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Die Fantastischen Vier - Madagascar 2

Rappende Frackträger

Musiker Die Fantastischen Vier

(tsch) Der Trickfilm erweist sich traditionell als dankenswertes Spielfeld für Schauspiellaien: Hier darf man sich austoben. Die Grenzen des eigenen Stimmorgans werden ausgelotet. Der große Nachteil ist die Anonymität des Synchronsprechers: Das Tonstudio ist nicht der Rote Teppich, es ist dunkel und einsam. Dennoch hat es vier umtriebige Gute-Laune-Rapper ein zweites Mal genau dorthin gezogen, um einer schrulligen Bande von Pinguinen ihre Stimmen zu leihen. In "Madagascar 2" überzeugen die Fantastischen Vier erneut mit viel Sprachwitz. Sie erkennen selbst zahlreiche Parallelen zwischen sich und den tierischen Trickfiguren, wie sie im Interview zugeben. Auf eine Ähnlichkeit aber müssen sie erst gar nicht hinweisen: Wie sein grimmiger Filmcharakter ist Bandkollege And.Y bekannt dafür, nur wenige Worte zu verlieren. Im Gespräch lässt er es gleich ganz.

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teleschau: Wie anstrengend ist es, auf Kommando komisch zu sein?

Michi Beck: Das war auszuhalten: Ich selbst hatte ja das Glück, mit Skipper die Hauptrolle der Pinguine zugeteilt zu bekommen und musste zwei Tage arbeiten. Das war dann in etwa so lang wie all die Interviews, die wir dieser Tage absolvieren.

Thomas D: Die Pinguine mit ihrem militärischen Drill sind einfach ein riesiger Quell des Spaßes. Da muss man sich gar nicht groß anstrengen: Der Witz kommt von ganz alleine. Der Job ist uns deshalb natürlich nicht an die Substanz gegangen, zumal wir anderen drei jeweils nur knapp einen Tag arbeiten mussten.

teleschau: Nach dem Erfolg des ersten "Madagascar"-Abenteuers war auch ein exklusiver Film ausschließlich über die Pinguine im Gespräch. Halten Sie die Realisierung noch für möglich?

Thomas D: Das Gerücht hat sich immer noch längst nicht abgenutzt. Wir haben das aber damals so verstanden, dass das mit dem Pinguin-Kurzfilm, der zu Weihnachten als Bonus auf die "Madagascar"-DVD gepackt wurde, abgehandelt worden ist. Mittlerweile lebt das Gerücht aber schon wieder auf, aber ich halte das für Wunschdenken - auch von unserer Seite. Denn bestätigen wollte es uns bislang niemand, dass wir noch mal einen Großeinsatz als Frackträger bekommen. Bevor die Pinguine ihre eigene Sitcom kriegen, müssen wir wohl noch etwas warten.

teleschau: Inwiefern haben Sie sich mit der tierischen Truppe identifizieren können?

Thomas D: Eigentlich haben sie überhaupt keinen Plan, doch irgendeiner macht immer Ansagen, denen die anderen drei zu folgen haben. So werden die abstrusesten Forderungen von Skippers getreuen Gehilfen und unterwürfigen Mitarbeitern, die wir sind, erfüllt. So ist es auch ein bisschen im wahren Leben bei uns. Der Michi hat keinen Plan, meint aber, die neue Platte müsse so oder so sein - und wir spuren.

Smudo: Trotzdem erreichen sie ja ihr Ziel, und das ist ja das Herrliche an der Chaostruppe. Wenn sie nicht diese wahnsinnigen Ideen hätten, die kaum zu bewerkstelligen sind, dann würden sie gar nicht von der Stelle kommen. Doch sie packen's einfach an, und das macht sie sympathisch. Vielleicht ist das auch eine Parallele zu uns als Band, die wir versuchen, uns immer wieder neu zu erfinden und einen Schritt weiter zu gehen, unentdecktes Land zu erschließen, wenn auch nicht irgendwelche Inselreiche wie Madagaskar.

Michi Beck: Der Film hat aber nun wirklich überhaupt nichts mit unserem musikalischen Schaffen zu tun. Es hilft natürlich ungemein, dass wir zu viert sind und dass einer bei uns grundsätzlich kaum redet. Aus dieser Sicht sind uns die Rollen ja offensichtlich perfekt auf den Leib geschrieben worden, ohne dass es die Amis gewusst haben, wobei ich nicht ausschließen will, dass man uns in Hollywood die vergangenen 20 Jahre strategisch beobachtet und CIA-mäßig ausspioniert hat. Aber was das weitere Schaffen der Band angeht, werden wir uns auf gar keinen Fall am musikalischen Spektrum dieses Films orientieren.

teleschau: Ist solch ein Familienfilm mit hauptsächlich jungem Publikum eine gute Möglichkeit für Sie, mehr Kinder und Jugendliche für Ihre Musik zu erschließen?

Smudo: In einer multimedialen Welt, wo künstlerische Tätigkeiten sich mit allen sonstigen Dingen, die in der Öffentlichkeit stattfinden, überschneiden, spielt sich das sicherlich alles gegenseitig zu. Wenn Thomas D hin und wieder Soloprojekte macht und damit in den Medien präsent ist, nützt das auch uns als Band. So verhält es sich auch beim Film: Wenn fast acht Millionen Leute den ersten "Madagascar"-Film gesehen haben, dann überlegen sich manche junge Zuschauer bestimmt, sie könnten ja mal reinhören in die Platten der Fantastischen Vier. So etwas erschließt sicherlich neue Publikumsschichten, und sei es, dass Papa sagt: Das ist die Band, die ich immer höre.

Thomas D: Ich sehe das etwas anders: Kinder schauen sich doch keinen Trickfilm an und interessieren sich dafür, wer den Tieren die Stimme leiht, geschweige denn, dass sie danach in den Plattenladen rennen und sich unsere CDs kaufen. Ich kenne es von mir und meinen Freundeskreis, dass sich keiner den Film anschaut und über den Synchronsprecher nachsinnt. Du findest die Pinguine geil, den Löwen oder das Nilpferd, aber mehr auch nicht.

teleschau: Haben Sie sich als Kinder nicht auch gefragt, welche Stimme sich hinter Balu, dem Bär aus dem "Dschungelbuch" oder anderen Trickfilmfiguren versteckt?

Smudo: Ich schon: Ich wusste schon früh, dass zum Beispiel Bill Ramsey beim "Dschungelbuch" mitgewirkt hat. Heute ist das, denke ich, nicht anders: Selbst das kleinste Kind kriegt mit, dass wir die Pinguine sprechen. Schließlich steht das ja auch in der Zeitung. Ich habe mal den Grautvornix in "Asterix und die Wickinger" gesprochen, meine bisher einzige Hauptrolle. Als der Film in die Kinos kam, bin ich von einem zwölfjährigen Mädchen in einem Flughafenkiosk angesprochen worden, die vor den Asterix-Bänden stand, sich dann den passenden Comic zum Film herausgesucht hat und mich um ein Autogramm bat. Sie wollte es nur haben, weil sie wusste, dass ich die Stimme von Grautvornix war.

Michi Beck: Man sieht, wie unentschlossen die Band ist, was beweist, dass wir mit dem Film nicht mehr Platten verkaufen wollen, sondern uns einfach dafür entschieden haben, weil die Rollen so gut zu uns passen.

teleschau: Sie scheinen sich mit Comicfiguren auszukennen: Waren oder sind Sie noch eifrige Comicleser?

Thomas D: Comics sind eine große Kunst, die in Deutschland immer noch viel zu unterbewertet werden. In Frankreich und in Amerika hat sie ja einen viel anderen, viel höheren Stellenwert in der Kultur. Aber in Deutschland denken ja die meisten, das sei Kinderkram mit bunten Bildern. Dabei gibt es im Comic-Kosmos Stories, wo einem rein gar nichts mehr einfällt: Ich habe als Kind die Serie "The Preacher" gelesen und hatte jedes Mal, wenn ein neuer Band herauskam, panische Angst davor, was mich denn schon wieder erwarten würde. Das war eine solch krasse Geschichte, dass man als Kind schon selbst Bedenken hatte, ob man das überhaupt schon vertragen kann. "Dragonball" fand ich zum Beispiel auch faszinierend, obwohl die meisten mit dem Begriff ja dieses grottenschlechte TV-Anime mit drei Bildern pro Sekunde verbinden. Aber das Comic an sich ist ein wirklich tolles Comic: Lustig, auch für Erwachsene, und mit einem kleinen Jungen als Helden, der mit reinem Herzen die Welt rettet. Der hieß Son-Goku, so habe ich dann auch meine erste kleine Rockband genannt.

Michi Beck: Ich habe seit gut 25 Jahren keinen Comic mehr in der Hand gehabt. Vielleicht ist das ein Fehler gewesen, denn ich suche zurzeit verzweifelt nach meiner Sammlung aller Asterix-Bände, die irgendwie nach meinem zweiten Umzug verschwunden sind. Als Kind war ich außerdem begeisterter Leser von "Donald Ducks Lustigen Taschenbüchern", aber nur bis Band 80.

Smudo: Bei mir war alles dabei: Asterix, Tim und Struppi, Lucky Luke, Fix und Foxy, Zack Parade, die ganzen Micky Mäuse.

teleschau: Viele Schauspieler in Deutschland verdingen sich in den dunklen Synchronstudios der Republik als Stimmen großer Hollywoodidole. Ist das Ihrer Ansicht nach ein Traumjob?

Smudo: Ich habe schon als Kind das Synchronisieren geliebt. Ich weiß noch, wie ich immer vor dem Fernseher saß, die "Sesamstraße" guckte und ständig versuchte, die Stimmen der Puppen nachzumachen - Graf Zahl und so weiter. Wir haben dann aber auch immer irgendwelche Super-8-Filme hervorgekramt und dann parallel mit dem Tonbandgerät irgendwelche Geräuschkulissen dazu gemacht.

Michi Beck: Später habe ich auch auf Video irgendwelche Experimente mit Nachvertonungen angestellt. Das war ganz schön verrückt, was damals schon alles möglich war.

teleschau: Würden Sie noch einmal die Pinguine geben, wenn es eine weitere Fortsetzung geben sollte?

Thomas D: Hey, wo die Pinguine hingehen, werden auch wir hingehen. Das ist ein Fluch. Wir haben uns auch breitschlagen lassen, nicht nur für den zweiten Film zu unterschreiben, sondern auch gleich die Option für einen möglichen dritten Film. Ist ja ohnehin egal: Unsere Seelen haben wir ja spätestens mit diesem Film vollends an Hollywood verkauft.

Smudo: So wie Wolfgang Völz auf ewig den Käpt'n Blaubär sprechen muss, werden die Pinguine auch uns verfolgen.

Thomas D: Eigentlich wollten wir ja sogar hier heute im Frack auftreten. So weit ist es also schon: Wir sind bereit, uns voll und ganz in Pinguine zu verwandeln.

Michi Beck: Das sah dann aber doch zu doof aus, daher doch lieber Jeans und Hemd.

teleschau: Werden Sie Ihrer Musik im kommenden Jahr treu bleiben?

Thomas D: Wer weiß: Vielleicht diskutieren wir ja noch einmal über eine "Pinguin"-Platte. (lacht)

Smudo: Die Fantas werden nächstes Jahr 20, da wird es also viel zu feiern geben. Wir werkeln gerade an einer neuen Platte, aber das ist alles noch so früh in der Planung, als dass wir konkret werden könnten.

Thomas D: Neben einem neuen Album wird es aber auch noch ein ganz besonderes Geschenk an die Fans geben. Darüber sprechen wir aber erst in den nächsten Tagen, um uns darüber klar zu werden, wie wir das alles genau aufziehen.

Michi Beck: Einen konkreten Termin können wir aber doch nennen, und zwar den 25. Juli 2009. An diesem Abend werden wir unser 20-jähriges Jubiläum auf den Canntstatter Wasen, dem Stuttgarter Pendant zu den Münchner Wiesn, feiern - und zwar ohne Aufbauten. Das wird ein fulminantes Konzert mit vielen Überraschungen. Bis dahin basteln wir noch an neuen Songs. Drückt uns die Daumen, dass die Platte rechtzeitig fertig wird. Vielleicht treten wir dann ja sogar im Frack auf.

Leif Kramp


Die Fantastischen Vier übernahmen auch im zweiten Teil des Animationserfolg "Madagascar" die Stimmen der Pinguine. Von links: And.Y, Michi Beck, Thomas D und Smudo.
Die Fantastischen Vier übernahmen auch im zweiten Teil des Animationserfolg "Madagascar" die Stimmen der Pinguine. Von links: And.Y, Michi Beck, Thomas D und Smudo. (Universal / Birwe)

Auch im zweiten Teil von "Madagascar" spricht Smudo den Pinguin Private.
Auch im zweiten Teil von "Madagascar" spricht Smudo den Pinguin Private. (Universal / Birwe)

Thomas D leiht Pinguin Kowalski seine Stimme.
Thomas D leiht Pinguin Kowalski seine Stimme. (Universal / Birwe)

Datum: 01.12.2008

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Diskussion: "Die Fantastischen Vier - Madagascar 2"

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