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Vicky Cristina Barcelona: Der neue Woody-Allen-Film
Vicky Cristina Barcelona(vm/tsch) Nach drei Ausflügen ins regnerische England führt Woody Allens filmische Europa-Reise nun ins sonnendurchflutete Barcelona. Dementsprechend auch die Stimmung, in die dieser Film den Zuschauer versetzt. “Vicky Cristina Barcelona” verführt durch unwirklich schöne Schauplätze und nicht zuletzt durch die vier gut aussehenden jungen Schauspieler, die in einem außergewöhnlichen Liebes-Viereck verwickelt sind. Oscar-Preisträger Javier Bardem teilen sich in dieser leichtfüßigen und charmanten Komödie Almodóvar-Muse Penélope Cruz, Scarlett Johansson und die fantastische Neuentdeckung Rebecca Hall („The Prestige“, 2006). Anzeige
Die beiden US-Girls Vicky (Rebecca Hall) und Cristina (Scarlett Johansson) reisen nach Barcelona, um den Sommer dort bei reichen, entfernten Verwandten von Vicky zu verbringen. Woody Allens Inszenierung lässt schon nach kurzer Zeit erahnen, dass hier ironisch die Faszination des "dekadenten" Europas versus prüdes Amerika beschworen werden soll. Spanien steht für Sonne, Leidenschaft und ein lockeres Leben. Ganz glutäugiger Latin Lover mit Riesenego steuert in einem Restaurant Javier Bardem alias Künstler Juan Antonio auf den Tisch mit den beiden ihm unbekannten Schönheiten zu. Er schlägt einen Trip ins pittoreske Oviedo vor - späterer Sex mit beiden nicht ausgeschlossen. Vicky, entrüstet angesichts des unmoralischen Angebots, verweist auf ihren Verlobten. Cristina, die eine ganze Liste an unglücklichen Liebschaften vorweisen kann, reizt der Vorschlag. Sie sieht sich sowieso als eine Frau offen für Lust und Leidenschaft. Und Vicky soll sie bei ihrem amourösen Abenteuer zumindest begleiten. Woody Allen beweist bei diesem Film nicht nur bei der Auswahl seiner Schauspieler ein gutes Händchen, sondern auch bei Schauplätzen. Schon im Titel wird angedeutet, dass Barcelona hier eine weitere Hauptrolle spielt. Barcelona ist eine Art Traumort, an dem alles möglich ist. Aber zurück ins schöne Oviedo: Nachdem die willige Cristina von einem Magenproblem außer Gefecht gesetzt wird, hat Juan Antonio vor schönster Kulisse bei Vicky freie Bahn. Typgerecht setzt er bei ihr auf ein Romantikprogramm mit Kultur und Gitarre. Höhepunkt ist der Besuch bei seinem putzigen alten Vater. Die Anstrengungen verfehlen ihre Wirkung nicht, die korrekte Vicky kommt ins Zweifeln, ob ihr spießiger Verlobter zu Hause wirklich die Erfüllung all ihrer Träume ist. Als ob zwei Frauen nicht genug wären, bringt Woody Allen - zurück in Barcelona - ein drittes Hochkaliber ins Spiel. Penélope Cruz tritt wie eine Naturkatastrophe ins Leben der drei. Sie verkörpert die heißblütige Spanierin, eine Künstlerin, die ihren Launen ungehemmt und mit feurigen Worttiraden auf Spanisch freien Lauf lässt. Immer kurz vorm psychischen Zusammenbruch benötigt sie Hilfe und zieht wieder bei ihrem Ex-Mann Juan Antonio ein. Hier wohnt inzwischen aber auch Cristina. Während im ersten Teil des Films das Begehren im Vordergrund stand, dreht sich nun alles um die Möglichkeit und Unmöglichkeit von Beziehungen. Die amourösen Verflechtungen werden immer komplizierter - und amüsanter. Statt sich die Augen auszukratzen, entwickeln Cristina und Maria Elena einen ganz eigenen, inspirierenden Umgang miteinander. Und da ist noch immer Vicky, die Juan Antonio nicht aus ihrem Kopf bekommt. Diese wundervolle Komödie des Stadtneurotikers bringt schöne Menschen in einem intelligenten amourösen Reigen voller Bonmots und Witz zueinander. Als Archetypen bieten die Figuren Identifikationsmöglichkeiten im Rätsel um die Liebe zwischen Vernunft und Leidenschaft. Und auch die angebliche Leichtigkeit eines freien selbstbestimmten Lebens erhält so manchen Kratzer. Diemuth Schmidt |
Credits: Laufzeit: 96 Min. Kinostart:4. Dezember 2008 |
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