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Der Fischer und seine Frau(tsch) "Mandje, Mandje, Timpe Thee!/ Buttje, Buttje in de See,/ Myne Fru de Isebill / Will nich so, as ik wol will." Die plattdeutsche Version des Märchens vom Fischer und seiner Frau gehört zumindest im Norden der Republik zum Bildungskatalog von klein auf. Auch die Hannoveraner Autorin und Regisseurin Doris Dörrie hat die melodischen Verse schon beim Sonntagsausflug im Kinderwagen gehört. Nun bringt sie mit "Der Fischer und seine Frau" ihre ganz eigene Interpretation des Grimmschen Märchens in die Kinos. Der ehemalige MTV-Moderator Christian Ulmen und Alexandra Maria Lara spielen mit liebenswerter Innigkeit ein junges Paar, das an seinen unterschiedlichen Lebensentwürfen zu scheitern droht. Anzeige Originell ist schon der Ausgangspunkt der Geschichte: Zwei Fische, Männchen und Weibchen, blubbern sich gegenseitig an und geben sich gegenseitig die Schuld für ihre gescheiterte Beziehung. Einstmals waren sie Menschen, doch nun werden sie erst von ihrem Fluch erlöst, wenn ein Paar sich auch nach drei Jahren noch liebt. Und dennoch: So märchenhaft es auch beginnt - die Blickkontakte der Liebenden sind zu oft etwas zu lang, die Gesichtsausdrücke stets etwas zu entrückt geraten. Christan Ulmen bleibt eben der dröge (trockene) Jung aus dem unaufgeregten Norden, und Alexandra Maria Lara wird in jeder Rolle stets ihren jugendlichen Charme bewahren - ob sie es will oder nicht. Ulmen als die Tränen pressender Hausmann und Langeweiler und Lara als versierte Karrierefrau: Daran muss sich der Zuschauer erst mal gewöhnen. Zu nachdrücklich haben sich ihre Paraderollen in "Herr Lehmann" und "Mensch Pia!" im Gedächtnis verhakt. Doch Dörrie gelingt es, ihre Hauptdarsteller aufs rutschige Neuland zu führen. Alexandra Maria Lara, die sich schon eindrucksvoll als Charakterdarstellerin in dem Historiendrama "Der Untergang" bewährt hat, ist in Doris Dörries Märchen-Adaption als Kunststudentin zu sehen, die sich auf einem Japan-Trip - wider der Vernunft und besseren Wissens - in einen etwas schmierigen Fisch-Doktor verliebt, der zusammen mit seinem aalglatten Partner Koi-Karpfen für die zahlungskräftige Kundschaft in Deutschland einkauft. Otto, der Koi-Flüsterer, begeistert Ida, die Träumerin, sofort mit seiner unkonventionellen und natürlichen Art. Erste Witze über Fisch- und Hunde-Fremdsprachen tun ihr Übriges, und schon wird unter Papierschirmchen im fernen Osten geheiratet. Doch Otto fehlt das geschäftliche Talent seines Partners Leo (Simon Verhoeven), der es selbst auf Ida abgesehen hat. Otto ist so bieder wie sein Name und gefällt sich als anspruchsloser Naturfreund, der nichts weiter braucht als einen Wohnwagen und seine große Liebe. Doch freilich will Ida mehr, findet sogar einen Abnehmer für ihre weiß-schwarz-roten Koi-Schals: Die Modezarin ist die Gattin eines schrulligen Koi-Liebhabers, merkwürdig glaubhaft gespielt von Elmar Wepper. Die ordert gleich so viele Exemplare, dass Ida ab sofort Tag und Nacht am Webstuhl verbringen muss, und dabei ist sie schwanger. Dem Vermieter einer kleinen, gar nicht feinen Wohnung wird der drohende Nachwuchs kurzerhand verschwiegen, da sonst die Kündigung droht. Freilich bewegt sich das Chaos schnell auf seinen Höhepunkt zu, der sich in einem Stressanfalls Idas äußert - und sie in die Arme Leos treibt. Beziehungskisten, das weiß Doris Dörrie als Autorin und Regisseurin von Erfolgsfilmen wie "Männer", "Keiner liebt mich" und "Nackt" allzu genau, brauchen keine aufwändigen Effekte, um das Kinopublikum zu unterhalten. Auch dieses Mal stehen sich die unterschiedlichen Wünsche von Männern und Frauen konfliktreich gegenüber, nur dass es der Mann ist, der der Jagd nach Erfolg und Statussymbolen abgeschworen hat. Die Frau als dynamischer Nimmersatt passt dazu natürlich genauso wenig wie die ewig winkende japanische Goldkatze aus Plastik zum Vorgarten der tristen Reihenhaussiedlung, in die Ida ihren Otto und den Sohnemann umsiedelt. Was Doris Dörrie gelingt, ist ein Abbild der deutschen Gesellschaft, der in Zeiten von Existenzgründungen auf Ebay-Basis und medial lauthals beklagtem Hartz-IV-Schmarotzertum die Idealkonzepte ausgegangen sind. Wie den Lebensunterhalt bestreiten? Wie glücklich sein? Ohne Geld? Ida, die nicht nur vom Ehrgeiz, sondern vor allem von ihrer Angst vor Verwahrlosung und Armut im Alter angetrieben wird, versucht mehr als einmal, ihren Otto zu überzeugen, dass Glück nur durch wirtschaftlichen Erfolg möglich wird. Doch Otto, der Ahnungslose, gefällt sich in seiner Zufriedenheit, das Gras einfach wachsen zu lassen. Der Frühling wird schon kommen. Am Ende ist nicht klar, wer nun wirklich seinen Traum aufgegeben hat und ob der Mann tatsächlich mit seiner selbst gewählten Lethargie mal wieder Recht bekommt. Darauf kommt es auch nicht an: Es geht darum, aufeinander zuzugehen und nicht die Ohren vor den Wünschen seines Partners zu verschließen. Das ist zwar eine recht simple Botschaft, doch für kurzweilige Unterhaltung reicht es vollkommen. Außerdem lässt es sich nach der Vorstellung herrlich kompliziert mit dem eigenen Partner diskutieren. Leif Kramp |
Credits: 27.10.2005 |
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