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Elizabethtown

Elizabethtown

(tsch) In Tagen, in denen Regisseure oft nicht einmal Halbwertszeiten von Bio-Joghurts erreichen, sind solche, die mehr als zwei Filme inszenieren (dürfen), ehe sie sich ins Nirwana der Filmgeschichte verabschieden (müssen), schon Ausnahmeerscheinungen. Gelingt es diesen Filmemachern dann auch noch, ihre Arbeiten mit einer unverwechselbaren Handschrift zu versehen, werden sie postwendend in Hollywoods Oberliga hochgejubelt. Steven Soderbergh gehört beispielsweise diesem elitären Club an, Richard Linklater und natürlich auch Cameron Crowe. Letztgenannter, "ewiger" Wunderknabe der Branche debütierte 1981 als Drehbuchautor der Teen-Komödie "Ich glaub' ich steh' im Wald", deren Romanvorlage er schon geschrieben hatte. Als Teenager war er bereits als Journalist zu frühem Ruhm gekommen, als Verfasser - inzwischen - legendärer Porträts von Musikgrößen wie Bob Dylan, Eric Clapton oder David Bowie, die unter anderem im "Playboy", dem Underground-Magazin "Cream" und dem damaligen Trendsetter "Rolling Stone" erschienen.

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Sein vierter Film "Almost Famous" erzählt aus dieser bewegten Zeit, als Crowe als 15-Jähriger mit den Rockern von "Led Zeppelin" auf Tournee ging, sich erstmals verliebte und davon, welche Kämpfe er diesbezüglich mit seiner Lehrer-Mama auszustehen hatte. Einen Oscar gab's da im Jahr 2000 für das beste Originaldrehbuch und in der Folge eine Art carte blanche. Will heißen, dass Crowe in Sachen Stoff und Personal inzwischen freie Hand besitzt - was sicher auch mit dem überraschenden Erfolg von "Jerry Maguire - Spiel des Lebens" zu tun hat. Tom Cruise war da sein Zugpferd, wie zuletzt in seinem Remake von "Vanilla Sky".

Für die Starpower bei seinem aktuellen Werk "Elizabethtown" sorgen nun zwei der zurzeit begehrtesten "Gesichter" der Branche: Orlando Bloom und Kirsten Dunst, die sich seit "Der Herr der Ringe"-Trilogie respektive den beiden "Spider-Man"-Abenteuer vor Rollenangeboten und Verehrern kaum retten können.

Die Handlung, die überaus langsam, um nicht zu sagen zäh in Gang kommt, beginnt mit einem Paukenschlag.

Super-Yuppie Drew Baylor verliert seinen Job und dadurch auch die durchgestylte Vorzeige-Freundin. Grund: Der hippe Schuhdesigner hat seiner Firma - einem eindeutig nach Nike modellierten Unternehmen - die Pleite des Jahrhunderts beschert. Was sein smarter Boss - Dauerbösewicht Alec Baldwin gibt lustvoll Nike-Chef Phil Knight - nur mit sofortiger Kündigung quittieren kann. Seines Lebensinhalts beraubt, will sich Drew schon umbringen, als die Nachricht vom Tod seines Papas eine Wende herbeiführt.

Auf dem Weg ins titelgebende rurale Heimatstädtchen wird er "Opfer" der Stewardess Claire - Kirsten Dunst wandelt als liebenswerte Nervensäge auf den Spuren Nathalie Portmans aus "Garden State" - und so gestaltet sich der ungeliebte Flug in die Vergangenheit zu einem hindernisreichen "Orientierungslauf" in eine glückliche Zukunft ...

Nach der eigenen Jugend und dem Verhältnis zur Mutter nun der plötzliche Tod des Vaters - Cameron Crowe arbeitet schon wieder Teile seines Lebens, einige ganz persönliche Erfahrungen, auf der Leinwand auf. Kino als Psychoanalyse - mit dem Zuschauer als Analytiker. Ein durchaus legitimes Unterfangen - würde er daneben auch eine konsequente, durchkonstruierte und schlüssige Geschichte erzählen. Doch das ist hier nicht der Fall. Emotionaler Tiefgang kommt selten auf, die offensichtliche Liebe zu den Figuren bleibt Behauptung. Der Brite Bloom agiert ohne seine Elfenohren etwas hilflos, überzeugt nicht als "Traumboy", dem "frau", die leicht somnambule Dunst, auf den ersten Blick verfällt. Zu wenige gemeinsame Momente gibt es, in denen der Funke zwischen beiden überspringen kann, zu viele Nebenfiguren, zu viele Subplots hindern den Fluss der Story.

Der Autor und Regisseur mag sich nicht entscheiden, zwischen Road Movie und Komödie, Familiensaga oder klassischem Americana. Es scheint, als hätte bei Drehbeginn nur der Soundtrack existiert, eine recht ungewöhnliche Kompilation von Crowes Lieblingsliedern, ein Mix, der ihn als Musikkenner outet. Der Rest bleibt Stückwerk. Schöne Momente. Etwa, wenn Bloom verlassen im Flugzeug sitzt, von Dunst in die erste Klasse gebeten und in ein Gespräch gezwungen wird. Oder wenn die stets wunderbare Susan Sarandon als Witwe auf der Trauerfeier mit einer grandiosen Tanznummer wieder zum Leben findet.

Da blitzt dann Crowes ganzes Talent auf. Seine Cleverness, seine Menschenliebe, sein Gespür für Timing, leise Töne und subtilen Humor. Vielleicht ist er einfach nicht der richtige Mann fürs marktschreierische Hollywood. Vielleicht sollte er ein "Independent" bleiben, sich nicht von der Industrie vereinnahmen lassen. Bleiben wie damals, etwa bei seinem Grunge-Porträt "Singles - gemeinsam einsam", in dem er treffend das Gefühl einer ganzen Generation zum Ausdruck brachte. Frisch, frech und nicht dem Mainstream verpflichtet.

Gebhard Hölzl

Credits:
V:UIP, USA 2005, R: Cameron Crowe, D: Kirsten Dunst, Orlando Bloom, Alec Baldwin u.a.

Kinostart:
03.11.2005


Schuhdesigner Drew Baylor (Orlando Bloom) reist in seine Heimatstadt Elizabethtown, um die Leiche seines Vaters zu überführen.
Schuhdesigner Drew Baylor (Orlando Bloom) reist in seine Heimatstadt Elizabethtown, um die Leiche seines Vaters zu überführen. (UIP)

Die aufgeschlossene Flugbegleiterin Claire Colburn (Kirsten Dunst) ist nicht auf den Mund gefallen.
Die aufgeschlossene Flugbegleiterin Claire Colburn (Kirsten Dunst) ist nicht auf den Mund gefallen. (UIP)

Claire (Kirsten Dunst) und Drew (Orlando Bloom) finden zueinander.
Claire (Kirsten Dunst) und Drew (Orlando Bloom) finden zueinander. (UIP)

Datum: 13.11.2005

Diskussion: "Elizabethtown"

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Artikel ID 160947

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