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Meg Ryan - The Women

Je älter, desto entspannter

Schauspielerin Meg Ryan

(tsch) Meg Ryan hat sich kaum verändert: Ihre Wuschelfrisur suggeriert wie eh und je den Charme des ewigen Mädchens, und sie spielt immer noch gern nachdenklich mit ihrem Schmuck, diesmal einem Armreif. Für den Star aus Filmen wie "Schlaflos in Seattle", "Stadt der Engel" oder "E-Mail für Dich" scheint die Zeit stillzustehen. Ständig wird sie auf die Klassiker angesprochen, Fragen nach ihrem gespielten Orgasmus aus "Harry und Sally" werden gestellt. Gerade habe sie jemand angesprochen, ob sich das heute genauso anhören würde wie damals, erzählt die mittlerweile 48-Jährige. Sie lacht laut und nickt heftig: "Ja klar", habe sie geantwortet. Schließlich, und diesen Rat von George Cukor, dem Regisseur ihres ersten Films "Reich und berühmt", hat sie immer gern beherzigt, schauspielert die Ryan vor der Kamera nicht, sondern ist einfach nur sie selbst. Diesem Credo folgt sie auch in ihrem neuen Film "The Women" (Start: 11.12.), in dem sie eine Hausfrau spielt, die sich zwar für modern hält, aber die Chance zur Selbstverwirklichung erst ergreifen kann, als ihr Mann sie betrügt. Im Interview spricht Meg Ryan über den ewigen Streit zwischen Mann und Frau, den Jugendwahn Hollywoods und das Geheimnis ihres Namens.

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teleschau: Sie wurden mit dem deutschen Medienpreis Bambi als "Schauspielerin International" für Ihr Gesamtwerk geehrt. Sind Sie nicht noch zu jung für eine solche Auszeichnung?

Meg Ryan: Naja, so ist das eben mit Auszeichnungen fürs Lebenswerk. Morgen beginne ich ein neues (lacht).

teleschau: Was bedeuten Ihnen solche Preise?

Ryan: Ich habe mich sehr darüber gefreut, weil ich ansonsten eigentlich nie viele Preise bekommen habe. Jetzt fragen Sie mich aber bitte nicht, wo ich mir die Trophäe hinstellen werde. Ich weiß nicht einmal, wo die anderen stehen. Wahrscheinlich liegen sie sicher in irgendeinem Pappkarton.

teleschau: Wie schwer ist es für einen Star wie Sie, sich neu zu erfinden?

Ryan: Die Frage ist ja, ob ich das überhaupt möchte. Natürlich will ich nie ausschließen, dass ich mich verändere. Ich glaube sogar, dass mein Leben heute sehr viel anders ist als noch vor fünf Jahren. Aber ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich bin und was ich habe. Mein Erfolgsrezept ist, interessiert zu bleiben und neuen Dingen offen zu begegnen.

teleschau: Sie haben im letzten Jahr mehr gearbeitet als jemals zuvor. Was treibt Sie an?

Ryan: Ich musste mir selbst die Augen reiben: Jahrelang hielt ich mich zurück, und dann auf einmal waren es vier Filme in nur einem Jahr. Das war aber kein großer Plan. Ich hatte einfach Lust. Es war die richtige Zeit, mich gleich in vier Komödien zu stürzen. Ich weiß gar nicht, was ich nächstes Jahr machen soll! (lacht)

teleschau: Fühlen Sie sich nicht ausgelastet?

Ryan: Ganz im Gegenteil! Ich habe vor Kurzem ein kleines Mädchen adoptiert und habe ja noch meinen 16-jährigen Sohn. Da bleibt mir nicht viel Zeit zum Faulenzen. Und wenn ich doch mal etwas Zeit für mich habe, dann renoviere ich gerne Häuser. Noch habe ich zwar kein neues Haus, aber da ist ja noch meine andere Bleibe an der Ostküste.

teleschau: Ist Ihre Arbeit also eine Art Erholung für Sie?

Ryan: An einem Filmset zu arbeiten, hat etwas Pedantisches. Für mich ist die Schauspielerei manchmal fast so, als wäre ich eine Industriearbeiterin. Verstehen Sie mich richtig: Das ist wirklich harte Arbeit! Wir müssen immer auf die Sekunde genau bei der Sache sein - egal, welche Wetterbedingungen herrschen. Dann stehen wir in Mänteln herum, und immer wenn die Klappe fällt, heißt es: Raus aus den warmen Klamotten und frieren. Überall liegen und hängen Kabel, und wir leben in Wohnwagen! Das ist alles andere als glamourös.

teleschau: Sie sind also nicht gerade der Camping-Typ?

Ryan: Doch, da haben Sie mich missverständen. Ich lebe gerne im Wohnwagen. Außerdem kann ich reiten und Feuer machen - so viel zum Thema Camping.

teleschau: In "The Women" geht es um den Schönheitswahn von Frauen jenseits der 25. Wie stehen Sie dazu?

Ryan: Ich würde die Altersgrenze sogar noch weiter unten ansetzen: Wer als Frau älter als 17 Jahre ist, beschäftigt sich mit dem Thema. Das ist eine ganz natürliche Sache: Wir wollen schön sein, was ist falsch daran? Ich gebe ja zu, dass die Frage vom Film selbst aufgeworfen wird, aber ich könnte nicht gelangweilter sein, was sie angeht. Dass das Bedürfnis, gut auszusehen, dämonisiert wird, finde ich absurd. Fühlen Sie sich bitte nicht angegriffen, aber ich werde so oft danach gefragt, dass mir die Frage wirklich zum Halse raushängt.

teleschau: Das Werbefeuerwerk am Ende des Films fällt auf. Wie stehen Sie zum Product Placement?

Ryan: Um ehrlich zu sein: Der Film hätte nicht produziert werden können ohne das Geld von "Dove". Die Firma hat eine enorme Summe bezahlt, um den Film zu realisieren. Die Filmindustrie verändert sich rasant. Ich denke, dass wir in Zukunft kaum noch um solche Arrangements herumkommen. Der unabhängige Filmmarkt liegt am Boden, gerade auch wegen der Finanzkrise, die alles nur noch schlimmer macht. Ich hatte nur einige wenige Male schlechte Erfahrungen mit solchen Geschäften.

teleschau: Nämlich?

Ryan: Es wurde mal extra eine Szene geschrieben, nur um ein Haarspray zu zeigen. Das passte gar nicht in den Erzählfluss und hat mich total irritiert. Da ging es nur ums Geld ...

teleschau: Im Film werden Sie von Ehemann und bester Freundin betrogen. Was wiegt schwerer?

Ryan: So etwas würde ich gar nicht gegeneinander aufwiegen. Wenn jemand betrogen und belogen wird, fühlt sich derjenige verletzlich, ja sogar hilflos. Ich mag aber an dem Film, dass Mary sich nicht kleinkriegen lässt und trotzdem sich selbst treu bleibt. Sie fragt sich, wie sie in diese Situation hineingeraten ist und welche Verantwortung sie selbst trägt. Sie begreift sich nicht als Opfer, sondern nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand und nutzt den Tiefpunkt, um sich selbst zu verwirklichen.

teleschau: Wie wichtig ist es für Sie, eine beste Freundin zu haben?

Ryan: Für mich ist es wichtig. Ich habe mehrere wichtige Frauen in meinem Leben, die mir sehr nahe stehen, auf die ich mich verlassen kann und die sich auf mich verlassen können. Wir bewegen uns zwar alle in verschiedene Richtungen, helfen uns aber gerade aus diesem Grund dabei, Entscheidungen zu treffen. Ohne meine Freundinnen wäre mein Weg sicherlich anders verlaufen: Ich bekomme viele Tipps von ihnen. Zum Beispiel auch bei der Frage, wie man eine gute Mutter ist. Ich denke, dass ich sehr gut auf die naturgemäß sehr unterschiedlichen Bedürfnisse meiner Kinder eingehe. Ein 16-Jähriger braucht eine andere Mutter als ein kleines Mädchen, das Fragen stellt wie: "Mama, was macht die Erde für ein Geräusch, wenn sie sich dreht?" So etwas würde Jack mich niemals fragen.

teleschau: In "The Women" gibt es keine einzige Männerrolle. Selbst die Damen aus "Sex and the City" haben einen schwulen besten Freund. Können Frauen und Männer keine Freunde sein?

Ryan: Generell würde ich nicht ausschließen, dass Männer und Frauen Freundschaften pflegen können. Ich selbst habe einige wirklich gute männliche Freunde. Sie sind ganz fantastisch, und ich schätze ihre abweichenden Meinungen, die mir dabei helfen, eine andere Sicht auf Probleme zu bekommen. Nichtsdestotrotz ist etwas dran an der verschworenen Frauengemeinschaft: Das ist was ganz Spezielles. Frauen sind anders, wenn sie allein unter sich sind.

teleschau: Wofür brauchen wir Männer noch?

Ryan: Das müssen wir nicht unnötig dramatisieren. Wir Frauen lieben Männer doch über alles! Außerdem macht es Spaß, über Geschlechterunterschiede zu streiten, sich übereinander lustig zu machen und zu diskutieren, als gäbe es keinen Morgen. Antworten auf diese Fragen finden wir ohnehin nicht, das ist aussichtslos. Aber es stimmt schon, dass Frauen männliche Domänen erobern, auch was bestimmte Verhaltensklischees angeht. Längst sind die Zeiten vorbei, als nur Männer zielgerichtet und effizient gehandelt haben. Auch Frauen wollen nicht ihre Zeit verschwenden. Lassen Sie sich eines sagen: Ich habe nie solch eine effiziente Mannschaft von Schauspielern getroffen wie bei diesem Film - und wie gesagt: Sie waren alle weiblich.

teleschau: Ist das auch ein Statement gegen die Angewohnheit der großen Hollywoodstudios, kaum noch Rollen für Frauen ab 40 zu bieten?

Ryan: Seien wir doch ehrlich: Es gibt jede Menge Filme, in denen fast nur Männer herumlaufen, aber kaum welche, wo Männer Mangelware sind. Das Filmgeschäft ist im Moment völlig durcheinander. Es richtet sich fast völlig an eine jugendliche Zielgruppe, Jungs im Alter zwischen 14 und 20 Jahren. Damit machen die Studios Geld, und das ist das Einzige, was offenbar zählt. "Sex and the City" war fantastisch, weil die Serie und der Film bewiesen haben, dass es ein Frauenpublikum jenseits der magischen Altersgrenze von 30 Jahren gibt.

teleschau: Nun mussten die Frauen viel erdulden, bis sie auch nur annähernd ihre Gleichberechtigung durchsetzen konnten. Muss man grundsätzlich darben, um sich selbst zu finden?

Ryan: In vielen Fällen ist das so. Aber ich halte es nicht für sinnvoll, daraus eine Regel zu machen. Durch harte Zeiten zu gehen, ist nicht der einzige Weg, sich selbst schätzen und lieben zu lernen. Außerdem folgt nicht auf jeden Leidensweg eine tiefschürfende Selbsterkenntnis. Was hilft, ist das Altern. Je älter ich werde, desto entspannter werde ich - mir selbst und der Außenwelt gegenüber. Das hat etwas Friedvolles.

teleschau: Wie stehen Sie mittlerweile zu Ihrem Image als Amerikas "Sweetheart", über das Sie sich in der Vergangenheit schon mehrmals aufgeregt haben?

Ryan: Es gibt Schlimmeres, oder? Es ist ja nicht so, als würde mir jemand damit zu nahe treten oder mich beleidigen. Im Grunde wollen die Leute ja nur nett sein.

teleschau: Sind all die Klischees um Ihre Person und die desolate Situation für ältere Darstellerinnen in Hollywood Gründe dafür, dass Sie sich nun selbst als Regisseurin versuchen wollen?

Ryan: Das hat einen ganz pragmatischen Grund: Ich habe mich immer häufiger dabei ertappt, wie ich in Schneideräumen sitze und zu allen möglichen Dingen meine Meinung abgebe. Ich denke, ich sollte mein Geld dort investieren, wo ich mit meinem Mund schon längst bin: in die Regiearbeit. Je mehr ich mich mit Regisseuren unterhalte, desto mehr denke ich auch, dass mir diese Arbeit liegen könnte. Ich werde erst einmal klein anfangen, vielleicht mit Fernsehwerbung, um mich auszuprobieren.

teleschau: Ist es Ihnen jemals bewusst geworden, dass Meg Ryan ein Anagramm für "Germany" ist?

Ryan: Jetzt weiß ich endlich, warum ich den Bambi bekommen habe! (lacht) Ich habe keine Ahnung, das ist ein witziger Zufall. Dabei war ich schon häufig in Deutschland, zum Beispiel, als die Berliner Mauer fiel. Ich wollte einfach Teil dessen sein, was sich vor unserer aller Augen abspielte. Elf Jahre später kam ich wieder: Was habe ich damals in den Discos der Stadt getanzt! Aber ich war schon viel früher hier, als ich das erste Mal mit Freunden nach Europa kam, um eine Rucksacktour zu machen: lange Haare und weiße Sneakers. Wir hatten total alberne T-Shirts an, auf denen groß "USA" stand. Ich habe schöne Erinnerungen an Deutschland.

Leif Kramp


Meg Ryan kam nach Deutschland, um ihren neuen Film "The Women" vorzustellen und einen Bambi entgegenzunehmen.
Meg Ryan kam nach Deutschland, um ihren neuen Film "The Women" vorzustellen und einen Bambi entgegenzunehmen. (2008 Constantin Film Verleih GmbH)

Fragen nach Schönheit und Aussehen kann Meg Ryan nicht mehr hören: "Fühlen Sie sich bitte nicht angegriffen, aber ich werde so oft danach gefragt, dass mir die Frage wirklich zum Halse raushängt."
Fragen nach Schönheit und Aussehen kann Meg Ryan nicht mehr hören: "Fühlen Sie sich bitte nicht angegriffen, aber ich werde so oft danach gefragt, dass mir die Frage wirklich zum Halse raushängt." (008 Constantin Film Verleih GmbH)

In "The Women" spielt Meg Ryan eine Frau, die von ihrem Ehemann betrogen wird.
In "The Women" spielt Meg Ryan eine Frau, die von ihrem Ehemann betrogen wird. (008 Constantin Film Verleih GmbH)

Datum: 08.12.2008

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