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Caótica Ana

Caótica Ana

(tsch) Auf Lucía folgt Ana: Der spanische Regisseur Julio Medém, der in "Die Liebenden des Polarkreises" so unvergleichlich den absoluten Charakter der Liebe beschrieb, erkundet er nun das komplexe Land der weiblichen Seele. Er holt die junge "Caótica Ana" aus ihrer Höhle auf Ibiza und schickt sie in ein Künstlerhaus nach Madrid. Sie soll dort "das Leben lernen", wird aber von Visionen heimgesucht, in denen sie eine Art Urmutter ist, das Weib, das seit Beginn der Zeit das Leid der Menschen erträgt.

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Die Filme Julio Médems sind Philosophien, die sich losgelöst von Raum und Zeit bewegen. Es sind zugespitzte, dramatisierte Episoden aus dem Irrgarten der Existenz. Vor allem mit "Die Liebenden des Polarkreises" (1999) und "Lucía und der Sex" (2001) hat er seiner lyrischen Bildsprache die nötige inhaltliche Tiefe hinzugefügt. In "Caótica Ana" ist die Handlung verschachtelt, bewegen sich die Figuren durch ein surreales Plot-Labyrinth. Das ist mit hypnotischer Kraft bebildert. Ana (Manuela Vellés) schlingert haltlos durch einen intensiven Strudel aus Farben und Assoziationen - der aber leider ins Nichts führt.

Das 18-jährige Mädchen wurde von einer Kunstmäzenin - Charlotte Rampling in einer verschwendeten Rolle - nach Madrid geholt. Sie soll ihre innere Seite entdecken, dann würden ihre Bilder, die Ana auf Ibiza an Touristen verkauft, Tiefe erlangen. Es schlummere so viel in dem Mädchen. Doch das Erste, was sie in der Stadt von ihrer neuen Freundin lernt, ist die absolute Lebensweisheit: "Männer sind Schwänze, Frauen sind Nutten." Aus diesem Kernsatz heraus entwickelt Médem seinen Bilderreigen, der sich mit dem ewigen Gegensatz von Mann und Frau, mit der Gewalt, mit der Sexualität auseinandersetzt und am Ende - in der einzig gelungenen Sequenz - mit gebotener Obszönität zur bitteren Gegenwartskritik wird.

Ana wird sich zum ersten Mal verlieben, und durch die Körperlichkeit der Liebe Teil des kosmischen Kreislaufs. Ja, Julio Medém mag das Mystische, er ist ein Freund des Übersinnlichen und bringt Natur, Mensch und Kosmos gerne in Einklang. Zufälle? Gibt es bei ihm nicht. Medéms Film ist von einer poetischen Komplexität, die aber pathetisch und platt wirkt und seine existenzielle Betrachtung schwer zugänglich macht. Die subtilen Töne mussten einer Fingerzeig-Symbolik weichen, mit der Medém seine eigene Magie erschlägt.

Andreas Fischer

Credits:
V:Prokino, ES 2007, R: Julio Medéd, D: Manuela Vellés, Charlotte Rampling, Bebe Rebolledo u.a.

Laufzeit: 118 Min.

Kinostart:
27.11.2008


Der verstörende Bilderreigen "Caótica Ana" erkundet die Seele der Frau und hinterlässt vor allem Ratlosigkeit.
Der verstörende Bilderreigen "Caótica Ana" erkundet die Seele der Frau und hinterlässt vor allem Ratlosigkeit. (Prokino)

Die lebensbejahende Ana (Manuela Vellés) trägt das Wesen der Frau in sich.
Die lebensbejahende Ana (Manuela Vellés) trägt das Wesen der Frau in sich. (Prokino)

Die Mäzenin Justine (Charlotte Rampling, links) lädt Ana (Manuela Vellés) in ihr Künstlerhaus nach Madrid ein.
Die Mäzenin Justine (Charlotte Rampling, links) lädt Ana (Manuela Vellés) in ihr Künstlerhaus nach Madrid ein. (Prokino)

Datum: 22.11.2008

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Diskussion: "Caótica Ana"

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