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"Ben X" ist ein trauriges Porträt der Teenagerwelt

Ben X

(vm/tsch) Morgens spielt Ben, ein leicht autistischer Junge, ein Computer-Rollenspiel, wo er als tapferer Ritter einen Sieg nach dem anderen feiert. Dann geht’s in die Schule. Dort ist Ben leider kein Held mehr. Er wird von seinen Mitschülern geächtet und gemobbt. Das Regiedebüt des belgischen Filmemachers Nic Baltahazar „Ben X“ ist gnadenlos realistisch und radikal. Der Film beruht auf Baltahazars eigenem Jugendroman „Nichts war alles, was er sagte“, der von der Brutalität der Teenager-Welt handelt. Dieser Stoff trifft ziemlich genau auf den Zeitgeist und weiß auch filmisch zu überzeugen.

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So gnadenlos kann die moderne Welt sein: Im harten und realistischen Drama "Ben X" (2007) - einem famosen Film, den es auf DVD zu entdecken lohnt - sucht ein autistischer Jugendlicher in virtuellen Gewaltfantasien Ausgleich für die Kälte seiner Umwelt. Von 5.45 Uhr bis 6.33 Uhr sitzt Ben am Computer - jeden Morgen. Er spielt "Archlord", ein Rollenspiel, in dem er ein Held ist. Danach fühlt er sich stark und gewappnet. Denn das wahre Leben hält für den Außenseiter nicht allzu viele Nettigkeiten bereit.

An einer leichten Form von Autismus leidend ist Ben Zielscheibe von Spott, Häme und Mobbing seiner Mitschüler. Er erträgt es, weil er nicht anders kann. Alles, was ihm bleibt, ist die Flucht in die virtuelle Welt. Regiedebütant Nic Baltahazar verfilmte mit dem gnadenlos realistischen "Ben X" sein eigenes auf wahren Begebenheiten beruhendes Jugendbuch "Nichts war alles, was er sagte".

Realitätsflucht, Gängeleien und am Computer ausgelebte Gewaltfantasien - da kommen natürlich sofort Gedanken an Schulhofmassaker in den Kopf. Aber Nic Balthazar geht weiter, beschränkt sich nicht auf die immer wieder vereinfachte Darstellung eines modernen Phänomens. Klar, auch Ben (großartig von Greg Timmermans gespielt) fasst eines Tages einen folgenschweren Plan. Die Hintergründe für diesen Entschluss lassen sich jedoch nicht ganz so einfach kategorisieren.

Radikal, wie man es aus Belgiens Kino gewohnt ist, ist "Ben X" eine Mischung aus Realfilm, aus Spielszenen und aus dokumentarisch wirkenden Interviews. Das gibt dem Film einen harten Bezug zur Wirklichkeit, der Ben zu entfliehen versucht. Dabei ist es rührend, wie sich seine hilflose Mutter um ihn kümmert und versucht mit der Krankheit umzugehen. Oder seine Lehrer, die ihn immer wieder vor den gehässigen Mitschülern in Schutz nehmen, ihn ermutigen. Sie alle können ihn nicht erreichen. Das schafft nur Bens Online-Partnerin Scarlite (Laura Verlinden), die er in einer berührenden Szene im wahren Leben trifft.

"Ben X" ist ein durchdachter, straff und ideenreich inszenierter Film über Autismus, Mobbing sowie Cyber-Mobbing und fehlende Empathie in der Gesellschaft. An einigen Stellen wirkt er zwar überfrachtet, aber vielleicht ist es genau das, was Nic Baltahzar erreichen wollte. Denn angesichts der Allgegenwart von Medien gibt es heutzutage keine Rückzugsräume mehr. Wie brutal das sein kann, wie zerstörerisch, zeigt ein Video, dass Bens Mitschüler von ihm ins Netz stellen. Sie hatten ihn in der Schule gezwungen, die Hose runterzulassen.

Die Studie wird auf DVD in ein detailscharfes und kontrastreiches 1,78:1-Bild gekleidet. Die dynamische 5.1-Tonspur schöpft ihre Surround-Möglichkeiten voll aus. Auch der Bonusteil überzeugt. Lohnenswert ist vor allem ein informatives Featurette über die wahre Geschichte hinter der Filmhandlung.

Andreas Fischer

bewertungsbox

bildformat 1,78:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), Flämisch (5.1)
untertitel Deutsch
extras Making Of; Interviews; Alternative Szenen; Featurette: "Die Weltpremiere beim Filmfest Montréal"; Fotogalerie, Textinfos
laufzeit 89 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 17 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton gut
bewertung extras gut

Credits:
(B/N 2007, R: Nic Balthazar, D: Greg Timmermans, Laura Verlinden, Marijke Pinoy u.a.)


Die Avatare sind im Film angekommen: "Ben X" ist ein Mix aus Realfilm und Online-Rollenspiel.
Die Avatare sind im Film angekommen: "Ben X" ist ein Mix aus Realfilm und Online-Rollenspiel. (Kinowelt)

Ben (Greg Timmermans) will sich gegen den harten Alltag zur Wehr setzen.
Ben (Greg Timmermans) will sich gegen den harten Alltag zur Wehr setzen. (Kinowelt)

Scarlites (Laura Verlinden) Anwesenheit beruhigt Ben (Greg Timmermans).
Scarlites (Laura Verlinden) Anwesenheit beruhigt Ben (Greg Timmermans). (Kinowelt)

Datum: 06.12.2008

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