Tintenherz
(mb/tsch) „Schnörkellos und wunderbar“ nannte die deutsche Schriftstellerin die Verfilmung ihres Romans „Tintenherz“. Die deutsch-amerikanisch-englische Produktion überrascht positiv mit einer modernen Sicht auf Märchen und ist erstaunlich kitschfrei ausgefallen. Bei der Inszenierung wurde dankenswerterweise auch auf den für Kinderfilme so typischen Slapstick-Humor verzichtet. Dank seinen gut ausgearbeiteten Charakteren, den attraktiven Kulissen in Ligurien und der gelungenen Besetzung bedient „Tintenherz“ auch den Erwachsenen-Geschmack, was ihn zu einem perfekten Familienfilm macht.
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Es beginnt mit einem kurzen Rückblick, als Meggie (Eliza Hope Bennett) ein kleines Mädchen ist und ihr Vater Mo (Brendan Fraser), einem Engel gleich, eine Geschichte vorliest. Draußen fliegt ein rotes Cape auf die Wäscheleine, und das soll nicht das Letzte gewesen sein, das Mortimer Folchart aus einem Buch zum wahren Leben erweckt.
Neun Jahre später ist aus Meggie und Mo ein gleichberechtigtes Team geworden, das im grünen VW-Bus die Aufgaben von Fahrer und Navigationssystem aufteilt. Mo verschweigt seinem Mädchen, dass seine Mutter in das Buch gesogen wurde (auf die Szene wird verzichtet, also keine ekligen Spezialeffekte mit verzerrten Gesichtern), als der Bösewicht herauskam.
Doch er wird gezwungen, der Kleinen die Wahrheit zu sagen, denn es taucht ein Mann mit einem Wiesel auf. "Staubfinger" hat Narben im Gesicht und redet seltsame Sachen. Auch er ist aus dem Buch, seinem Zuhause, gepurzelt und hofft darauf, dass Mo ihn zurückbringen kann.
Der weigert sich zunächst, weswegen jener "Staubfinger" gemeinsame Sache mit dem Schurken Capricorn (Andy Serkis) macht. Dessen Plan ist einfach: Ihm gefällt es in der realen Welt, und er möchte den begabten Vorleser zwingen, noch mehr hübsche Dinge aus den Büchern regnen zu lassen.
Die erste Kostprobe, ein großer Schatz, hat ihn davon überzeugt, dass da noch mehr drin ist. Sein nächster Wunsch ist "der Schatten" (der sieht mit seinen von innen leuchtenden Augen in der Tat gruselig aus). Würde das mächtige Wesen an seiner Seite sein, verleiht es ihm, Capricorn, quasi die Weltmacht. Dies gilt es zu verhindern.
Seit langer Zeit erlebt der Zuschauer, wie es aussieht, wenn Spezialeffekte im Dienst einer Geschichte passieren und nicht um ihrer selbst willen. Daneben hat Regisseur Iain Softley ein spannendes Ensemble zur Verfügung. Der am Theater ausgebildeten Paul Bettany, der als "Staubfinger" mit seinem indifferenten Verhalten für die einzigen unlogischen Entwicklungen und unsinnige Verzögerungen verantwortlich ist, macht seine Schwäche mit viel Menschlichkeit wieder wett.
Auch Helen Mirren, die in chicer Samtkombi die sarkastische Tante mimt, und Oscar-Preisträger Jim Broadbent bereichern Cornela Funkes "Tintenherz", der in Ligurien, am Originalschauplatz, spielt.
Die Kulissen sind in der Tat attraktiv und "echt". Passend zum gesamten Werk, das immer Wert darauf legt, nicht zu überziehen. Ein Familienfilm im besten Sinne, mit Charakteren, ohne dümmlichen Slapstick, der vielerorts mit Humor verwechselt wird. Wann immer Softley die Geschichte, die von David Lindsay-Abaire adaptiert wurde, auf die leichte Schulter nimmt, tut er dies, um den Nebenfiguren Tiefe zu geben.
Die Verfilmung des ersten Romans ihrer sehr erfolgreichen Trilogie müsste die deutsche Autorin und Mit-Produzentin eigentlich verärgert haben. Schließlich ist die Figur des Buchautoren, im Film verkörpert vom ebenso eitlen wie weitsichtigen Jim Broadbent, keine sonderlich Sympathische. Die Eitelkeit von Frau Funke hält sich offenbar in Grenzen: "Schnörkellos und wunderbar" fand sie den Film und formuliert damit einmal mehr präzise das Zutreffende.
Claudia Nitsche
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Credits: V:Warner, D / GB / USA 2007, R: Iain Softley, D: Paul Bettany, Brendan Fraser, Helen Mirren u.a.
Laufzeit: 106 Min. Kinostart: 11. Dezember 2008
Iain Softley hat den Bestseller von Cornelia Funke in Szene gesetzt. (2007 Warner Bros. Ent.)
Fenoglio (Jim Broadbent, links) macht mit seiner Selbstgefälligkeit Staubfinger (Paul Bettany) wütend. (2007 Warner Bros. Ent.)
In der Tintenwelt ist Staubfinger (Paul Bettany) der beste Feuerjongleur. (2007 Warner Bros. Ent.) |
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