(tsch) Es sind Cliffhanger von fast schon an Sadismus grenzender Perfektion, mit denen die "Lost"-Macher ihre Fans Staffel für Staffel quälen - und anschließend verloren zurücklassen. Das Finale von Season drei der US-Mystery-Serie war besonders hart: Liebgewonnene Helden starben. Ein Frachter tauchte vor der Küste dieser sonderbaren Insel irgendwo im Nirgendwo auf - und schien doch nicht die ersehnte Rettung für die Gestrandeten des Oceanic-Fluges 815 zu sein. Schließlich war da noch die alles über den Haufen werfende Erkenntnis, dass die Flashbacks, die dem Zuschauer während der letzten Folge serviert wurden, gar keine waren. Vielmehr wurde ein kurzer, verstörender Blick in die Zukunft geworfen ... Fast ein Jahr hatte man Zeit, das zu verdauen. Nun zeigt ProSieben die vierte Staffel - und zumindest das darf verraten werden: Auch sie endet furios.
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Obwohl die Serie von J.J. Abrams, Regisseur des neuen "Star Trek"-Kinofilms (Start: 7. Mai), sicherlich zum Besten zählt, was das Medium Fernsehen in den letzten Jahren hervorgebracht hat, dürfte der Erfolg für ProSieben ausbleiben. Schon die dritte Staffel begeisterte durchschnittlich nur neun Prozent der jungen Zielgruppe. Die lange Wartezeit, die komplexe Erzählstruktur aufgrund mehrerer Handlungs- und Zeitebenen sowie der beschwerliche Quereinstieg in die herrlich verwirrende Robinsonade dürften die Zuschauerzahlen zusätzlich nach unten drücken. Das größte Problem für ProSieben scheint jedoch das Internet zu sein - jene Plattform also, die J.J. Abrams bis heute meisterhaft nutzt, um die Fans noch enger an "Lost" zu binden und die Serie zu einem Phänomen zu machen.
Wer vor einem Jahr unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht, wurde schnell fündig: Erst landeten die im US-Fernsehen ausgestrahlten Folgen halb- bis illegal im Netz, später als DVD-Paket in den Regalen der Online-Händler. Auch in Deutschland war die vierte Staffel bereits im Sommer 2008 zu sehen, wenngleich nur beim Pay-TV-Channel Fox. Der harte Kern der Fans dürfte also bereits versorgt sein und vielmehr dem US-Start der fünften Staffel Ende Januar entgegenfiebern. Erste Trailer, Teaser und andere Hinweise heizen den Hype abermals mächtig an.
Für all jene, die bis zur ProSieben-Premiere brav ausgeharrt haben und nun reif für die Insel sind: Das Warten und die Geduld haben sich gelohnt. Zwar umfasst Season vier aufgrund des US-Autorenstreiks nur 13 Folgen (inklusive eines dreiteiligen Finales). Durch die Komprimierung gewinnt die Serie jedoch spürbar an Fahrt. Anstelle von immer neuen Fragen gibt es endlich Antworten - nicht zuletzt durch die Ausblicke in die Zukunft, die nun statt der gewohnten Flashbacks eingestreut werden. Zudem wird das Ganze deutlich actionreicher, eine Folge fällt völlig aus dem gewohnten Raster ...
Doch spätestens jetzt werden weitere Worte zum Minenfeld. Inhaltliche Besserwisserei ist bei "Lost"-Fans verpönt. Zumindest das darf gefahrlos gesagt werden: Die Leute an Bord des Frachters interessieren sich tatsächlich weniger für die Rettung von Jack (Matthew Fox), Kate (Evangeline Lilly) und den anderen Überlebenden, sondern in erster Linie nur für einen Mann: Ben (Michael Emerson). Er steht klar im Mittelpunkt der Staffel und spielt auch in der fünften eine tragende Rolle.
Allerdings sind die Tage von "Lost" gezählt, ein Ende und damit die Auflösung aller Rätsel und Mysterien der Insel und ihrer Bewohner ist in Sicht. Mitte 2010 soll Schluss sein - nach insgesamt 120 Folgen. Ein angedachter Kinofilm wurde jedoch wieder verworfen.
Gerd Hilber
Folgenschwerer Funkruf: Jack (Matthew Fox) nimmt Kontakt mit dem Frachter vor der Küste der mysteriösen Insel auf ... (ProSieben / Touchstone Television)
Auf der Insel herrscht Aufbruchstimmung, da die Rettung der Gestrandeten scheinbar bevorsteht. (ProSieben / Touchstone Television)
Kate (Evangeline Lilly) weiß nicht, wem sie folgen soll: Jack oder Locke? (ProSieben / Touchstone Television)
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