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Senta Berger

"Und ich bin auch gut"

Schauspielerin Senta Berger

(tsch) "Es ist mir genau so gegangen, als ich das Buch gelesen habe", sagt Senta Berger, als man sie - immer schon schlecht in Mathematik gewesen - nach dem Vorsteuer-Coup aus ihrem neuen Fall als Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek befragt. Der Fall ist nämlich für Laien recht kompliziert: Ein Unternehmen stellt einem kriminellen Geschäftemacher eine Rechnung, führt die darin enthaltene Vorsteuer aber nicht an das örtliche Finanzamt ab. Der Käufer wiederum holt sich die Mehrwertsteuer von seinem Finanzamt, bevor er die übrigens gar nicht vorhandene Ware ins Ausland verkauft. Im Film "Das Karussell" aus der Reihe "Unter Verdacht" wird das alles sehr komisch von Gerd Anthoff unter Hin- und Hergeschiebe von Blumenvasen, Zahnstochern und dergleichen mehr erläutert. So recht begreiflich wird es nicht.

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"Und dann hat Christian Limmer, der Autor, das Salzfass genommen ...", erklärt Senta Berger und schiebt auch gleich nach: "Ständig steht so etwas in der Zeitung." Man mimt den schlau Gewordenen, weil man sich ja nichts anmerken lassen will und weil Senta Berger es so gut mit einem meint. (Erst später wird einem von Kennern der Materie klar gemacht, welche Rolle dem EU-Auslandshandel dabei zukommt, aber das soll jetzt hier keine Rolle spielen.)

Prohacek, die Kriminalrätin Prohacek, ist Senta Bergers Lieblingskind, wenn man eine gestandene Frau mit Zivilcourage so nennen darf. Sie ist als Leiterin der neu eingerichteten Abteilung für Wirtschaftskriminalität und Amtsdelikte im Münchner Polizeipräsidium tätig. Und das mit einer Hartnäckigkeit, die jedem Mannsbild zur allerhöchsten Ehre gereichte. Immer wieder muss sie in ihrem Job gegen Leute aus den eigenen Reihen zu Felde ziehen, und immer wieder kostet sie das fast die Stelle, weil es irgendwelche Vorgesetzte gibt, die in die schmutzigen Geschäfte verstrickt sind, auf deren Spur sich die Kriminalrätin Prohacek begibt.

Mit der Kriminalrätin Prohacek hat Senta Berger zu den anderen Kriminalistinnen des Samstagabends aufgeschlossen, zu Hannelore Hoger oder Iris Berben, sie konnte für ihre Leistung auch gleich den begehrten Grimme-Preis entgegen nehmen.

"Der Stoff liegt auf der Straße", sagt sie über die Themen der Reihe, die ihr nach wie vor viel Spaß bereitet, zu der sie aber dennoch nüchtern Abstand hält. "Ich glaube nicht, dass die Gesellschaft nun neuerdings völlig amoralisch geworden wäre. Das alles hat es auch früher bereits gegeben. Die Aufmerksamkeit für die Missstände ist allerdings größer geworden, die Öffentlichkeit ist sensibilisiert."

"Wir wollen keine Dokumentarfilme machen", sagt Senta Berger, "sondern am Samstagabend unterhalten und dabei berühren." Die Idee der internen Ermittlung, in Amerika von Helen Mirren in "Prime Suspect" mit Erfolg in die Tat umgesetzt, mochte Senta Berger gleich sehr. Die "klaustrophobische Atmosphäre" hatte es ihr angetan. Sie selbst würde in ihren Fällen "am liebsten ständig konzentrierte Verhöre machen".

Wenn man die Schauspielerin sieht, wie sie konzentriert und hartnäckig die Verdächtigen traktiert, ist das durchaus nachzuvollziehen. Und es hat so gar nichts von dem Don-Quichotte-haften, das mal Teil der Figur bei der Entwicklung war. Partner Krause ist nun ganz der Ritter von der traurigen Gestalt, während man der toughen Kommissarin wieder etwas mehr Empfindsamkeit wünschte.

Senta Berger ist wieder neu durchgestartet mit der Kriminalrätin Prohacek, auch mit der Sozialhelferin Emilia, die im gleichnamigen ARD-Film (5.10., 20.15 Uhr) Jugendlichen eine "zweite Chance" bietet. Sie fühlt sich wohl in der Gegenwart, Fragen nach einem etwaigen Rollenwandel wehrt sie beinahe brüsk von sich. "Ich hab' das Alter, das ich habe", sagt sie, "es gab Zeiten, in denen ich nicht so im Einklang mit mir selbst war". Und sie hält sich - nolens, volens - an die alte Regel aus dem Volksmund: "Entweder früh sterben oder schiach alt werden."

Sie meidet tunlichst zu viel Öffentlichkeit und gibt sich "mit einer Hand voll Freunden" neben der eigenen Familie, die "mit den Verhoevens" über "ganz Deutschland" reicht, zufrieden. Senta Berger kann sehr anschaulich wunderbare Geschichten erzählen, von den Anfängen beim Film, von Hollywood, das sie einst unter Vertrag nahm, auch über Italiens Studio Cinecittà und wie das damals mit dem großen Komiker Toto war, in dessen letztem Film sie mitspielte, als er nahezu vollständig erblindet war und die Gänge von einem Assistenten mit einem Stock "vorgezeichnet" werden mussten.

Ihre alten Filme sieht sie selbst nicht so gerne, wiewohl sie sie alle auf Kassetten zu Hause hat. "Nur, wenn ich dazu gezwungen werde", sagt sie. Aber neulich hat sie sich "Kir Royal" wieder mal angeschaut, weil die Serie als DVD neu herausgekommen ist. "Wunderbar", schwelgt sie ganz zu Recht über ihre Rolle der Mona an der Seite von Baby Schimmerlos, "und ich bin auch gut". Und man pflichtet ihr wieder mal aus vollem Herzen bei.

Wilfried Geldner


Senta Berger in ihrer derzeit liebsten Rolle: Als Eva-Maria Prohacek hat sie mal wieder ein gutes "Bauchgefühl".
Senta Berger in ihrer derzeit liebsten Rolle: Als Eva-Maria Prohacek hat sie mal wieder ein gutes "Bauchgefühl". (ZDF / Christian A. Rieger)

Dr. Reiter (Gerd Anthoff) versucht wieder einmal einzulenken. Dabei will Eva-Maria Prohacek (Senta Berger) doch seinen Job gar nicht, wie er fälschlicherweise glaubt.
Dr. Reiter (Gerd Anthoff) versucht wieder einmal einzulenken. Dabei will Eva-Maria Prohacek (Senta Berger) doch seinen Job gar nicht, wie er fälschlicherweise glaubt. (ZDF / Christian A. Rieger)

"Karussellgeschäfte": André Langner (Rudolf Krause) und Eva-Maria Prohacek (Senta Berger) haben sich Zutritt zu den so genannten "oberen Fünfhundert" verschafft und mischen sich unter die Gäste.
"Karussellgeschäfte": André Langner (Rudolf Krause) und Eva-Maria Prohacek (Senta Berger) haben sich Zutritt zu den so genannten "oberen Fünfhundert" verschafft und mischen sich unter die Gäste. (ZDF / Christian A. Rieger)

Datum: 05.08.2005

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