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Tim Burton's Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche(tsch) Im Grunde sieht das Dorf aus Tim Burtons Puppentrickfilm "Corpse Bride" aus wie ein Friedhof. Düster und verkniffen tummeln sich dort grimmig dreinblickende Menschen. Keiner findet, dass er das Beste, das er doch verdient hätte, bekommt. So echauffiert sich ein verarmtes Adel-Ehepaar mit Namen Everglot über das gemeine Volk, vorwiegend über solche, die mit einfachem Arbeiten an Geld gekommen sind, so wie die Nachbarsleute Nell und William Van Dort. Aber immerhin, durch die stete Produktion von Fischkonserven wurden die reich, während sich die Everglots in Bescheidenheit grämen müssen. Man projiziert, was man selbst nicht geschafft hat, auf die Kinder und beschließt, dass Tochter Victoria, im Original zuckersüß von Emily Watson gesprochen, den Sohn der Van Dorts heiraten solle. Anzeige Jener tollpatschige, spindeldürre Frackträger, ausgestattet mit der verlässlich liebenswerten Stimme Johnny Depps, erobert das Herz von Victoria, ist den snobistischen Herrschaften aber nicht entschieden genug. Und tatsächlich, seine Souveränität bei der Generalprobe zur Hochzeitszeremonie lässt zu wünschen übrig. Ein bisschen was kann bei solch einem aufregenden Ereignis ja schief gehen, aber Tim Burton lässt den nervösen Buben in die übelsten Kettenreaktionen geraten, die, zumindest für den Zuschauer todeslustig sind. Dies führt zum nächsten Höhepunkt, zur Wiederholung der Zeremonie im dunklen Märchenwald, in den Victor zum Üben geht. Dort wird er im wahrsten Sinn des Wortes ins Reich der Toten gezogen und von einer unglücklichen Braut, die optisch an Helena Bonham Carter in "Fight Club" angelehnt ist, für sich beansprucht. Fortan gibt es mächtig viel Gerangel zwischen der normalen und der Unterwelt. Denn eigentlich hat sich Victor in Victoria verliebt und möchte zurück zu ihr und nicht mit einer Toten im Jenseits feiern, obwohl es dort tatsächlich ganz lustig zugeht. Es ist Tim Burtons feinsinnigem Humor zu verdanken, dass das Leben auf der Erde trist und grau ist, während unten die Puppen tanzen, bis sich die Knochen biegen. Daneben ergeben sich aus der Thematik durchaus makabre, wenig kindgerechte, Situationen. So schenkt die in wenig dezentem Blau gehaltene Braut Victor seinen verstorbenen Hund zur Vermählung. Auch die Wortspiele drehen sich natürlich ums Sterben und den Tod. Trotz der durchweg sympathischen Figuren machen diese Elemente die "Hochzeit mit einer Leiche" weniger zum Kinderfilm, denn zum Nischenprodukt für Burton-Fans mit Faible für düster-romantische Poesie. Sie sind es, die Burtons Anspruch schätzen, ein russisches Märchen interessant aufzubereiten. So gibt es in dieser Geschichte um Egoismen und verletzte Gefühle Platz für Einsicht, für Veränderung im Charakter. Neben ausgesprochenen Sturköpfen, verstehen manche der Anwesenden am Ende mehr als zu Anfang, begreifen, dass sie nicht fordern, sondern loslassen sollten. Und das tut einer Liebesgeschichte gut. Denn man sollte nicht vergessen, trotz all dieser liebevollen Details, all der bunten Figuren, die aufregend anders sind, ist "Corpse Bride" doch vor allen Dingen eine große Lovestory, die den kreativen Filmemacher schon vor zehn Jahren beeindruckte. Seither arbeitete er tatsächlich immer wieder an diesen Puppen, um die Geschichte in der Tradition von "Nightmare Before Christmas", letztlich nicht einmal 90 Minuten lang, fertig zu stellen. Die mit 40 Zentimeter sehr großen Figuren wurden frisiert, in Position gestellt und dann Millimeter um Millimeter bewegt. Bis zu zwölf Stunden Einsatz waren nötig für ein bis zwei Sekunden Film. Dennoch beeindruckte diese Art eines "Kinos zum Anfassen" Tim Burton sehr. Mehr noch, es spornte ihn an, nicht nur selbst die Skizzen zu fertigen, sondern das Team zu neuen Leistungen anzustacheln. So wurde für die Mimik ein Getriebemechanismus in die Puppenköpfe gezirkelt, der mithilfe von Sechskantschlüsseln nuanciert bewegt werden konnte. Klingt schon fast ein wenig nach Dr. Frankenstein. Aber das würde Underground-Querkopf Burton vermutlich zum Kompliment gereichen. Claudia Nitsche |
Credits: 03.11.2005 |
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