Kirsten Dunst

Vom Frust, nur für andere da zu sein

Schauspielerin Kirsten Dunst

(tsch) Kirsten Dunst gehört zu den Schauspielerinnen in Hollywood, denen ihr Ruf meist vorauseilt und dann und wann fantasiereiche Kapriolen schlägt: Jung und blond, wie sie ist, wurde ihr passend zu ihrem neuen Film "Elizabethtown" (Start: 03.11.) eine Liebesbeziehung mit Kollege Orlando Bloom angedichtet. Sie selbst sieht das freilich etwas anders. Die Kalifornierin mit Wurzeln in Hamburg (ihr Vater kommt aus Deutschland) hat spätestens seit ihrer Rolle in der "Spider-Man"-Trilogie einen Stammplatz in den Klatschspalten nicht nur der Boulevard-Presse. Daher zeigt sich die 23-Jährige immer verschlossener. Im Interview spricht sie dann aber doch offen über Flirts mit Orlando, den Fluch des Prominentendaseins und Mittel und Wege, ihren Vater richtig kennen zu lernen.

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teleschau: Was war für Sie die größte Herausforderung in "Elizabethtown"?

Kirsten Dunst: Zunächst ist es ein weiterer großer Film, was die Situation für mich natürlich nicht einfacher gemacht hat, zumal der Regisseur Cameron Crowe hieß: Sein Perfektionismus war für mich manchmal schon frustrierend, weil er nur sehr schwer zufrieden zu stellen war. Er hat mich mehr gefordert als alle anderen Regisseure bisher. Und so war es natürlich nicht leicht, Bestätigung zu bekommen. Daher vermisste ich manchmal etwas Freiheit am Set. Die größte Herausforderung war aber, über die monatelange Drehzeit hinweg das Gefühl des zaghaften Verliebens aufrecht zu erhalten.

teleschau: Wie gefiel Ihnen die Zusammenarbeit mit Orlando Bloom?

Kirsten Dunst: Er war der perfekte Gentleman. Dabei hatte er einen besonders schwierigen Job: Er musste ja auf eine gewisse Weise Cameron Crowe verkörpern und - das darf man bei Orlando nicht vergessen - seinen britischen Akzent unterdrücken. Auch deswegen war ich sozusagen der Herr im Ring, der die Kontrolle wahren musste. Der Fels in der Brandung zu sein, war nicht unbedingt leicht für mich.

teleschau: Ihre angebliche Affäre mit Orlando schlug hohe Wellen.

Kirsten Dunst: Vollkommen unberechtigt natürlich. Ich bin froh, dass endlich alle Zeitschriften voll mit Fotos von ihm mit seiner Freundin sind. Dann hören die dummen Gerüchte endlich auf. Es ist doch wirklich so offensichtlich: Natürlich wurde uns eine Beziehung angedichtet, als der Film in den USA anlief. Und jetzt, wo er nach Deutschland kommt, ist die Nachricht auch bei Ihnen angekommen. Dabei sind wir dicke Freunde und flirteten gerne miteinander. Wir sind schließlich jung, und Flirten gehört dazu, oder?

teleschau: Manchmal, so rumort es, seien die Filmstudios selbst Urheber solcher Gerüchte, um den Film in die Schlagzeilen zu bringen.

Kirsten Dunst: In diesem Fall glaube ich nicht daran. Paramount würde so was nie tun, auch weil es genug Beispiele gibt, bei denen es nicht geklappt hat. Ein Beziehungsgerücht pünktlich zum Filmstart kann auch nach hinten losgehen.

teleschau: Kam Ihnen bei solchen Gerüchten nicht auch mal der Gedanke, einfach das Handtuch zu werfen und sich einen neuen Job zu suchen?

Kirsten Dunst: So weit habe ich noch nicht gedacht, aber ich bin reservierter in der Frage geworden, wie ich meine Person ins Licht der Öffentlichkeit rücke. Je mehr Informationen ich mit der Öffentlichkeit teile, desto mehr können mir Worte um Mund herumgedreht und gegen mich verwendet werden.

teleschau: Wie schwer war es für Sie, in Ihrer Rolle als Claire andauernd gut gelaunt sein zu müssen?

Kirsten Dunst: Das war am merkwürdigsten für mich. Immer nur zu geben und zu investieren und erst nach sehr langer Zeit wieder etwas zurückzubekommen, muss furchtbar frustrierend für denjenigen sein, der in Wirklichkeit solch eine zwanghafte Frohnatur ist. Orlando war zumindest während der Dreharbeiten viel fröhlicher als ich. Es fühlt sich nicht unbedingt gut an, nur für andere da zu sein und sich selbst dabei zu vergessen.

teleschau: Haben Sie einen ähnlich melodischen Lieblingssoundtrack wie Claire?

Kirsten Dunst: Die Musik im Film geht vollständig auf Camerons Kappe. Ich mag zwar Patty Griffin, aber ansonsten hätte ich komplett andere Songs ausgewählt. Joni Mitchell wäre darunter gewesen und Rufus Wainwright. Für mich ist Musik unheimlich wichtig und spielt, wie bei jedem anderen wohl auch, in meinem Leben eine große Rolle. Das ist ja das Schöne an Filmen: Musik und Bilder treffen aufeinander und werden dadurch zu einer einzigartigen Mischung.

teleschau: "Elizabethtown" handelt auch von der Beziehung von Kindern zu ihren Eltern. Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihren Eltern?

Kirsten Dunst: Es befindet sich in ständigem Fluss und Entwicklung. Ich habe letztens für meinen Vater ein Buch gekauft, das "Alles über mich" heißt und natürlich viele dumme, einfache Fragen enthält, aber auch Themen anspricht, die man nie bei seinem Vater anreißen würde. Es ist schon komisch: Man wächst mit ihm auf, liebt ihn über alles, doch was seine größte Angst ist, weiß ich nicht.

teleschau: Das geht vielen so, ein ganz normales Problem ....

Kirsten Dunst: Ich ging auf normale Schulen, und meine Freunde haben rein gar nichts mit der Unterhaltungsbranche zu tun. Deswegen glaube ich, dass ich selbst auch relativ normal geblieben bin, wenn es so etwas überhaupt gibt. Ich nehme mir auch oft die Zeit, die ich brauche, um auszuspannen und andere Dinge anzupacken. Meinen letzten Film habe ich im Frühjahr gedreht, das ist schon eine Weile her. Die nächsten Dreharbeiten sind erst im Januar. Ich genieße die freie Zeit, das ist mein Luxus. Natürlich hänge ich viel mit meinen Freunden herum, gehe ins Kino und nehme Tanzstunden: Stepptanz und Ballett.

teleschau: Was stört Sie besonders am Filmgeschäft?

Kirsten Dunst: Ich hasse die Tatsache, dass das Prominentendasein eine solch wichtige Sache geworden ist. Darum wird viel zu viel Wind gemacht. Ich habe es am Anfang meiner Karriere schon genossen, über den Roten Teppich zu gehen und dass ein paar wenige Fotos von mir geschossen wurden. Aber mittlerweile ist die Jagd nach Bildern von Prominenten zu einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit geworden: Man wird mit Autos verfolgt, und es kommen Leute dabei um. Das muss aufhören.

teleschau: Haben Sie sich jemals Illusionen hinsichtlich Ihres Jobs gemacht?

Kirsten Dunst: Ich wusste schon immer, dass mein Leben nicht perfekt sein kann. Deswegen habe ich mir auch nie Illusionen darüber gemacht. Alle Welt jagt dem Erfolg nach, Menschen zerbrechen an Misserfolgen. Das war nie meine Denkweise. Erfolg hat mich nie interessiert. Wenn einer meiner Filme floppt, dann ist das zwar eine Art Zurückweisung für mich, aber nichts, worüber ich tagelang trauern müsste. Der nächste wird bestimmt besser, sage ich mir dann und mache mir keine weiteren Sorgen.

teleschau: Wann spielen Sie in Ihrer ersten Erfolgsfernsehserie à la "Desperate Housewives" mit?

Kirsten Dunst: Das wird noch einige Zeit dauern. Außerdem bin ich schwer genervt von den "Desperate Housewives". Egal, wo man in den Staaten hinschaut: Überallhin wird man von dieser Serie und den dazu gehörigen Plakaten verfolgt. Ich schaue mir das erst gar nicht an, auch "Lost" nicht und diese ganzen Erfolgsserien. Ich mag lieber Serien wie "The Entourage" ("Das Gefolge"). Aber selbst mitspielen werde ich da wohl nicht. Man muss den geeigneten Moment finden, wenn ein Format noch den Nimbus des Besonderen hat. Wenn's jeder kennt und alle toll finden, ist der Zauber fort.

teleschau: Werden Sie auf der Suche nach dem besonderen Etwas auch bald Ihren ersten eigenen Film drehen?

Kirsten Dunst: Darüber denke ich schon länger nach. Das liegt in der Natur der Schauspielerei: Je länger ich in Filmen spiele, desto mehr wächst der Drang, selbst in der Kontrollposition zu sitzen. Es kann sehr frustrierend sein, wenn die Regisseure nicht so wollen wie ich. Und wenn ich mir Filme anschaue, dann entdecke ich manchmal schon Dinge, die ich glaube, besser machen zu können. Das ist noch frustrierender, und deswegen werde ich mir wohl schon bald ein Projekt suchen.

Leif Kramp

Wertung
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Vorsichtig geworden im Umgang mit der Öffentlichkeit: Kirsten Dunst.
Vorsichtig geworden im Umgang mit der Öffentlichkeit: Kirsten Dunst. (UIP / Carlo Allegri)
In Venedig stellte sich Kirsten Dunst bei der Premiere den wartenden Fotografen.
In Venedig stellte sich Kirsten Dunst bei der Premiere den wartenden Fotografen. (UIP / Carlo Allegri)
An der Affaire, die Kirsten Dunst und Orlando Bloom angedichtet wurde, ist nichts dran.
An der Affaire, die Kirsten Dunst und Orlando Bloom angedichtet wurde, ist nichts dran. (UIP / Carlo Allegri)

Datum: 14.11.2005

Diskussion: "Kirsten Dunst"

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