logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Filmstarts - Neu im Kino Kino Film "1 1/2 Ritter" erzählen peinliche Witze
"1 1/2 Ritter" erzählen peinliche Witze

1 1/2 Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde

(cg/tsch) Deutscher Humor muss albern sein. Das gibt der Erfolg der TV-Comedy-Shows einfach vor und auch im Kino zeigten zuletzt die beiden "7 Zwerge"-Filme, was ein bestimmtes Publikum hierzulande scheinbar einfach will: den Witz von weitem herankommen sehen und dann auf Kommando loslachen. Das "7 Zwerge"-Schema hat Til Schweiger jetzt übernommen und den Wald durch die Ritterburg ersetzt. "1 1/2 Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde" versammelt einen beeindruckenden Allstar-Cast vor der Kamera und versorgt jeden mit einem Schenkelklopfer-Oneliner. Albern ist das allemal und der Erfolg daher vorprogrammiert.

Anzeige

 

Eines der "Herzelinde"-Probleme ist folgendes: Die Darsteller sind wichtiger als ihre Rollen. Da ein Pocher, hier ein Hallervorden, die New Kids On The Block treten auf (ja, die echten), Hannelore Elsner (Schwarze Hexe) spielt sich selbst, und Jopie Heesters ist sich für keine Peinlichkeit zu schade und entblödet sich nicht, mit einer eisernen Jungfrau abzuschieben. Von wegen Altersweisheit. "Ich hab' vergessen, was ich sagen wollte", ist der erste Satz, den Til Schweiger im Film stottert. Ein symptomatisches Statement.

Als Ritter Lanze ist er in die Tochter des Königs verliebt. Sie hört auf den Namen Herzelinde und wird von der wirklich hinreißenden Julia Dietze gespielt. Der Leibwächter und die Prinzessin - das geht natürlich nicht. Außerdem ist der König (lustlos: Thomas Gottschalk) pleite, und so wird das Töchterchen dem affektierten Grafen Luitpold Trumpf (Udo Kier) versprochen. Nomen ist übrigens (eingedeutschtes) omen.

Es kommt, was kommen muss: Herzelinde weigert sich und wird entführt. Lanze verzweifelt fast, findet aber mit dem windigen Türken Erdal (Rick Kavanian) eine Begleitung für seine Suche nach der verlorenen Liebe. Also reiten sie durch die Lande auf der Suche nach dem schwarzen Ritter und decken am glücklichen Ende ein fieses Komplott auf. Die Story ist genauso langweilig, wie sie sich anhört, aber ohnehin nur ein Alibi für die Pflege Schweigerscher Eitelkeit.

Von Bewunderern als "Tausendsassa" des deutschen Kinos bezeichnet, begnügte sich Schweiger natürlich nicht nur mit der Hauptrolle, sondern führte in "Herzelinde" auch Regie und produzierte den Film. Gedreht wurde an Deutschlands schönsten mittelalterlichen Schauplätzen, in Querfurt und dem Unesco-Weltkulturerbe Quedlinburg zum Beispiel. Doch auch das schwelgerische Cinemascope nützt nichts, wenn im Drehbuch (Oliver Philipp, Oliver Ziegenbalg) nur Dummheiten stehen.

Denn mittelalterlich sind in dem Mittelalter-Abenteuer vor allem die Zoten, die sich in einer witz- und zusammenhanglosen Gagparade aneinanderreihen. Manchmal sind sie nur altbacken - Roberto Blanco ("Ein bisschen Spaß muss sein") und "Focus"-Chefredakteur Helmut Markwort ("Ich will Fakten, Fakten, Fakten") sagen ihre Standardsprüche auf -, meist aber konzentrierte Peinlichkeit. Erdal erfindet den Döner, Schwule, Österreicher und Angela Merkel sind Grundlage billig kalkulierter Stammtischspäße. Es geht in den Puff, es geht um Integrationspolitik, und dass Schweigers Rollenname Lanze von zwei Nymphomaninnen im Bett erklärt wird, passt natürlich völlig in das Humorschema, in dem natürlich auch Wichsvorlagen, Keuschheitsgürtel und Hodenschutz ihren Platz haben.

Alte Witze, moderne Sprücheklopferei, vorhersehbare Peinlichkeiten - hier muss zusammenpassen, was nicht zusammengehört. Es gibt halbe Schweine am Ride-In, einen neurotischen Räuber (Ralph Herforth ist wirklich witzig), verlogene "Schild"-Zeitungsschlagzeilen. Dazu Pathos, Streicher, Zeitlupen und immer wieder Gräser, die bei Landschaftsaufnahmen im Vordergrund im Winde schaukeln. Schülerfilme sind meist witziger. Womit auch gleich die Zielgruppe für die pubertären Geschmacklosigkeiten definiert ist: "Die Idee stammt von meinen Kindern, die sich einen Kinderfilm von mir wünschten", gab Til Schweiger zu Protokoll. Man mag ahnen, warum es vorab keine offiziellen Pressevorführungen gab.

Andreas Fischer

Credits:
V:Warner, D 2008, R: Til Schweiger, D: Til Schweiger, Rick Kavanian, Julia Dietze u.a.

Laufzeit: 115 Min.

Kinostart:
18. Dezember 2008


Til Schweiger inszenierte sich selbst, ohne Angst vor Peinlichkeiten: "1 1/2 Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde".
Til Schweiger inszenierte sich selbst, ohne Angst vor Peinlichkeiten: "1 1/2 Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde". (Warner)

König Gunther (Thomas Gottschalk, links) hat Ritter Lanze (Til Schweiger) mit der Bewachung seiner Tochter beauftragt.
König Gunther (Thomas Gottschalk, links) hat Ritter Lanze (Til Schweiger) mit der Bewachung seiner Tochter beauftragt. (Warner)

Heidenspaß, nur nicht fürs Publikum: Rick Kavanian (links) und Til Schweiger in Ritterverkleidung.
Heidenspaß, nur nicht fürs Publikum: Rick Kavanian (links) und Til Schweiger in Ritterverkleidung. (Warner)

Datum: 13.12.2008

Facebook aktivieren

Diskussion: ""1 1/2 Ritter" erzählen peinliche Witze" lesen

Lesen Sie doch auch die Diskussion in unserem Forum zu ""1 1/2 Ritter" erzählen peinliche Witze".
Artikel ID 210516

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Liebe mich!
    Sex. Immer wieder Sex. Machen wir uns nichts vor, das Thema bestimmt zunehmend unseren Alltag, vereinnahmt eine komplette Gesellschaft, die allmählich aufpassen muss, dass sie vor lauter Lust die Liebe ...

    Elegy oder die Kunst zu lieben
    Die Regisseurin Isabel Coixet schaut gerne unter die Oberfläche. Ihre Dramen "Mein Leben ohne mich" oder "Das geheime Leben der Worte" waren kleine, aber ungewöhnliche Filmerlebnisse mit zunächst verschlossenen, ...

    Once
    Mit "Once" (2006) gelang Regisseur John Carney eine kleine Sensation: Der Film über einen namenlosen Dubliner Straßenmusiker (Glen Hansard von der irischen Band "The Frames"), der eine junge Pianistin ...

    Chanson der Liebe
    In "Chanson der Liebe" singen alle ständig und überall Liebeslieder, um ihre Gefühle auszudrücken. Und wenn das kitschig wird, ist es so überzogen kitschig, dass es sich in Kunst verwandelt. Christophe ...

    Die Entdeckung der Currywurst
    „Der Krieg ist aus. Aber richtig. Wir haben ihn verloren. Gott sei Dank.“ Diesen Satz auszusprechen, fällt Lina (Barbara Sukowa) nicht leicht. Denn sie weiß, er wird das Ende ihrer Liebesbeziehung zum ...

    Stadt der Engel
    An den meisten Tagen des Jahres ist der Himmel über Los Angeles blauer als der über Berlin. Die Aussicht der Engel auf ihre Schäflein ist klarer, und die fühlen sich angesichts des nahen Ozeans und wahr ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 6360 - task = view - option = com_content - limitstart= 0