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Hannah Herzsprung - Liesl Karlstadt und Karl Valentin
Das Prinzip FreudeSchauspielerin Hannah Herzsprung (tsch) Sie spielt und spielt und spielt. Weil es ihr Spaß macht. Bei anderen würde das dann doch viel zu profan klingen oder gar aufgesetzt. Wenn man sich jedoch mit Hannah Herzsprung (27) ernsthaft über ihre Arbeit unterhält und erlebt, wie leicht und zugleich jederzeit leidenschaftlich sie über ihre Lust an der Schauspielerei parliert, dann kann man gar nicht anders, als ihr die pure Spielfreude abzukaufen. Hannah Herzsprung, die in sehr arbeitsintensiven Tagen beim Drehen auf Kloster Eberbach in Eltville (unter Regisseurin Margarethe von Trotta entsteht der Kinofilm "Vision - aus dem Leben der Hildegard von Bingen"), Zeit für ein gut gelauntes, telefonisches Interview findet, kommen die Worte "Freude", "Glück", "Dankbarkeit" immer wieder über die Lippen. Eine Zufriedenheit, die sicher vor allem um ihren famosen Auftritt als jüngere Liesl Karlstadt im starken Biopic "Liesl Karlstadt und Karl Valentin" (Mi., 10.12., 20.15 Uhr, ARD) kulminiert. Anzeige teleschau: Von Karl Valentin stammt der Satz: "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit". Wie viel Arbeit steckten Sie in die große Rolle der Liesl Karlstadt? Hannah Herzsprung: Sehr viel! Aber das nahm ich beim Drehen gar nicht wahr. Ich war zwar morgens immer die Erste am Set und ging meistens auch erst am Schluss, weil die Rolle eine sehr aufwendige Maske erforderte. Aber ich hatte richtig Lust darauf. Es war eine Freude. teleschau: Neigt man im Nachhinein nicht etwas zur Verklärung? Hannah Herzsprung: (lacht) Ich weiß, dass es unspektakulär klingt, aber es ist so! Ich liebe diesen Beruf, bin total dankbar, dass ich ihn ausüben darf. Ich kann meine Leidenschaft zum Beruf machen! teleschau: Was packten Sie alles in diese Rolle hinein? Hannah Herzsprung: Ich bin Liesl Karlstadt näher als anderen Figuren, die ich spielte. Aber das machte es auch schwieriger. Einerseits steht da die Hannah, die mit Leidenschaft ihr ganzes Wesen einbringen will - andererseits ist Liesl eine Persönlichkeit, die es wirklich gegeben hat. Das war die große Herausforderung für mich. Ich hatte großen Respekt, weil ich wusste, Liesl Karlstadt einfach zu kopieren, wäre falsch und gar nicht möglich gewesen. Die Frau war einzigartig. teleschau: Es ging nie um eine Kopie des Originals? Hannah Herzsprung: Nein. Daran wären wir gescheitert. Als ich zum ersten Mal zur Vorbereitung die Bühnenstücke sah, habe ich mich köstlich amüsiert, aber ich dachte auch gleich mit einem riesen Kloß im Hals: "Mein Gott, wie soll ich das schaffen?" Dazu muss man wissen, dass die beiden ihre Stücke bis zu 200-mal improvisierten, dann erst setzten sie sich hin, um sie niederzuschreiben. Die haben sich die Rollen sozusagen vom Leib abgeschrieben. Das Improvisierte zu lernen, ist eine große Kunst und viel Arbeit. teleschau: Sie spielten mit dem Valentin-Darsteller Johannes Herrschmann einige der Bühnesketche nach ... Hannah Herzsprung: Das war eine große Herausforderung, weil man dabei den direkten Vergleich der Original-Bühnenstücke vor Augen hat. Wir haben extrem viel geprobt. Johannes Herrschmann und Regisseur Jo Baier nahmen mir allmählich die Angst. Ich bin ja grundsätzlich furchtbar aufgeregt beim Drehen, müssen Sie wissen. teleschau: Finden Sie Ihre Bühnenszenen lustig? Hannah Herzsprung: Ja, aber eben längst nicht so lustig wie das Original. Mein Lieblingsstück ist "Der Lehrbub". Ich glaube schon, dass man in diesen Momenten merkt, dass wir als Schauspieler diese großartigen Persönlichkeiten nicht nur imitieren, sondern etwas eigenes kreiert haben. Alles andere wäre auch anmaßend gewesen. teleschau: Was bedeutet Ihnen die Rolle der jungen Liesl Karlstadt? Hannah Herzsprung: Sie meinen, ob ich mir der Dimension bewusst bin? Beim Drehen gar nicht, da konzentrierte ich mich nur auf die Arbeit. Aber als der Film dann beim Filmfest in München Premiere hatte, merkte ich schon, was für eine besondere Figur ich da spielte. teleschau: Ist Ihnen denn wichtig, was die Kritiker schreiben? Hannah Herzsprung: Kritikerlob ist toll. Aber viel wichtiger ist, dass es jetzt einen Film gibt, der diese Geschichte von Liesl Karlstadt und Karl Valentin einmal erzählt. Ich selbst wusste zum Beispiel sehr wenig über Liesl Karlstadt. Sicherlich hat es auch eine gewisse Tragweite, wenn man so etwas spielt. Und es ist bestimmt ein Riesenkompliment für mich, dass Jo Baier mir zutraute, diese Rolle zu spielen. teleschau: Hat es Sie als Schauspielerin weitergebracht? Hannah Herzsprung: Endlich konnte ich etwas Lustiges von mir zeigen. Hier ging es außerdem viel um Sprache, um Körperlichkeit, ums Älterwerden. Ich spielte die Liesl als 40-Jährige - mit meinen damals 26 Jahren. Da hatte ich schon Zweifel, ob man mir diese Reife und Lebenserfahrung, die Wandlung, die Reise dieser Frau abnimmt. Aber zum Glück ist Liesl sehr jugendlich geblieben, hat sich ihre Offenherzigkeit und Gutmütigkeit, ihren Charme bewahrt. teleschau: Mal ganz allgemein gefragt: Was lieben Sie an Ihrem Beruf? Hannah Herzsprung: Dass es nie langweilig wird. Sich intensiv mit immer neuen Figuren und Geschichten auseinanderzusetzen, ist großartig. Immer weiter zu lernen, neue Erfahrungen zu sammeln - das ist mein Motor. Das Lernen hört ja nie auf. teleschau: Sie sind jetzt gerade 27 Jahre alt und haben große Rollen und Preise angehäuft, wie andere in der ganzen Karriere nicht. Sind Sie schon an dem Punkt angekommen, von dem Sie als junges Mädchen geträumt haben? Hannah Herzsprung: Ich bin dankbar und glücklich, dass alles so kam. teleschau: Gibt es keinen Preis für all das? Hannah Herzsprung: Doch. Leider. Und es ist nicht das viele Reisen, ich bin sehr gerne unterwegs. teleschau: Also ist es die Öffentlichkeit? Hannah Herzsprung: Ja, das macht einem das Leben schon etwas schwer. Ich drehe ja keine Filme, damit etwas "Privates" über mich in der Zeitung steht. Für mich kam dieser Teil meiner Arbeit sehr plötzlich hinzu. Einerseits weiß ich, dass es dazu gehört, etwas zu erzählen, einen Teil seiner Persönlichkeit preiszugeben, andererseits ist mir nicht klar, was an meinem Privatleben interessant sein soll... teleschau: Haben Sie noch genügend Raum für sich selbst? Hannah Herzsprung: Wenig. Aber ich möchte im Januar unbedingt mal raus. Ich weiß noch nicht wohin, aber vier Wochen einfach weg - das habe ich noch nie getan. Darauf freue ich mich! teleschau: Sind Sie auch froh, wenn Sie dann mal nicht ständig erkannt und angesprochen werden? Hannah Herzsprung: Das passiert mir kaum und wenn mich mal jemand anspricht, dann freut mich das - aber das geschah bisher exakt fünfmal (lacht)! teleschau: Sie leben seit ein paar Jahren in Berlin, fühlen Sie sich noch als Münchnerin? Hannah Herzsprung: Ja, weil ich dort meine Kindheit verbracht habe und meine Familie da noch lebt. Ich bin also sehr oft und gerne da. Doch in Berlin fühle ich mich auch sehr wohl. Die Stadt inspiriert mich. Man kann viel in Berlin erleben, sich aber auch ohne Weiteres zurückziehen. teleschau: Wäre das Ausland interessant? Hannah Herzsprung: Klar träumt man ein bisschen davon. So auf Zeit ... Ein halbes Jahr New York. Aber traut man sich das? Fangen wir mal lieber in Europa an. Rom wäre was. Dort wollte ich während des Studiums schon ein Erasmusjahr verbringen. Ich würde wahnsinnig gerne noch Sprachen lernen. Und da ich der Typ "Learning by doing" bin, wären ein paar Monate Frankreich oder Italien eine schöne Sache. Mal sehen ... teleschau: Ganz auf der faulen Haut können Sie nicht liegen, oder? Hannah Herzsprung: (lacht) Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Obwohl, ich gebe zu: Abends nach einem langen Drehtag, lege ich im Hotelzimmer auch ganz gerne die Füße hoch und sehe fern - einfach ein bisschen durch die Kanäle zappen und nichts tun. teleschau: Fällt es Ihnen schwer, eine Rolle abzustreifen? Hannah Herzsprung: Nein. Gerade das liebe ich an meinem Beruf, dass ich mich ab und zu ganz von meiner "Hannah" lösen kann (lacht). Es ist wie bei einem Extremsportler: Wenn ich drehe, kann ich alles hinter mir lassen und vergessen. Die Arbeit ist dann manchmal eine Erholung von mir selbst. Frank Rauscher |
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