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Der Nobelpreis

Zum Wohle der Menschheit

(tsch) Die Vorgabe hätte unbestimmter kaum ausfallen können: Jene, "die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben", wollte der schwedische Chemiker und Industrielle Alfred Nobel mit dem von ihm gestifteten Preis bedacht wissen. Über den Nutzen und Nachteil der Dinge lässt sich im Einzelfall natürlich trefflich streiten - das hätte gerade Nobel, der Erfinder des Dynamits, wissen können. Dennoch gibt es heute keine prestigeträchtigere Auszeichnung für Mediziner, Chemiker, Physiker, Literaten, Ökonomen und Friedensbewegte als den Nobelpreis. Immer am 10. Dezember, dem Todestag seines Stifters, wird die Auszeichnung in Stockholm und Oslo feierlich verliehen. Da wie jedes Jahr die Auserwählten vorab benannt wurden, bietet sich das Internet an, um sich mit dem Preis und seinen neuen Trägern schon einmal vertraut zu machen.

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Die offizielle Webpräsenz der Nobel Foundation findet man unter www.nobelprize.org. Wenngleich die Startseite fast etwas unscheinbar daherkommt und der Inhalt nur in Englisch abrufbar ist, lohnt der Besuch. Wer sich in die Seite vertieft, stößt auf ein fast unerschöpfliches Angebot an Artikeln, Archivmaterial und Multimediaangeboten. Selbstverständlich werden alle diesjährigen Preisgewinner kurz porträtiert, ergänzt - sofern vorhanden - um gestreamte Telefon- oder Videointerviews, jeweils aufgezeichnet kurz nach der Bekanntgabe. Wer einem der Geehrten selbst eine Frage stellen möchte, findet ein vorgefertigtes Formular. Geistreiche Einlässe werden dem Adressaten ausgerichtet.

Auch die Historie der bedeutenden Auszeichnung ist hier genauestens erfasst. Indes nicht nur die Preisträger: Wer etwa die Menükarten zurückliegender Festbankette recherchiert, wird über Weinwahl und Gangfolge detailliert in Kenntnis gesetzt. Ab dem Jahr 1979 liegen sogar Fotogalerien vor. Auch ein ausführliches Porträt des Preisstifters wird nicht unterschlagen, während eine muntere Auswahl an "Educational Games" Spaß und Bildung unter einen Spielehut bringt. Auch an den seltenen Fall, dass ein Seitenbesucher zu den geladenen Gästen der Zeremonie zählt, wurde gedacht. Dort die falsche Kleidung zu tragen, verrät die Rubrik "Dresscode", könne ein Albtraum sein. Als Alternative zu Frack und Abendkleid geht die Nationaltracht durch: "This is the perfect time to dress up and look like royalty!"

Sollte nach Konsultieren der Stiftungsseiten noch weiteres Interesse am Thema Nobelpreis bestehen, bietet sich ein Blick auf www.nobelpreis.org an. Inhaltlich kann die privat unterhaltene und reichlich hausbacken programmierte Seite mit ihrem offiziellen Pendant nicht Schritt halten, ist dafür aber in 14 verschiedenen Sprachen angelegt. Hier stößt der Leser auf sehr kompakt gehaltene Informationen zum Stifter, seinem Testament, den Nominierungskriterien und allen Preisträgern von 1901 bis 2008.

Klickt man sich durch die in den wenigsten Fällen haften gebliebenen Namen, wird gut deutlich, dass es ganz grundsätzlich in erster Linie um den Preis und erst in zweiter Linie um seine Träger geht. Letztere dürften auch in diesem Jahr eher Insidern ein Begriff sein und sind auch im Internet schwer auffindbar. Martti Ahtisaari etwa, früherer Präsident Finnlands und Friedensnobelpreisträger 2008, ist mit einem Kurzporträt auf der Homepage seiner Friedensinitiative www.cmi.fi zu finden. Auch der Literaturnobelpreisträger Jean Marie Gustave Le Clezio hat im Web bislang kaum Spuren hinterlassen. Am ausführlichsten macht das Online-Kulturmagazin www.perlentaucher.de mit dem Oeuvre und der Biografie des französischen Romanciers bekannt.

Auch ein weiterer Deutscher kann sich in diesem Jahr zu den Auserwählten zählen. Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. Harald zur Hausen, so sein eindrucksvoller Titel in Gänze, wird für seine medizinischen Forschungen geehrt. Das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg präsentiert von seinem berühmten Mitarbeiter unter www.dkfz-heidelberg.de jedoch nur ein Porträtfoto und den Email-Kontakt. Das Fachportal "Wilsede Science Connections" (www.science-connections.com) hat ein Interview mit dem Mediziner veröffentlicht.

Doch nicht nur die Glanzleistungen des politischen, literarischen und wissenschaftlichen Betriebs werden angemessen gewürdigt. Der satirische "Ig-Nobelprize" (www.improbable.com) verhält sich zum bekannteren Gegenstück wie die Goldene Himbeere zum Oscar. Bereits am 2. Oktober ehrte die renommierte Harvard-Universität Wissenschaftler, die sich auffallend sinnfreien Forschungen gewidmet haben. Darunter etwa eine Biologin, die herausfand, dass Hundeflöhe höher springen als die auf Katzen. Heuer nicht zu schlagen: die Literaturstudie eines Herrn David Sims mit dem Titel: "Du Bastard: Eine erzählerische Erkundung der Empörung in Organisationen".

Jens Szameit


Die offizielle Webpräsenz der Nobel-Stiftung www.nobelprize.org bietet Unmengen an Informations- und Unterhaltungsmaterial rund um die renommierteste Auszeichnung der Welt.
Die offizielle Webpräsenz der Nobel-Stiftung www.nobelprize.org bietet Unmengen an Informations- und Unterhaltungsmaterial rund um die renommierteste Auszeichnung der Welt. (www.nobelprize.com)

Spärliches Angebot in 14 Sprachen: www.nobelpreis.org.
Spärliches Angebot in 14 Sprachen: www.nobelpreis.org. (www.nobelpreis.org)

Gestatten, Harald zur Hausen: der diesjährige Medizinnobelpreisgewinner auf der Website des Deutschen Krebsforschungszentrums www.dkfz-heidelberg.de.
Gestatten, Harald zur Hausen: der diesjährige Medizinnobelpreisgewinner auf der Website des Deutschen Krebsforschungszentrums www.dkfz-heidelberg.de. (www.dkfz-heidelberg.de)

Datum: 09.12.2008

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