(tsch) Chulpan Khamatova fegt durch "Luna Papa" (1999), als gäbe es kein Morgen. Meistens lächelnd, meistens tänzelnd - in ihren Augen vermischen sich Lebensgier mit Erfahrung, die karge Landschaft Zentralasiens findet sich dort genauso wie die größtmöglichen Träume eines Mädchens, das zu schnell zur Frau werden musste. Die russische Schauspielerin spielt die 17-jährige Mamlakat, die in ihrer Familie die Rolle der verstorbenen Mutter übernommen hat. Sie muss sich um ihren Vater (Merab Ninidze), einen herrischen Kaninchenzüchter, und ihren Bruder (Moritz Bleibtreu), der nach einem Kriegseinsatz in Afghanistan die Grenze zur Debilität überschritten hat, kümmern. 3sat zeigt die liebenswert-groteske Ode an die Toleranz von Regisseur Bakhtiar Khudojnazarovs in einer Wiederholung.
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Es ist ein verlassenes, einsames Örtchen, in dem die Geschichte ihren Ursprung nimmt. Mamlakat träumt davon, eines Tages eine große Schauspielerin zu werden, wohl wissend, wie gering diese Chance ist. Als eines Nachts ein geheimnisvoller Fremder auftaucht, der zu einer herumreisenden Theatergruppe gehört, lässt sie sich verführen. Die Affäre hat Folgen: Das Mädchen ist schwanger, ein Abtreibungsversuch scheitert auf groteske Weise. Sie gesteht ihrer Familie den Vorfall - wieder eine sehr bizarre Szene - und für ihren Vater besteht kein Zweifel daran, die Familienehre retten zu müssen.
Sie machen sich auf, den Kindsvater zu finden, um ihn seiner Verantwortung gerecht werden zu lassen. Es beginnt eine turbulente Reise durch die Region, gleichfalls eine Reise durch Vergangenheit und Moderne, die an den Orten mehr oder weniger Einzug gehalten hat. Spielerisch, verträumt, grotesk, witzig - der Film schafft diesen Spagat spielend, stellt dabei eine nicht nur optisch fremde Welt vor, sondern liefert einen problemlosen Zugang in diese andere Gesellschaft gleich mit. Bei all den sozialen Unterschieden lassen sich mehr Parallelen zu westlichen Grundstrukturen feststellen, als man annehmen könnte - auch wenn Kühe hierzulande selten durch die Gegend fliegen.
Das skurrile Roadmovie, das auf Realismus ebenso viel Wert legt wie auf Komik und Unterhaltung, vermengt sowohl bei der Bildsprache als auch bei den Dialogen westliche Einflüsse mit den lokalen Gegebenheiten. Geschickt wurden die Figuren - wie übrigens auch ihre Darsteller - positioniert. Mamlakat, das Mädchen, bildet den Zugang zur Geschichte. Sie ist sympathisch, ihre Träume von einem besseren, glanzvolleren Leben sind nachvollziehbar, weil glaubwürdig transportiert. Chulpan Khamatova gelang mit "Luna Papa" der Durchbruch, sie spielte danach unter anderem in Veit Helmers "Tuvalu" (1999) und als russische Freundin von Daniel Brühl in "Goodbye Lenin" (2003). Auch im neuen "Tatort" aus Münster, "Das doppelte Lott" (ARD, Sonntag, 20.11., 20.15 Uhr), spielt Khamatova ein russisches Mädchen. Kommissar Thiel (Axel Prahl) verguckt sich in die rätselhafte Schönheit, die ihre wahre Geschichte vor ihm verbergen will.
Vera Seeberg
Vereint in ihrer Trauer: die Geschwister Nasreddin (Moritz Bleibtreu) und Mamlakat (Chulpan Khamatova). (ZDF / Pandora Film / Marcus Kanter)
Gleich kommt eine Kuh geflogen: Braut Mamlakat (Chulpan Khamatova) mit Bräutigam Alek (Merab Ninidze, Mitte) und Vater Safar (Ato Mukhamedshanov) ahnen aber noch nichts davon. (ZDF / Pandora Film / Marcus Kanter)
Nasreddin (Moritz Bleibtreu, links), seine Schwester Mamlakat (Chulpan Khamatova) und Safar (Ato Mukhamedshanov) machen sich auf einer skurrilen Reise durch Zentralasien auf die Suche nach der Familienehre. (ZDF / Pandora Film / Marcus Kanter)
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