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Rainhard Fendrich

"In Amerika wäre ich Singer / Songwriter"

Sänger Rainhard Fendrich

(tsch) München, Hotel Mandarin Oriental: Ein gigantisches Fotografenaufgebot mit Blitzlichtgewitter lässt Umherstehende vermuten, dass Madonna zu Besuch wäre. Falsch! Es ist "nur" Rainhard Fendrich, der sich freilich wieder in die Boulevardpresse manövriert hatte. Der Grund: Die kürzlich erhobenen schweren Vorwürfe gegen seine frühere Schwiegermutter wegen des Todes seiner kleinen Tochter Teresa 1989. An diesen erinnert er auf seiner neuen CD "Hier + Jetzt" mit einen Song. Im Interview erklärt er, warum.

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teleschau: Sie haben im Fernsehen gesagt, dass Ihre CD "Hier + Jetzt" keine Aufarbeitung der Vergangenheit, sondern eine Rückreise in diese sei.

Rainhard Fendrich: Genau. Denn im Grunde meines Herzens bin ich ein Liedermacher. Ich schreibe meine Sachen selbst. Und nun bin ich dorthin zurückgekehrt, wo ich anfing, bei meinen eigenen, selbst verfassten Songs. Ich bin jetzt das, was man in den USA "Singer / Songwriter" nennt.

teleschau: Sie reisen auch zu schlimmen Punkten zurück. Das Lied "Die Rosen" handelt vom Tod Ihrer Tochter - hat es Ihnen geholfen, darüber zu schreiben?

Fendrich: Ich kann Ihnen nicht sagen, wie ich mich fühle, ich weiß es nicht. Es ist ein schweres, nicht zu überwindendes Trauma, das müssen Sie respektieren. Ich habe das bis heute nicht verwunden.

teleschau: Haben Sie denn das Lied erst jetzt verfasst?

Fendrich: Nein, den Text schrieb ich schon damals, vor 16 Jahren.

teleschau: Ist die CD so eine Art Eigentherapie?

Fendrich: Nein, eigentlich nicht. Ich mache Platten, weil ich Lieder schreiben will. Ich hatte schon immer eine Antenne für Dinge, die um mich herum passieren, und die verwerte ich dann natürlich auch. Ich bin aber nach wie vor Unterhaltungskünstler und kein Selbsttherapeut.

teleschau: Ist die CD trotzdem eine Zwischenbilanz, so zum 50. Geburtstag?

Fendrich: Nein, mir wurde das Zwischenbilanzieren zum 50. aufgedrängt. Die blöden Witze à la: "Jetzt sind die Kerzen teurer als die Torte" und so (lacht). Ich mag keine Resümees ziehen. Lasst mich doch mal noch ein bisserl was machen, bevor ich zurückblicke!

teleschau: Sie sind aber ernster geworden, scheint es ...

Fendrich: Mein Humor ist vermutlich schärfer geworden. Aber man schreibt mit 25 Jahren andere Lieder als mit 50. Friedrich Dürenmatt sagte mir einmal: "Sie haben das Zeug zum Lyriker" - ich sagte: "Was meinen Sie mit Lyrik?", und er antwortete: "Die Prosa ist verständlich, die Lyrik ist mehr als das." Diesen Satz habe ich erst 20 Jahre später begriffen! Man kann zwischen den Zeilen mehr erkennen, als das Wort ausdrückt. Diese Kunst möchte ich kultivieren. Denn wie gesagt: Ich bin eigentlich ein Liedermacher. Schade, dass der Begriff so verstaubt ist.

teleschau: Wieso beteuern Sie plötzlich, dass Sie ihre Lieder selber schreiben - das tun Sie doch schon immer?

Fendrich: Ich möchte vor allem auf das Song-Schreiben hinweisen, weil ich mir wünsche, dass das als Disziplin auch mal in die Casting-Shows kommt. Ich glaube, dass man mit diesen Shows, die das reine Interpretieren und nicht die Kreativität fördern, bei jungen Leuten auch großen Schaden anrichten kann. Warum gibt es da keine Plattform für Liederschreiber?

teleschau: Wollen Sie noch lange CDs aufnehmen?

Fendrich: Oh ja, ich habe endlich eine tolle Plattenfirma, die alle meine Sonderwünsche akzeptiert. Außerdem probe ich derzeit für ein Musical- und Theaterprojekt im Sommer in Wunsiedel bei Bayreuth. Dort spielen wir "Kiss Me Kate", mit meiner Lebensgefährtin in der Hauptrolle. Da zittere ich richtig vor!

teleschau: Warum machen Sie das?

Fendrich: Man lernt sehr viel. Ich habe eine große Rolle. Wenn ich auf meinen eigenen Konzerten einen Fehler mache, dann finden die Leute das sympathisch. Wenn ich einen Patzer im Musical liefere, dann ist das eine Katastrophe für das ganze Ensemble. Ich trainiere so meine Bühnendisziplin!

teleschau: Sie haben mit "VIP" ein Lied für Falco geschrieben, das dieser nicht mehr singen konnte, weil er vorher starb. Wie nah standen Sie ihm?

Fendrich: Ich war mit Falco befreundet, wie man mit Falco befreundet sein konnte. Ich war oft mit ihm unterwegs. Er sagte einmal, ich solle ihm ein Lied schreiben wie "Schickeria", so entstand "VIP". Sein Tod erschüttertet uns alle sehr. Er hatte alles, war der erfolgreichste österreichische Künstler weltweit - und doch so unglücklich!

teleschau: Sie haben auch das neue Album mit Ihrem bewährten Musiker-Team aufgenommen. Wie war's?

Fendrich: Das ist ein gutes Gefühl, mit einer so stabilen musikalischen Grundlage auf Tournee und auf der Bühne. Auch die absurde Art der Produktion wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht das totale Vertrauen, diese Brüderlichkeit da gewesen wäre. Ich schrieb meine Lieder auf Mallorca und nahm dort auch die Basics auf: Drumcomputer, akustische Gitarren, meinen Gesang. Dann ging das alles nach Wien, dort wurden die Keyboards und Bass eingespielt, dann ging es nach Graz für die E-Gitarren, in München kam das Schlagzeug dazu, und das Ganze wurde in Bremen gemischt.

teleschau: Warum die Umstände?

Fendrich: Es war leider anders nicht möglich, weil jeder seine Verpflichtungen hatte. Aber natürlich fehlte der Spaßfaktor im Studio total. Das mache ich so garantiert nicht mehr. Was wir nämlich nicht berechnet hatten, war dass diese Technik noch in den Kinderschuhen steckt. Daraus resultierte, dass die musikalischen Mails, die Wavs, zum Übertragen von 24 Spuren jeweils sieben Stunden brauchten! In der Zeit hätte man bequem hin und herfliegen können.

teleschau: Was ist eigentlich der mieseste Song, den Sie je gemacht haben?

Fendrich: Keiner, manche haben sich höchstens schlecht verkauft. Sagen wir so: Wenn ich einen hätte, würde ich es Ihnen nicht verraten (lacht).

teleschau: Was ist Ihre größte musikalische Angst?

Fendrich: Dass mir nichts mehr einfällt. Totale Ideenlosigkeit!

teleschau: Und was macht das zweite Standbein Fernsehen?

Fendrich: Ich habe 2005 einiges vollbracht, "50 Jahre ORF" moderiert, dazu die Show "Deal Or No Deal". Außerdem entwickeln wir gerade eine Serie mit Peter Weck, er ist der Vater, ich bin der Sohn. Der Witz ist, dass Weck in den 70-ern, bei dem Vorbild "Wie der Vater so der Sohn", den Sohn spielte. Für ihn ist das also so eine Art Rollentausch.

Kati Hofacker


Nicht mehr Popstar, eher Songwriter: Rainhard Fendrich.
Nicht mehr Popstar, eher Songwriter: Rainhard Fendrich. (Sony BMG)

Rainhard Fendrich lebt im "Hier + Jetzt".
Rainhard Fendrich lebt im "Hier + Jetzt". (Sony BMG)

Rainhard Fendrich hat keine Lust auf eine Zwischenbilanz zum 50. Geburtstag - so ist "Hier + Jetzt" eine ganz normale Platte geworden.
Rainhard Fendrich hat keine Lust auf eine Zwischenbilanz zum 50. Geburtstag - so ist "Hier + Jetzt" eine ganz normale Platte geworden. (Sony BMG)

Datum: 10.01.2006

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