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Madonna - Confessions on a dancefloor

Madonna Confessions On A Dencefloor

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Ist das jetzt die große Rolle rückwärts? Ältere Zeitgenossen werden sich an eine Zeit erinnern, in der Madonna durchaus das Disko-Mäuschen vom Dienst war. Damals, in den 80er-Jahren. "Like A Virgin" und so. Es folgte dieser Neuerfindungsprozess, dem sich Musiker, Filmschaffende und sonstwie Prominente ununterbrochen unterworfen fühlen. Madonna veröffentlichte Bücher mit sich, nackt. Später welche für Kinder, eher zugeknöpft. Ihre Musik bewegte sich in wenig spannenden, aber irgendwie okayen und dank Mitstreitern wie Mirwais oder William Orbit Mainstream-Bahnen, den Ausrutscher mit dem Don-Mc-Lean-Cover "Miss American Pie" mal ausgenommen. Jetzt also wieder "Confessions On The Dancefloor".

Madonna, die erst unlängst Gwen Stefani der Abkupferei bezichtigte, orientiert sich also am Tanzboden. Die hüpft herum, während im Hintergrund ein straighter Beat die Beine, aber nicht das Hirn strapaziert. Kennt man doch. Genau, von einer kleinen Australierin namens Kylie Minogue. Die hat sich auch diverse Male wiedergefunden.

Doch wo die irgendwie innovativ sein wollte, mit den Scissor Sisters zusammenarbeitete und auf ein über-arty Klangkonzept setzte, gibt sich Madonna auch auf "Confessions On A Dancefloor" verblüffend konservativ. Klar, das bereits bekannte und wirklich massiv abbaesque "Hung Up" oder "Get Together" sind ordentliche Kracher. Aber Jacques Lu Cont, der an den Reglern saß und sonst als Zoot Woman oder Les Rythmes Digitales Musik macht, gab sich handzahm. Experimente? Fehlanzeige. Da punpt der Beat, wird ab und an fallengelassen oder hochgepitcht. Da bewegen sich die Synthies in kühler Spätachtziger-Manier, da bleibt Madonnas Stimme stets der Motor.

Nicht, dass wir uns missverstehen: Das ist in Ordnung. "Ich möchte, dass die Leute von ihren Sitzen aufspringen, denn auf meinem Album geht es darum, non-stop eine gute Zeit zu haben", sagt Madonna selbst. Und der Körper, der geht da ja mit. Nur der Kopf, der braucht ein wenig. Aber auch der entdeckt schöne Momente, etwa in "Sorry". Was mit italienischen Spoken-Word-Passagen beginnt, wird durch beharrlichen Gaspedaldruck zum besten Song des Albums. Und "I Love New York" ist mehr als nur ein Statement. Perfekt hinproduziert, mit Strokes-Gitarre, Elektroclash-Synthie und gepflegten Stinkefingern Richtung Rest der Welt. Hübsch, das. Beim extrem Hit-affinen "Jump" schrieb Joe Henry mit, "Like It Or Not" beendet die ganze Sache souverän. Ein erstaunlich geschlossenes Album, das über weite Strecken viel Spaß macht. Wie wohl "Like A Virgin" im Jacques-Lu-Cont-Remix klingen würde?

Jochen Overbeck


Datum: 12.11.2005

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