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Emma "Wild Child" Roberts mischt England auf

Wild Child

(vm/tsch) Ein Teeniefilm wie aus dem Ei gepellt: Für die neu entdeckte Zielgruppe der jungen weiblichen Kinogängerin kommt jetzt eine Coming-of-Komödie in die Lichtspielhäuser, die es an poppiger Buntheit mit jedem Osterhasen-äh-Ei aufnehmen kann. "Wild Child" erzählt die nicht ganz neue Geschichte der zickigen California Dream Tussi, die es auf die Schattenseite des Lebens verschlägt: namentlich auf ein Internat im verregneten England.

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Gespielt wird die hochnäsige Göre par excellence von Emma Roberts, einer Hollywood-sozialisierten Nachwuchsschauspielerin, der ihre verwandtschaftliche Beziehung zu Julia Roberts ohne Umschweife anzusehen ist. Das ist durchaus gewollt: Durch Hauslehrer-Privileg, luxuriösen Partyrummel im Dunstkreis von Familie und Freunden sowie einen Traumstart in die eigene Schauspielkarriere bringt sie das Rüstzeug mit, um es ihrer Tante auf den Leinwänden dieser Welt gleichzutun.

In ihrer siebten Filmrolle scheint Emma Roberts nun allemal glanzvoll aufzugehen. Doch wer meint, der Film huldige dem jugendlichen Jetset und einer Konsumkultur ohne Schranken, der irrt gewaltig: Neckisch versteht sich Regisseur Nick Moore darauf, das Leben in Saus und Braus zu karikieren und die liebe Lehre von der unfreiwilligen Suche nach wahrer Erfüllung zu predigen.

Diese durchaus fadenscheinige Erkenntnis hat Poppy schließlich schwer nötig, denn ihr Name steht für mehr als lolitahafte Beliebigkeit. Es handelt sich vielmehr um ein Lebenskonzept: fluffig weichgezeichnet und etwas schillernd wie der Seifenblasenluxus im reichen Elternhaus. Schlägt der verzogene Nachwuchs durch ungehöriges Verhalten über die Stränge, droht keineswegs Liebesentzug, sondern die gut gemeinte Verbannung ins europäische Ausland.

Nicht etwa geht es im Direktflug an die Côte d'Azur oder die italienische Riviera, sondern ins verregnete britische Hinterland. Nichts, so wird durch die schreckerfüllt aufgerissenen Augen des aufbegehrenden Mädchens schnell klar, ist unangemessener für ein kalifornisches Dreamgirl in spe als ein englisches Internat mit eigener Uniformlinie. Dort wird noch zum Rapport gerufen, und der harmonisierende Wecker mit Tageslichtdimmer ist unerreichbar fern. Die Revoluzzerin muss also ins Exil, und so wird die Geschichte vom seelisch verdorbenen (hässlichen) Entlein ein weiteres Mal gegen den Strich gebürstet und mit moralischem Mehrwert versehen.

Auf der Mädchenschule erfährt Poppy schnell, das man sich wahre Freundschaft erst verdienen muss und sich den stolzen Prinzen, namentlich der Sohn der Schulleiterin ("Stormbreaker" Alex Pettyfer), erst angeln kann, wenn man seine Spiellust überwinden kann und zu seinem wahren Selbst findet. Das klingt so schwammig, wie es der Film zelebriert: Wie durch eine Wattebausch wird der Leidensweg des Zivilisationsopfers durch die Instanzen bodenständiger Erziehung gezeigt. Das Finale ist so weichgekocht wie die nur augenscheinlich fiesen, kompromisslosen Antagonistinnen.

Am Ende der Moralpredigt zählt dann die Gewissheit, dass iPod und Drahtloskommunikation zwar gute kurzweilige Unterhaltung bieten, aber keine soziale Nähe ersetzen können. Wenn das Lächeln der anfangs verbiesterten Hauptfigur schließlich seine Künstlichkeit verliert und einer Erleichterung Platz macht, die dem Stressabfall beim Zieleinlauf eines Iron-Man-Teilnehmers nahe zu kommen scheint, hat sie sich zumindest etwas von der Vergötterung der Markenwelt losgesagt. Ohne ihr natürlich völlig entsagen zu wollen. Vielmehr hat sie sich missionarisch betätigt, indem sie ihren bleichen englischen Mitschülerinnen so manchen Trick des kosmetischen Aufpeppens vermittelt hat. So bewahrt sich die zentrale Botschaft des Films die doch so wichtige Lebensnähe zum jugendlichen Zielpublikum: Wahre Schönheit mag von innen kommen. Doch so ganz ohne nachzuhelfen sollten sich Freundinnen trotzdem nicht auf die Straße wagen - oder ins Kino.

Leif Kramp

Credits:
V:Universal, USA 2008, R: Nick Moore, D: Natasha Richardson, Emma Roberts, Aidan Quinn u.a.

Laufzeit: 98 Min.

Kinostart:
18. Dezember 2008


Ein verwöhntes 16-jähriges High-Society-Girl wird von ihrem Vater in ein strenges Mädcheninternat nach England geschickt.
Ein verwöhntes 16-jähriges High-Society-Girl wird von ihrem Vater in ein strenges Mädcheninternat nach England geschickt. (2008 Universal Studios)

Freddie (Alex Pettyfer) findet den amerikanischen "Neuzugang" Poppy (Emma Roberts) sehr sympathisch.
Freddie (Alex Pettyfer) findet den amerikanischen "Neuzugang" Poppy (Emma Roberts) sehr sympathisch. (2008 Universal Studios / Giles Keyte)

Mit ihrem Umzug in das englische Internat ändert sich für Poppy (Emma Roberts) nicht nur ihre Haarfarbe.
Mit ihrem Umzug in das englische Internat ändert sich für Poppy (Emma Roberts) nicht nur ihre Haarfarbe. (2008 Universal Studios / Giles Keyte)

Datum: 16.12.2008

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