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Günther Kaufmann - Verloren in Afrika

"Wir sind Obama"

Schauspieler Günther Kaufmann

(tsch) Keine Frage, zurzeit schwimmt Günther Kaufmann ganz oben. Der Münchner Schauspieler aus der Schule des Rainer Werner Fassbinder lebt mit neuer Frau in Bremen und hat allerhand zu tun. Mehrfach spielt er in Filmkomödien mit, er ist in "Mord ist mein Geschäft, Liebling" (Kinostart 18.02.) neben Rick Kavanian, Nora Tschirner oder Franco Nero als fieser Mafiakiller zu sehen und wurde in Bully Herbigs Realcomic "Wickie und die starken Männer" nach einem inzwischen legendären Casting-Auftritt (zu besichtigen bei YouTube) als "schrecklicher Sven" besetzt. Doch jetzt brilliert Kaufmann erst mal im "SOKO Leipzig"-Special "Verloren in Afrika" (Fr., 09.01., 21.15 Uhr, ZDF). Kaufmann schwärmt von seinen Filmpartnern und den Dreharbeiten in Namibia.

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Kein Wunder, weil es die "SOKO"-Rolle in sich hat. Kaufmann spielt einen Vater, der vor Jahren die Familie in Deutschland verließ und zurückkehrte in sein Heimatland Namibia. Nun will ihn der Sohn (Tyron Ricketts) besuchen, der nach einem Anruf glaubt, der Vater sei schwer an Krebs erkrankt. Doch die Nachricht entpuppt sich als Falle eines obskuren Betrügers, dem der Vater im Weg zu stehen scheint. Es kommt zum schwierigen Wiedersehen zwischen Vater und Sohn, aber auch zu Verfolgungsjagden, zu gegenseitigen Vorwürfen und Missverständnissen.

"Dieses Widersehen in Afrika war ein schwieriger psychologischer Moment", sagt Kaufmann. "Es sollte ja keine sentimentale Nummer sein und ganz ohne billigen Herzschmerz. Mit allem Stolz darf ich sagen: Dieser Moment ist uns absolut gelungen." Ohne zuviel zu verraten, darf man sagen, dass sich der Vater im Verlauf des Films vom vermeintlichen Bösewicht und Erpresser zum Guten wandelt. Doch bis dorthin ist es ein weiter Weg, auf dem der Vater zum sanften Beschützer des Polizisten aus Leipzig wird.

Eine Geschichte, in der sich irgendwie auch manches aus dem wahren Leben des Günther Kaufmann widerspiegelt. Im November 2002 musste Kaufmann ins Gefängnis - er hatte den Mord an einem Steuerberater gestanden, um seine an Krebs erkrankte damalige Frau zu entlasten. Doch als nach Jahren die wahren Täter auf Grund einer Zeugenaussage gefunden waren, kam er schließlich 2004 wieder frei.

Hört man ihm heute zu, so scheint die Geschichte von damals längst vergessen. Der Schauspieler, ohnedies ein mit bayerischem Humor begabter Mensch, lacht gerne, er scheint mit seinem jetzigen Leben eins. Sehnsucht nach München, wo der 1947 geborene Sohn eines farbigen GIs bei der Mutter und dem Stiefvater im Problemstadtteil Hasenbergl aufgewachsen ist, hat er nicht. Zumal ihn "die Liebe" im hohen Norden hält. Vor zwei Jahren heiratete er Patrizia, seine um vieles jüngere Frau. Im Bremer Lokal "Tatort" lernte er sie kennen, wo sie beschäftigt war. "Ich habe sie gleich geliebt, aber sie wollte nicht", sagt Kaufmann lachend. "Da habe ich Woche um Woche um sie gekämpft. So lange, bis sie mich schließlich erhörte."

Mit Begeisterung spricht Kaufmann von den Dreharbeiten in Namibia. "Das Team war professionell, die haben trotz Sprachschwierigkeiten alles mitgekriegt. Bei der Umarmung mit Tyron Ricketts kam manchem die Tränen." Ricketts war für ihn ein idealer Partner: "Er ist ein wenig streng, ein zorniger Rebell in seiner Rolle. Ich lache mehr, lasse auch mal alle Fünfe grade sein. Aber ich weiß, wann man aufpassen muss, dass nichts aus dem Ruder läuft. Naja, ich habe ja auch schon viel erlebt."

Kaufmann selbst kannte seinen leiblichen Vater nicht, die Mutter starb vor zwei Jahren. "Ich selbst sehe mich gar nicht als Schwarzer", sagt er zwischendurch, nach Parallelen zum Film befragt. "Auch die Leute sehen das wohl so und werden 'Das ist halt der Kaufmann' sagen." Aber er fügt auch hinzu, es sei gut, wenn es im Film oder Fernsehen viele Schwarze gebe: "Das muss normal werden. Erst recht, seit es Obama gibt." Wortspielend gibt er dann noch eins drauf: "Wir sind Obama. Ich bin dran."

In der bayerischen Daily-Soap "Dahoam is' Dahoam" (BR) spielte Kaufmann zwischendurch einen Amerikaner, der aus der amerikanischen Partnerstadt gleichen Namens ins niederbayerische Lansing kommt und sich fast in die Wirtin des örtlichen Wirtshauses verliebt. Der Amerikaner in Bayern kam derart gut an, dass es demnächst wohl wieder einige Folgen mit Kaufmann geben wird.

Im Gefängnis hat der fromme Kaufmann beim Gottesdienst die Epistel gelesen. Die Armut in den Townships von Namibia, die der Film nicht ausspart, sah der Schauspieler mit offenen Augen. "Dagegen war das Hasenbergl ein Paradies", sagt er, wenn er das Leben in München mit den dortigen Zuständen vergleicht. "Damals haben wir eine Neubauwohnung bekommen, der Vater hat uns das neue Bad und die Küche im Rohbau gezeigt. Davor haben wir bei der Oma in Schwabing gewohnt und durften einmal in der Woche ins Tröpferlbad." - Die Zeit im Gefängnis, wirkt sie immer noch nach? - "Eine alte Geschichte", winkt Kaufmann ab. "Aber es war ein Einschnitt. Ich hatte großes Glück, dass damals eine Zeugin zur Polizei gegangen ist und es daher eine neue Verhandlung gab. Da hat mir Gott geholfen."

Wilfried Geldner


Im "SOKO Leipzig"-Special "Verloren in Afrika" (ZDF, 09.01., 21.15 Uhr) spielt Günther Kaufmann, einen Mann, der nach vielen Jahren seinen in Deutschland lebenden Sohn wiedertrifft. Der hält den Vater für einen Erpresser.
Im "SOKO Leipzig"-Special "Verloren in Afrika" (ZDF, 09.01., 21.15 Uhr) spielt Günther Kaufmann, einen Mann, der nach vielen Jahren seinen in Deutschland lebenden Sohn wiedertrifft. Der hält den Vater für einen Erpresser. (ZDF / Tony Figueira)

Patrick Diego Grimm (Tyron Ricketts, rechts) trifft in Namibia seinen Vater Antonio (Günther Kaufmann).
Patrick Diego Grimm (Tyron Ricketts, rechts) trifft in Namibia seinen Vater Antonio (Günther Kaufmann). (ZDF / Tony Figueira)

In der Wüste kennt sich Antonio (Günther Kaufmann, links) besser aus als sein Sohn Patrick (Tyron Ricketts). Die scheinbar giftige Schlange erweist sich als harmlos.
In der Wüste kennt sich Antonio (Günther Kaufmann, links) besser aus als sein Sohn Patrick (Tyron Ricketts). Die scheinbar giftige Schlange erweist sich als harmlos. (ZDF / Tony Figueira)

Datum: 07.12.2008

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