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Gérard Depardieu

Der Vorzeige-Franzose

Schauspieler Gérard Depardieu

(tsch) Franzosen pfeifen gerne hübschen Frauen hinterher, trinken literweise Rotwein und verputzen Berge von Fleisch. Niemand verkörpert diese deutschen Vorurteile so gut wie Schauspieler Gérard Depardieu, der am 27.12. seinen 60. Geburtstag feiert. Er ist der Vorzeige-Franzose - und das nicht erst seit seiner Paraderolle als grobschlächtiger Immigrant Georges in Peter Weirs Komödie "Green Card - Scheinehe mit Hindernissen": Darin muss er neben Andie MacDowell all seine französischen Besonderheiten ablegen, damit er schließlich die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für die USA bekommt.

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Im wahren Leben haben ihm genau seine französischen Eigenheiten zu Weltruhm verholfen. Heute ist Depardieu einer der wenigen französischen Schauspieler mit internationalem Renommee. Über seine bekannteste Rolle als Asterix' dicker Gefährte Obelix sagt er: "Obelix passt perfekt zu mir, weil auch ich in eine Art Zaubertrank gefallen bin, ein Kessel gefüllt mit unbändiger Lust am Leben, einer Liebe zum Dasein, die alles umfängt und verschlingt." 1991 wurde der Franzose für seine Hauptrolle als dicknäsiger "Cyrano de Bergerac" sogar für einen Oscar nominiert, verlor aber gegen den Briten Jeremy Irons.

Anfangs sieht es, wie so oft, nicht nach der großen Weltkarriere aus. In der Schule hat der kleine Gérard wegen einer Sprachstörung Probleme, kann dem Unterricht kaum folgen. Im Alter von 13 Jahren führt dies dazu, dass er die Schule abbricht und stattdessen eine Druckerlehre beginnt. Doch auch im Arbeitsleben fühlt er sich nicht wohl. Kurze Zeit später schmeißt er auch die Ausbildung. Es dauert ein paar Jahre, in denen Depardieu kurz davor ist, in die Kriminalität abzudriften, bevor er seine Passion für die Schauspielerei entdeckt. Als Arbeit empfindet er diese aber nie: "Ich lebe mich selbst. Schauspieler, die spielen, sind meiner Ansicht nach uninteressant."

Es folgen weit über 100 Filme. Heute ist Gérard Depardieu der bekannteste und bestbezahlte Schauspieler Frankreichs. Doch was die Faszination an ihm ausmacht, ist vor allem auch sein Leben abseits der Leinwand. Depardieu genießt das Leben in vollen Zügen, sagt Sätze wie "Ich sehne mich nach dem Delirium. Es gibt da eine tiefe Sehnsucht, die meiner Natur absolut entspricht und der ich bisher noch nicht nachgegeben habe. Ich möchte drei Monate lang sturzbetrunken sein. Und dann einfach explodieren." Rotwein ist sein Lebenselixier. 1989 kauft er sich sein erstes Weingut, Chateau de Tigné an der Loire. Es folgen weitere in Spanien, Marokko und Argentinien. Nebenbei schreibt er Kochbücher ("Mein Kochbuch") und ist Besitzer zweier Restaurants in Paris.

Nie hat Depardieu einen Hehl aus seiner Vorliebe für schöne Frauen gemacht. 26 Jahre war er mit der Schauspielerin Elisabeth Guignot verheiratet. Schon während dieser Zeit hat er die eine oder andere Affäre, aus einer geht Tochter Roxane hervor. Seit 2005 ist er mit der 29 Jahre jüngeren Clémentine Igou liiert. Und ein Ende seines aktiven Liebeslebens ist nicht in Sicht.

Für seine drei Kinder Guillaume, Julie und Roxane ist Depardieu immer der unerreichbare Übervater. Vor allem sein ältester Sohn Guillaume verbindet eine Hassliebe mit ihm. Diese gipfelt 2004 in seiner autobiografischen Abrechnung "Im Schatten meines Vaters". Nie konnte er seinem Vater gerecht werden. Obwohl er selbst ein erfolgreicher Schauspieler war, dafür sogar, wie sein Vater, mit dem französischen Filmpreise César ausgezeichnet wurde, sucht er Halt in Alkohol und Drogen. 1995 verletzt er sich bei einem Motorradunfall schwer, muss sich als Spätfolge des Unfalls sogar ein Bein amputieren lassen. Das Verhältnis zu Vater Gérard ist zerrüttet, der beschreibt ihn als "schwierig und unverbesserlich", Sohn Guillaume kontert und bezeichnet seinen Vater als "Lügner" und "Betrüger". Diesen Oktober stirbt Guillaume Depardieu im Alter von nur 37 Jahren an einer Lungenentzündung. Gérard Depardieu musste Abschied nehmen, ohne sich mit seinem Sohn ausgesöhnt zu haben.

Demnächst steht Depardieu wieder für eine internationale Produktion vor der Kamera. In "Vivaldi", der Biografie des exzentrischen Violinisten Antonio Vivaldi, spielt er neben Joseph Fiennes, Jacqueline Bisset und Marcolm McDowell den Aristokraten Gavinot. Gedreht wird in Venedig und Wien.

Das Erste (zu nachtschlafender Zeit) und 3sat widmen Gérard Depardieu zu seinem 60. Geburtstag eine Reihe von insgesamt neun Filmen:

26.12., 16.00 Uhr, 3sat, Cyrano de Bergerac

28.12., 1.05 Uhr, ARD, Vatel

28.12., 2.45 Uhr, ARD, Die Ausgebufften

29.12., 1.10 Uhr, ARD, Ein Mann sieht rosa

30.12., 22.55 Uhr, 3sat, Die Widerkehr des Martin Guerre

2.1.09, 2.50 Uhr, ARD, Inspektor Loulou

2.1.09, 22.25 Uhr, 3sat, Germinal

4.1.09, 0.45 Uhr, 3sat, Ganz so schlimm ist er auch nicht

4.1.09, 23.30 Uhr, ARD, Zwei ungleiche Freunde

Daniel Hill


An einem Themenabend zeigte ARTE Gérard Depardieu anlässlich seines 60. Geburtstages ganz privat.
An einem Themenabend zeigte ARTE Gérard Depardieu anlässlich seines 60. Geburtstages ganz privat. (ZDF / Andreas Schlosser)

Gérard Depardieu während einer Lesung (veröffentlicht zu einem ARTE-Themenabend anlässlich seines 60. Geburtstags).
Gérard Depardieu während einer Lesung (veröffentlicht zu einem ARTE-Themenabend anlässlich seines 60. Geburtstags). (ZDF / Andreas Schlosser)

Gérard Depardieu als Obelix: seine bisher dickste Rolle.
Gérard Depardieu als Obelix: seine bisher dickste Rolle. (Constantin / Les Editions Albert René / Goscinny-Uderzo)

Datum: 11.12.2008

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