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Claude Miller deckt "Ein Geheimnis" auf

Ein Geheimnis

(cg/tsch) Nicht immer treffen französische Filme den richtigen Ton, manches Mal verlieren sie sich in Dialogen, die nichts über die Figuren aussagen oder versinken im Kitsch. Doch wenn die Balance stimmt, sind sie wunderbar, wie zuletzt etwa "Das Mädchen, das die Seiten umblättert" (2006), "Chanson d'Amour" (2007) oder "Dialog mit meinem Gärtner" (2007). Auch Claude Millers "Ein Geheimnis" ist so ein Fall, wenn auch auf andere Weise. Die komplexe Erzählstruktur erfordert Aufmerksamkeit, doch das titelgebende Geheimnis, das Schritt für Schritt preisgegeben wird, rechtfertigt die Anstrengung.

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François ist ein schmächtiges Kind, ein Bursche, der den Ansprüchen seines Vaters (Patrick Bruel) nicht gerecht werden kann. Der war einmal Leistungssportler, genau wie seine Frau Tania (Cecile de France). - Es sind nicht gerade erbauliche Erinnerungen, die François (Mathieu Amalric) im Erwachsenenalter hat, als er seinem Vater Trost wegen eines toten Hundes spenden muss. Auch Maxime erinnert sich, und aus beider Gedankenwelten kristallisiert sich nach und nach eine komplexe jüdische Familiengeschichte, deren dunkelstes Kapitel während der Besetzung Frankreichs durch die Nazis geschrieben wurde.

Maxime Grinberg war einst mit der hübschen Hannah (Ludivine Sagnier) verheiratet. Während es für sie die Erfüllung war, konnte sich Maxime nie mit der Monogamie anfreunden. Schon bei der Hochzeit lernt er Tania kennen. Das Verlangen erfasst beide, sie unterdrücken es eine Weile, aber irgendwann bricht es aus. Das Glück zweier Menschen bedeutet das Leid eines dritten - doch aus der ganz normalen Liebes- und Leidensgeschichte wird im okkupierten Frankreich eine dunkle Verkettung von Verletzungen, mit einer unfassbar schrecklichen Konsequenz, die sich wie ein Schatten über die Familie legt.

Basierend auf der autobiografischen Romanvorlage von Philippe Grimbert zeigt Miller, was passiert, welche Konsequenzen das Verlangen, die Unberechenbarkeit von Liebe und Leidenschaft haben können. Vor allem in politisch unsicheren Zeiten: Schichtweise, mit zahlreichen Rückblenden und Zeitsprüngen legt Claude Miller das Geheimnis frei - raffiniert und klug verschachtelt, immer die volle Konzentration einfordernd. Aber es lohnt sich in die Gefühlswelten einzutauchen, die durch die verschiedenen Zeitebenen und häufigen Perspektivwechsel in ständiger Bewegung sind. So wie die Erinnerungen, die sich ihren Weg an die Oberfläche erkämpfen und schlussendlich für eine Art Erleuchtung sorgen.

Andreas Fischer

Credits:
V:Arsenal, F/D 2007, R: Claude Miller, D: Cécile De France, Patrick Bruel, Ludivine Sagnier u.a.

Laufzeit: 106

Kinostart:
18. Dezember 2008


Claude Millers "Ein Geheimnis" ist ein überwältigender Film über das Erinnern und das Verdrängen.
Claude Millers "Ein Geheimnis" ist ein überwältigender Film über das Erinnern und das Verdrängen. (Arsenal)

Maxime (Patrick Bruel) und Hannah (Ludivine Sagnier) sind mit ihrem Sohn Simon eine glückliche Familie.
Maxime (Patrick Bruel) und Hannah (Ludivine Sagnier) sind mit ihrem Sohn Simon eine glückliche Familie. (Arsenal)

Turmspringerin Tania (Cécile de France) liebt den Sport.
Turmspringerin Tania (Cécile de France) liebt den Sport. (Arsenal)

Datum: 14.12.2008

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