das Dilemma, das die später in der sexuellen Revolution gefeierte Freiheit mit sich bringt. Er unterschätzt die menschlichen Emotionen. Und so lassen sich auch 50 Jahre danach trotz des Wissens, dass es "normal" nicht gibt, nur mit "üblich" oder "selten" nicht alle Probleme lösen.
Liam Neeson, der die verschiedenen Aspekte der Persönlichkeit Kinseys glänzend auf die Leinwand brachte, ist ab 25. Februar 2009 in dem Thriller "Taken" in den deutschen Kinos zu sehen. Darin spielt er einen ehemaligen CIA-Agenten, der seine Tochter aus den Fängen von albanischen Menschenhändlern befreien muss.
Lili Sommer
Kinsey (Liam Neeson) arbeitet als Zoologe, bevor er sich der Sexualforschung zuwendet. (VOX/Twentieth Century Fox/MP)
Zoologe Kinsey (Liam Neeson) hält Vorträge über das Sexualverhalten des "menschlichen Männchens". (VOX/Twentieth Century Fox/MP)
Das Ehepaar Kinsey (Liam Neeson, Mitte und Laura Linney) nimmt Clyde Martin (Peter Sarsgaard) freundlich auf. (VOX/Twentieth Century Fox/MP)
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