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Quarantäne: Hollywood-Remake von "[REC]"

Quarantäne

(mb/tsch) Was im Horrorfilm "Quarantäne" passiert, klingt wie eine Mischung aus „28 Days Later“ und „The Blair Witch Project“. Unter "Quarantäne" ist dieses Mal ein Hochhaus, in dem sich eine seltsame Krankheit epidemieartig ausbreitet, die Menschen in blutrünstige Zombies verwandelt. Und das Ganze wird mit einer Laienkamera aufgenommen. Es wackelt, man sieht fast nichts, man spürt und hört zuweilen nur die Bedrohung. Das war eigentlich die Geschichte des 2007 entstandenen spanischen Horrorfilms [REC], der sich eines internationalen Erfolgs unter Genre-Fans erfreuen durfte. Nur ein Jahr später hielt man es in Hollywood für nötig, ein Remake zu drehen. Das Resultat ist, wie so oft in solchen Fällen, absolut enttäuschend.

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Wir beginnen mit einer ganz normalen Nachtschicht bei der Berufsfeuerwehr von Los Angeles. Angela (Jennifer Carpenter) steht vor der Kamera, versucht ihre Anmoderation. Sie ist gar nicht die geschniegelte Tussi, sondern ein sympathischer Charakter mit der Aufgabe, den Zuschauer und Feuerwehrmann Jake (Jay Hernandez) an die stets aktivierte Kamera zu gewöhnen.

Für eine Reality-TV-Show berichten sie und ihr Kameramann Scott (Steve Harris) über die Routine von Jake und seinen Kollegen. Endlich kommt der Alarm und es geht los - zu einem Mietshaus. Die Polizei vor Ort vermeldet Schreie aus einer Wohnung. Gemeinsam geht man die Treppen hinauf, streitet natürlich kurz - wie noch öfter - über die laufende Kamera. Da passiert das vollkommen Unerwartete: Einer der freundlich auf eine verstört wirkende alte Dame zugehenden Helfer wird von ihr gebissen.

Man sieht natürlich nichts. Hört nur böse Geräusche. Doch da, ganz kurz, erhascht Kamerakind Scott einen Blick auf ihr Gesicht. Tapfer. Weißer Speichel läuft der einst liebenswerten Omi über das Gesicht, und Blut. Jetzt kommt die Überraschung: Als die Polizisten und Feuerwehrmänner versuchen, ärztliche Hilfe zu rufen, ist das Gebäude abgesperrt. Die Telefonleitungen sind gekappt, was man daran sieht, dass die aus allen Herren Länder stammenden Mieter wild "Hallo" in ihre Nokias rufend durch das Treppenhaus laufen. Das sieht ein wenig aus wie ein Mobilfunk-Werbespot.

Das Gebäude ist abgeriegelt, da kommt keiner mehr raus. Was wird hier gespielt? Das werden wir auch am Ende nicht erfahren. Klar ist nur: In der Isolation soll gemeuchelt werden. Nun gilt es den Nachteil auszugleichen, dass die Logik ausgeschaltet wird. Regisseur John Erick Dowdle, der nahe am Original bleibt, könnte es sich zu Nutzen machen, dass er in einem begrenzten Raum steckt. Doch statt klaustrophobische Stimmung zu entwickeln, wandelt sich das Treppenhaus lediglich zu einer immer dunkler werdenden Geisterbahn, in der im hin und her schwenkenden Lichtkegel die besonders ansteckende Zombie-Mischung auftaucht.

Einer der Anwesenden, der zufällig Arzt ist, klärt den Zuschauer halbherzig auf, dass es "kein Gegenmittel" gegen was auch immer gibt: Unter Begleitung von werwolfartiger Geräuschkulisse mordet man sich so durch die Stockwerke. Da jeder Gebissene ein Zombie wird und im günstigen Moment wieder zum Leben erwacht, gibt es immer weniger Opfer und immer mehr hungrige Münder. Was die Spannung auch nicht erhöht.

Der einzige Kameramann wackelt rennend oder laufend durch die fehlende Handlung. Die freundliche Moderatorin und der nette Feuerwehrmann rennen die Treppe hoch, rennen die Treppe runter und stellen immer wieder die gleiche Frage: "Bist du gebissen?" Immer wieder werden sie diesbezüglich angelogen und müssen fluchtartig die Treppe rauf oder runter.

Böse Zungen würden drei Dinge behaupten: Die Produktion hat viel Geld gespart, indem sie Schauspieler und Kameramann in Personalunion packten. Das viele Glas splittert nur des Effekts wegen und schließlich: Horrorfilme haben einen solch schlechten Ruf, weil sie so schlampig ausgeführt werden. Man wähnt sich intellektuell im Grundschulalter.

Beispiel: Der Hausmeister hält die Info zurück, dass es noch einen Keller als Fluchtraum gibt, als er sagen will, wo der Schlüssel liegt, stirbt er. Das ist ärgerlich. Wie auch der Rest dieser Neuverfilmung des Horrorthrillers "(Rec)". Die Amerikaner brauchen ihr eigenes Ding, das war schon immer so. Doch wann war dieses Konzept das letzte Mal erfolgreich?

In diesem Fall sicher nicht, denn das Abarbeiten von Menschenleben wurde selbst in "Scream" spannender inszeniert. Hut ab allerdings vor der Leistung von Jennifer Carpenter, die nach diesen Dreharbeiten mit Sicherheit an schwerer Heiserkeit litt. Denn das hysterische Schreien - wir erinnern uns an "Blair Witch Project" und hofften, solches nicht mehr erleben zu müssen - war vermutlich eine wirkliche Herausforderung. Ansonsten bleiben die Einfälle mau: Wenn gar nichts mehr geht, geht eben eine Falltür auf. Aber dann sind wir schon ganz nah dran, am unbefriedigenden Ende.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Sony Pictures, USA 2008, R: John Erick Dowdle, D: Jennifer Carpenter, Johnathon Schaech, Jay Hernandez u.a.

Laufzeit: 89 Min.

Kinostart:
4. Dezember 2008


Da ein Apartmenthaus von einem undefinierbaren Virus befallen sein soll, wird es unter Quarantäne gestellt.
Da ein Apartmenthaus von einem undefinierbaren Virus befallen sein soll, wird es unter Quarantäne gestellt. (2008 Sony Pictures Releasing GmbH)

Angela Vidal (Jennifer Carpenter) bekommt einen hysterischen Anfall. Scott Percival (Steve Harris) versucht alles, um sie zu beruhigen.
Angela Vidal (Jennifer Carpenter) bekommt einen hysterischen Anfall. Scott Percival (Steve Harris) versucht alles, um sie zu beruhigen. (2008 Sony Pictures Releasing GmbH)

Tierarzt Lawrence (Greg Germann) stößt an seine medizinischen Grenzen.
Tierarzt Lawrence (Greg Germann) stößt an seine medizinischen Grenzen. (2008 Sony Pictures Releasing GmbH)

Datum: 03.12.2008

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